Gelb regiert die Welt

Gelb also. Sonnenblumengelb. Postgelb. Quietscheentchengelb. Goldgelb. Gelb als Farbe des Sonnengotts Helios und als von der Industrie durchgesetzte Farbe für dann doch ganz schön prosaische Spülschwämmchen: Und mit dieser Farbe gedenkt der Kunstverein eine ganze ...

Von Michaela Adick

Gelb regiert die Welt

Das etwas groß geratene Entchen der Installationskünstlerin Jenny Winter-Stoyanovic lässt an Badefreuden denken.

Fotos: Andreas Veigel

Gelb also. Sonnenblumengelb. Postgelb. Quietscheentchengelb. Goldgelb. Gelb als Farbe des Sonnengotts Helios und als von der Industrie durchgesetzte Farbe für dann doch ganz schön prosaische Spülschwämmchen: Und mit dieser Farbe gedenkt der Kunstverein eine ganze Sommerausstellung zu bestreiten?

Ein Blick durch die erfrischend gehängte Ausstellung, die viele interessante Durchblicke erlaubt, und alle Vorurteile scheinen bestätigt: Da steht sie ja schon, die leuchtend gelbe Ente. Und was für ein Prachtexemplar sie doch ist. Die Provokation der jungen Installationskünstlerin Jenny Winter-Stoyanovic scheint gelungen. Hat sie mit ihrer Arbeit nicht schon jedes Klischee erfüllt? Der zweite Blick fällt auf ein ungleich kleineres Kärtchen. Die Reutlingerin hat ihrer stattlichen Ente den Titel "Liebes, kleines Schwesterlein, pack die Badehose ein" verpasst, der einen ganz anderen − nicht weniger klischeebehafteten − Assoziationsraum öffnet. Wer würde nicht an ganz andere Sommergelüste am Wannsee denken?

Gelb regiert die Welt

Und noch einmal Jenny Winter-Stoyanovic: Diesmal hat sie Unmengen von Spülschwämmchen zu einer lockeren Mauer aufgeschichtet.

Leichtigkeit

Merke: Auch bei einer so hellen, lichten Sommerausstellung wie der aus logistischen Gründen in den Sommer verschobenen Traditionsausstellung "Regionale", die in ihrer ganzen Leichtigkeit so einfach zu unterschätzen wäre, ist ein zweiter Blick geboten. Je zwölf Künstler von Künstlerbund Heilbronn und Kunstverein sind es in diesem Jahr, die in der jurierten Ausstellung "Regionale 2 x 12 Gelb" aufeinandertreffen. Da ist Sabine Jacobs, die mit ihren feinen Arbeiten in Draht und (gelbem) Papier vertreten ist. Ursula Drenker, die ihre gelben Großformate zeigt, und Christel Friedmann mit einem gelben Drahtgeflecht. Oder eben auch ein Maler wie Albrecht Lindenmaier, der eine konventionelle wie berückend schöne Sommerlandschaft zeigt. In Gelb selbstredend. Gleich daneben präsentiert der Bad Wimpfener Designer Hartmut Knell Recyclingkunst: Ein zweiteiliges Objekt, das aus einer Tasche eines Postboten entstanden sein dürfte. Klischees sind dazu da, erfüllt zu werden. Und wie lustvoll sich die Künstler daran abarbeiten.

Jenny Winter-Stoyanovic, die sich auch noch der Spülschwämmchen angenommen hat, Stefan Aritzona Hans, der in seinen Miniaturen, wenn schon nicht den Gelben Fluss, so doch den Yangtse zeigt: Eine gelbliche, offensichtlich kontaminierte Flusslandschaft. Und schon ist man bei einer weiteren, durchaus politisch motivierten Arbeit angelangt, erstellt von einem anonym bleibenden Kollektiv aus Künstlern des Kunstwerkhauses Zigarre. "Gelb regiert die Welt" haben sie ihre in den Raum greifende Arbeit genannt. Gelbe Pfähle lehnen an einer Arbeit, die einen architektonischen Aufriss zeigt: Ihre ganz persönliche Abrechnung mit dem Prozess der innerstädtischen Verdichtung: Auf dem Gartengründstück der Zigarre entsteht in diesen Wochen ein Studentenwohnheim.

Öffnungszeiten

Kunstverein Heilbronn, Allee 28. Bis 19. August. Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr. Eintritt frei.