„Wir können jetzt jonglieren“

Von Michaela Adick

Kein Stein blieb auf dem anderen: Mitglieder des Künstlerbundes Heilbronn in der eigenhändig umgebauten Kunstetage.Foto: Guido Sawatzki 

Heilbronn - Herrje, wo endet man denn, wenn man nie einen großen Schritt wagt?“ Brigitta Loch lehnt sich zurück und zuckt mit den Schultern. Es ist eine rhetorische Frage, gewiss. Doch die zweite Vorsitzende des Künstlerbundes Heilbronn (KBH) ist sich durchaus bewusst, dass der Künstlerbund mit der Eröffnung seiner Kunstetage K55 in der Karlstraße 55 in Heilbronn ein Risiko eingeht.

Kahle Räume

Ob sie es mit ihren derzeit 71 Mitgliedern schaffen werden, zwei Ausstellungsräume zu bespielen? Und: Wird die Finanzierung auch langfristig gesehen klappen? Rund 80 Prozent der Mitglieder haben bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung ihr Okay gegeben. Das macht Mut. Noch sind die großzügigen Galerieräume beinahe kahl: Hier und da lehnt ein Bild an der Wand. Bis Mittwoch, 30. April, wenn ab 20 Uhr die Eröffnungsparty steigt, wird sich das geändert haben. „Eine Bilderflut haben wird vorbereitet“, so Volkmar Köhler, der alte und neue Vorsitzende des Künstlerbundes. In einer barocken Hängung zeigt der KBH in der Regie der drei neuen Ausstellungsleiterinnen Dagmar Gemmrich (Skulptur), Nicola Rakutt (Malerei) und Birgit Schott (Installation) Arbeiten zum Thema „Tanz“ sowie ein Tanz-Video von Leonore Welzin, bevor dann zu Oldies einer Live-Band in den Mai hineingetanzt wird.

Überwältigt scheinen die Macher des Künstlerbundes von der Entwicklung der letzten Monate und ein wenig erschöpft. Mit einer erstaunlichen Rasanz hatte sich das Projekt Kunstetage verselbständigt. Innerhalb eines halben Jahres stand die Finanzierung von Stadt und Land, innerhalb der letzten drei Monate wurde die Etage, in der zuvor das Kolping Bildungswerk untergebracht war, in Eigenregie von Grund auf saniert. Kein Stein blieb auf dem anderen.

Wie aber soll das Programm künftig aussehen? „Unsere Planung für das laufende Jahr war bewusst konservativ, da wir damals nicht davon ausgehen konnten, dass alles klappt“, gibt Köhler freimütig zu. Das wird sich im nächsten Jahr ändern. Inhaltliche Schwerpunkte wollen sie setzen, Themen bündeln, Kontakte zum Kunstverein vertiefen. „Wir wollen ein Band knüpfen. Und wenn dann erst einmal die Kunsthalle steht ...“ Brigitta Lochs Augen leuchten. „Wir können jetzt jonglieren“, so Köhler.

Während die alten Galerieräume der U21 in der Uhlandstraße, die vom Künstlerbund seit 1998 bespielt und dem Verein künftig mietfrei zur Verfügung gestellt werden, zu den neuen „Kammerspielen“ mutieren, soll die mit 150 Quadratmetern Ausstellungsfläche ungleich großzügigere und auch für Installationskünstler interessante Kunstetage in der Karlstraße zu einem kulturellen Treffpunkt werden.

Helle Atmosphäre

Die Öffnungszeiten sollen langfristig erweitert, Kunstzeitschriften ausgelegt werden. In der strahlend hellen Fabrikatmosphäre wollen sie etwas bewegen. „Der Schritt zur Professionalisierung war längst überfällig“, so Köhler. Demnächst werden sie einen Förderverein gründen: Damit sie sich gelegentlich einen gescheiten Katalog oder ein Plakat leisten können.

Künstlerbund Heilbronn: Die Kunstetage in der Karlstraße 55 wird am Mittwoch, 30. April, 20 Uhr, mit einer Party eingeweiht.



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