200 Jahre „Käthchen von Heilbronn“
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Weitere Infos unter www.das-käthchen-von-heilbronn.de
Inszenierungen und Aktionen rund um das „Käthchen“ unter www.theater-heilbronn.de
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Windsbraut, Minimonster und Musikheldin
Von Claudia Ihlefeld und Andreas Sommer
Frühe Bühnenbildentwürfe von E.T. A. Hoffmann zur Bamberger "Käthchen"-Aufführung von 1811 und Kostümentwürfe zur ersten Berliner "Käthchen"-Aufführung von Graf von Brühl 1824 atmen den Geist der deutschen Romantik.
In dieser Tradition zeigt auch der Maler Heinrich Daehling um 1825 in Öl auf Leinwand ein dösendes Käthchen, den Kopf auf den Arm gestürzt, während der Graf huldvoll auf die Schöne blickt. Auf Postkartenmotiven und als Puppe zum Falten wird das Bild von der reinen Unschuld zum Marketingartikel. Im 20. Jahrhundert erscheint das Käthchen flotter, wenngleich ihr die alten Zöpfe bleiben.
1965 erregt die Käthchen-Bronze des Heilbronner Bildhauers Dieter Läpple die Gemüter. Als zu "abstrakt" erscheint den Kritikern die figürliche Darstellung ihrer Heilbronner Bürgerstochter. 2008 wird die "bezopfte Windsbraut" mit dem "Hühnerbrüstchen", so erboste Leserbriefschreiber in den 60er Jahren über Läpples Plastik, zum Rohling für die "Käthchen-Parade", mit der Heilbronn Marketing und Stadtinitiative die Bevölkerung auffordern, ihr Käthchen künstlerisch zu gestalten.
Strichmädchen
Für Aufregung sorgt im Jahr 2003 Volker März. Im Rahmen seiner Ausstellung "Ersatzmensch" in den Städtischen Museen werden im Foyer des Stadttheaters Käthchen-Figuren in einer Vitrine ausgestellt. Kleine, subversive Tonfiguren sind das Markenzeichen des Berliner Künstlers, der Bezüge herstellt zwischen Kleist und de Sade, den Themen Unschuld, Schuld, Bestrafung, zwischen seinen Käthchen und der Stadt. Über 20 fötusartige, nackte Monster drängen sich damals in der Glasvitrine: hautfarbene, also unschuldige Käthchen, rote, also erregte, schwarze, also verkohlte Figürchen. Die von Theater und Städtischen Museen geplante Aktion "Käthchen-Schmeißen" kommt nicht zustande, die zwei städtischen Kultureinrichtungen halten der öffentlichen Kritik nicht stand.
Recht frei verarbeitet der französische Filmregisseur Eric Rohmer 1979 in "Catherine de Heilbronn" den Stoff, ebenso assoziativ wie 2004 Theatermann Jürgen Flimm in dem Film "Käthchens Traum".
Acht "Käthchen"-Opern listet Lothar Heinle in seiner Dokumentation von 1994 auf. Auffällig ist, dass die musikalische Rezeption Kleists nach dem Wiener Kongress in der Restaurationszeit einsetzt und ein für heutige Verhältnisse reaktionäres Frauenbild transportiert. Allein 1845/46 werden drei "Käthchen"-Opern uraufgeführt. Ob eine dieser acht Opern jemals in Heilbronn zu hören war, ist ungeklärt.
In Vergessenheit
Die meisten Komponisten sind längst vergessen, auch ihre "Käthchen"-Werke verschwinden nach wenigen Aufführungen in der Versenkung: Berthold Damcke (1812-1875, Uraufführung seiner "Käthchen"-Oper 1845 in Königsberg), Johann Hoven (1803-1883, Uraufführung 1845 in Wien), Friedrich Lux (1820-1895, Uraufführung 1846 in Dessau), Wilhelm Kühner (1840-1911, Uraufführung 1860 in Ulm), Moritz Jaffé (1835-1925, Uraufführung 1866 in Augsburg), Carl Martin Reinthaler (1822-1896, Uraufführung 1881 in Frankfurt/Main), Siegfried Morbach (Lebensdaten unbekannt, Entstehungsjahr 1896, Oper blieb unaufgeführt) und Waldemar Bloch (1906-1984, Uraufführung 1958 in Graz).
Die Experten sind sich einig, dass Reinthalers Oper in vier Akten in der gemäßigt romantischen Nachfolge von Mendelssohn-Bartholdy die musikalisch anspruchsvollste ist. Das Werk des gebürtigen Erfurters erlebt am 21. März 2009 am Theater Erfurt eine Wiederaufführung.
Die nächste Folge unserer Serie zum 200. Geburtstag von Kleists "Käthchen" bietet ein Interview mit einem Germanisten. Internet: www.stimme.de/kaethchen
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