200 Jahre „Käthchen von Heilbronn“
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Weitere Infos unter www.das-käthchen-von-heilbronn.de
Inszenierungen und Aktionen rund um das „Käthchen“ unter www.theater-heilbronn.de
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Käthchen immer im Hier und Heute
Von Ulrike Bauer-Dörr
Heilbronn - Wieder einmal spaltet Heinrich von Kleists Käthchen die Heilbronner. Während der Stadtarchivar Dr. Christhard Schrenk und die Berliner Schauspielerin Viola Neumann Bravo-Rufe und Glückwünsche entgegennehmen, geben sich andere Besucher ratlos, äußern sich distanziert über das Geschehen auf der Heilbronner Harmoniebühne. Sie haben Schwierigkeiten, das soeben Gesehene und Gehörte über das Käthchen "in" Heilbronn einzuordnen.
Theatralisch
Mehr als 700 Gäste haben sich auf den etwas anderen Festakt eingelassen. Kein wissenschaftlicher Vortrag, keine ausufernden Grußworte erwarten sie, um den 200. Jahrestag der Wiener Uraufführung des "Käthchen von Heilbronn" zu feiern. Vielmehr hat die Stadt eine kurze und kurzweilige theatralische Inszenierung gewählt. Historische Episoden der Stadtgeschichte werden umrahmt vom Sinfonischen Jugendblasorchester und ergänzt von nachdenklicher Poesie aus dem Mund des Käthchens.
Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach bezeichnet das Käthchenschauspiel zu Beginn dankbar als Geschenk für Heilbronn. Es verlange aber die Auseinandersetzung aus heutiger Sicht. Die liefert Christhard Schrenk mit seinen sieben kurzen Episoden aus der Stadtgeschichte. Er spannt den Bogen von 1810, als Heilbronn seinen freien Reichstadt-Status verlor, über die Revolution 1848, den Musikskandal in der Kilianskirche um 1863 und die Frauenbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts. Dann gelangt er über den Zweiten Weltkrieg, den Wiederaufbau der Stadt und die Aufregung über Dieter Läpples Käthchenskulptur in die Gegenwart.
Unbeirrt
Dazwischen meldet sich das Käthchen zu Wort, trägt Poetisches aus der Feder von Frank Düwel vor. Es ist barfuß, trägt ein duftiges Organzakleid mit stolzem Kragen aus dem Atelier der Hamburger Designerin Hermine Seifert. Ihr einengendes Korsett legt Schauspielerin Viola Neumann ab, als Schrenk zur Frauenbewegung kommt: ein Symbol der Befreiung.
Unbeirrt wandelt das verliebte Käthchen durch die Wirrungen der Zeit. Es bleibt sich und seinen Gefühlen treu. Mal spricht es zu seinem Dichter, mal zu seinem Ritter. Es leidet und versteckt sich unter einem Militärmantel: Im Krieg liest niemand mehr. 1945 freut es sich: "Endlich wieder da. Und gespielt."
Dirigent Marc Lange hat dazu die revolutionäre Freiheitsmusik von Catel "Ouvertüre in C" und den "Danzon no. 2" von Marquez aus Mexico gewählt. Mit einem Paukenschlag überrascht das junge Ensemble die Besucher: Es ist Katzenmusik, wie sie einst in Heilbronn missliebige Obrigkeiten hören mussten.
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