200 Jahre „Käthchen von Heilbronn“


 
 
 Bildergalerie: Käthchen - Stadtrepräsentantinnen
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Datum : 06.03.2010 10:15
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Weitere Infos unter www.das-käthchen-von-heilbronn.de
Inszenierungen und Aktionen rund um das „Käthchen“ unter www.theater-heilbronn.de





Goethe warf das Stück ins Feuer

Von Andreas Sommer

Wien - Das „Käthchen ist den 17., 18. und 19. März auf dem Theater an der Wien zum ersten Mal gegeben, und auch seitdem häufig, wie mir Freunde sagen, wiederholt worden“, schreibt Heinrich von Kleist am 10. August 1810 an seinen Verleger Georg Andreas Reimer. Mittlerweile hat die Forschung zwei weitere Aufführungen belegt: am 24. und 27. März 1810.

Nur drei Stücke Kleists sind zu seinen Lebzeiten insgesamt 17 Mal aufgeführt worden: „Familie Schroffenstein“, „Der Zerbrochne Krug“ und „Das Käthchen von Heilbronn“. 15 Aufführungen entfallen allein auf das „Käthchen“. Die Wiener Uraufführung und die im September 1810 erschienene Buchausgabe fanden nicht ungeteilten Beifall. Goethe hat sich gegen dieses „wunderbare Gemisch aus Sinn und Unsinn“ gewandt mit den Worten: „Das führe ich nicht auf, auch wenn es halb Weimar verlangt.“ Der Dichterfürst soll das Buch ins Feuer geworfen haben, führte Günther Emig, Direktor des Kleist-Archivs Sembdner Heilbronn, bei der Eröffnung der „Käthchen“-Schau in der Volkshochschule aus. Was umso peinlicher war, als es ein geliehenes Exemplar gewesen sein soll.

Wirtschaftliche Not

Reinhold Stolze hat in seiner Dissertation „Kleists ,Käthchen von Heilbronn‘ auf der deutschen Bühne“ (1923) die Umstände der Wiener Uraufführung des Stücks untersucht. Demnach musste Kleist sein zwischen Spätherbst 1807 und Mitte 1808 entstandenes Werk den Theatern aus wirtschaftlicher Not anbieten. Aber welchem? Kleine Bühnen kamen für das Ritterschauspiel nicht in Frage.

Ebenso wenig Weimar wegen des Zwists mit Goethe. In Norddeutschland lag das Theater infolge von Kriegsnachwirkungen brach. Blieben nur Dresden oder Wien. Stolze vermutet, dass Franz Grüner, der bei der Uraufführung den Grafen vom Strahl spielte, auch Regie geführt hat. Madame Pedrillo gab das Käthchen. „Man wird das Stück nach der Art der dort üblichen Ritter- und Ausstattungsstücke gegeben haben“, schreibt Stolze in seiner Dissertation, die das Kleist-Archiv Sembdner vollständig neu gedruckt hat.

Durch die Buchveröffentlichung im Herbst 1810, so Stolze, war für alle Bühnen das Aufführungsrecht des Dramas frei. Erfolglos wurde das „Käthchen“ am 16. Dezember 1810 in Graz gespielt sowie am 1. September 1811 in Bamberg, hier schon in einer sich noch eng ans Original anlehnenden Bearbeitung von Franz von Holbein.

Holbeins Entstellungen

In dieser Bearbeitung wurde das „Käthchen“ 1812 in Würzburg und 1813 in Mannheim gezeigt. Die zweite Bearbeitung des Stoffs durch Holbein gehört nach den Worten Stolzes zu den „schlimmsten Entstellungen, die je ein Dichterwerk erlitten hat.“ Dennoch wurde diese Zeitgeist-Bearbeitung im 19. Jahrhundert 1200 Mal auf die Bühne gebracht. Erst mit den Aufführungen in Meiningen kam Kleists Original 1876 wieder fast unverfälscht zur Geltung. Die erste Heilbronner Aufführung des „Käthchens“ ist durch eine Zeitungsanzeige für das Jahr 1835 belegt.


16.04.2010


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