200 Jahre „Käthchen von Heilbronn“
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Inszenierungen und Aktionen rund um das „Käthchen“ unter www.theater-heilbronn.de
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Der zweifelnde Herr von Kleist
Von Uwe Grosser
Zeitgenössische Darstellung von Heinrich von Kleist, dessen "Käthchen von Heilbronn" am 17. März 1810 in Wien uraufgeführt wurde.Foto: dpa
Frankfurt/Oder - Man darf sich Heinrich von Kleist nicht als glücklichen Menschen vorstellen. Und das nicht nur, weil er seinem Leben 34-jährig selbst eine Ende setzte. Seine ganzen Lebensstationen, sein gesamtes literarisches Werk sind Ausdruck einer großen Sehnsucht nach einer besseren Welt, nach Glück. Gefunden hat er es nicht.So wie sein dramatisches Personal keinerlei Sicherheiten, keine Gewissheiten kennt, so hat auch Kleist selbst Zeit seines Lebens nach einem inneren wie äußeren Halt gesucht, der das Dasein erträglich macht. Doch meist blickte er nicht hoffnungsfroh in die Zukunft, sondern in die Abgründe der menschlichen Seele, wo er nichts fand, das ihn hätte beruhigen können.
Geboren am 18. Oktober 1777 (nach seinen eigenen Angaben am 10. Oktober) in Frankfurt an der Oder, der heutigen Partnerstadt von Heilbronn, scheint eine Karriere beim Militär der Familientradition entsprechend ausgemachte Sache zu sein. So tritt er 1792 ins 3. Bataillon des Garderegiments Potsdam ein, doch sieben Jahre später hat der 22-Jährige genug vom Leben als Soldat. Menschlichkeit und Offiziersdasein hält er für unvereinbar.
Naturwissenschaften
Er quittiert den Dienst, um sich künftig ganz dem Geist zu widmen. Kleist studiert in seiner Geburtsstadt Mathematik, Physik, Kulturgeschichte, Latein und Volkswirtschaft. Damals setzt er noch ganz auf die Naturwissenschaften als objektives Mittel zur Erkennung der Welt, doch schon nach drei Semestern bricht er ab. Diesmal ist es die Liebe, die ihn erneut die Richtung wechseln lässt: Er verlobt sich mit der Generalstochter Wilhelmine von Zenge und wird Volontär im preußischen Wirtschaftsministerium, schließlich braucht man einen ordentlichen Beruf. In jener Zeit beginnt er auch Kant zu lesen, was sein Weltbild zutiefst erschüttert. Gibt es überhaupt sichere Erkenntnisse, nach denen Kleist so sehr strebt?
Der 24-Jährige steckt in einer schweren Lebenskrise und flüchtet vor ihr, indem er reist. Nach Heilbronn ist er allerdings nie gekommen. Zuerst fährt er nach Paris, das ihm missfällt, dann in die Schweiz, wo er Bauer werden möchte, was zum Bruch mit Wilhelmine führt. Das Wichtigste an dieser Reise aber ist: Er schreibt jetzt regelmäßig und hat die Dramen „Die Familie Schroffenstein“ und „Der zerbrochne Krug“ begonnen.
Sieben Dramen
Zwischen 1801 und 1811 schreibt er sieben Dramen wie „Amphitryon“ (1806/07), „Penthesilea“ (1806-08) oder „Prinz Friedrich von Homburg“ (1809-11), von denen er selbst nie eines auf der Bühne gesehen hat. Dazu kommen acht Novellen, darunter „Die Marquise von O...“ (1808) oder „Michael Kohlhaas“ (1810). „Das Käthchen von Heilbronn“ entsteht 1807/08 und wirkt wie das Gegenstück zur „Penthesilea“. Hier die Handelnde, die ganz Leibliche, hier das hingebungsvolle, blind vertrauende Käthchen. Kleist schickt seine Figuren generell in existenzielle Ausnahmesituationen, unterwirft sie Täuschungen und konfrontiert sie mit äußeren Bedrohungen.
Viel Ablehnung
Seine Zeitgenossen halten – von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht viel von diesem für sie so exzentrischen Dichter, der in keine der damaligen Schubladen passt. Weder ist er ein Vertreter der Weimarer Klassik, noch kann man ihn den Romantikern zuordnen. Was also mit ihm anfangen? Der Erfolg bleibt ihm versagt. Finanziell ruiniert, an seiner Umgebung und sich selbst verzweifelnd, nimmt er sich am 21. November 1811 zusammen mit der krebskranken Henriette Vogel am Kleinen Wannsee das Leben. Zuerst erschießt er sie, dann sich selbst.
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