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Widdern gibt grünes Licht für Jagsttalbahn
Von Heike Kinkopf
Widdern/Jagsthausen - Der Sitzungssaal des Widderner Rathauses platzt schier aus allen Nähten. Interessiert und erwartungsvoll blicken die vielen Zuhörer der Abstimmung entgegen. Nach rund drei Stunden an Information, Fragen und Antworten, Rede und Gegenrede muss der Gemeinderat Farbe bekennen: Soll die Jagsttalbahn wieder fahren – ja oder nein? Mit unerwartet deutlicher Mehrheit – zehn Ja-, fünf Neinstimmen – erteilt das Gremium dem Projekt das Startsignal.
Das Bemberle soll wieder fahren. Auf dem etwa sieben Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Widdern und Jagsthausen. Die Nachbarkommune hatte bereits am Donnerstag einmütig pro Jagsttalbahn gestimmt. Jetzt ist der Weg frei für Verhandlungen mit dem Landkreis Heilbronn und dem Land Baden-Württemberg.
Unterstützung
Eines machen beide Kommunen deutlich: Ohne finanzielle Unterstützung der öffentlichen Hand stirbt der Plan. Dieser sieht wie bereits berichtet die Instandsetzung der Gleise und Schienen vor. Ein Lokschuppen soll beim Widderner Bahnhof entstehen. Kosten: rund drei Millionen Euro. Widdern erklärt sich bereit, 300.000 Euro davon zu übernehmen, Jagsthausen steuert 250.000 Euro bei. Die übrige Summe sollen Zuschüsse abdecken. Dass Widdern mehr zahlt als die Nachbargemeinde erklärt Bürgermeister Michael Reinert mit dem Lokschuppen, der in den Gesamtkosten mit 800.000 Euro veranschlagt ist. „Er ist ein Anziehungspunkt für Besucher, den möchte ich in Widdern haben.“ Der Rathauschef der kleinen Stadt verknüpft mit der Museumsbahn die Förderung des Fremdenverkehrs. Diese gelte es für Widdern zu entdecken.
Die steuerschwache Gemeinde sei heute vor allem auf Finanzzuweisungen aus Stuttgart angewiesen. Die in den vergangenen Jahrzehnten üppigen Erträge aus dem rund 700 Hektar großen Stadtwald sind dem natürlichen Wachstum der Bäume unterworfen. Die Einnahmen sprudelten erst in etwa 20 Jahren wieder, wenn der Baumbestand Marktreife erworben hat.
Vorteile für örtliche Gastronomie, Einzelhandel, Beherbergungsbetriebe oder auch Tankstellenbesitzer sieht Reinert in der Wiederinbetriebnahme der Jagsttalbahn. Sie fuhr im Dezember 1988 das letzte Mal. In dem Jahr sind 44.000 Fahrgäste gezählt worden. Das vorliegende Betriebskonzept geht von weitaus weniger Reisenden aus: Zwischen 14.500 und knapp 28.000, je nachdem ob nur Dieselloks an Sonn- und Feiertagen fahren oder ob die Fahrten auch auf Samstage ausgedehnt werden und zusätzlich Dampfloks und Sonderzüge zum Einsatz kommen.
Ehrenamtlich
Die Konzeption geht davon aus, dass der laufende Betrieb trotz Rücklagenbildung einen Überschuss abwirft. Möglich mache dies einzig und allein der Einsatz ehrenamtlicher Kräfte, die sich um den laufenden Betrieb der Museumsbahn kümmern. Denn klar ist: Widdern und Jagsthausen beteiligen sich einzig an den Investitionskosten. Für Loks und Waggons und die Fahrten selbst übernehmen die Jagsttalbahnfreunde mit Sitz in Dörzbach die Verantwortung beziehungsweise die gegründete Aktiengesellschaft Jagsttalbahn AG. Widdern und Jagsthausen erwerben Anteile an der AG in Höhe von je 25.000 Euro und sichern sich damit ein Mitspracherecht.
Unter dem Beifall der Zuhörer entscheidet Widderns Gemeinderat, das Projekt zusammen mit Jagsthausen anzugehen. Die Bahn soll – so sieht es die Konzeption vor – Pfingsten 2011 fahren. Bedenkenträger bleiben in der Minderheit. „Es sei eine „Nummer zu groß“, lehnt Erich Vilsmeier mit Blick auf andere Aufgaben ab. Thomas Schäfer sähe das Geld lieber in Vorhaben wie zum Beispiel die Sanierung der „holprigen“ Heilbronner Straße investiert. Die Jagsttalbahn sei ein Hobby. „Es funktioniert nicht“, ist er überzeugt. Martina Emert dagegen bewertet das Vorhaben als einen wichtigen Baustein, der dazu beiträgt, den Ortskern und die Attraktivität der Stadt zu steigern.
Bildergalerie Jagsttalbahn
Interessante Links
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Stadt Widdern: www.widdern.de
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Website des Jagsttalbahnfreunde e.V.: www.jagsttalbahn.de
- Eisenbahnfreunde FÜR die Jagsttalbahn




