Wie groß war der Schlägertrupp an der Hochschule?

Heilbronn  Verteidiger sehen keinen Landfriedensbruch

Von unserer Redakteurin Gertrud Schubert

"Dass das kein klarer Fall ist, ist klar." Deshalb lässt sich Richter Arian Willms das Beweisverfahren auch nicht ausreden. In letzter Minute versuchten vier Verteidiger die Eröffnung des Strafverfahrens gegen vier junge Stuttgarter abzuwenden. Die Anklage wirft ihren Mandanten besonders schweren Landfriedensbruch vor.

Student bedroht

Tatort war die Hochschule Heilbronn am 3. Juli vor fast zwei Jahren: In der Mittagszeit kommt es zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen einem der Angeklagten und einem Mitstudenten. Stunden später zieht eine offenbar herbeitelefonierte Gruppe von zehn bis 15 bewaffneten Personen auf. Mit Teleskopschlagstöcken, Spielzeugwaffe, einer 79 Zentimeter lange Eisenstange bewaffnet stellen sie dem Studenten Schläge in Aussicht. Eine der bedrohlichen Gestalten trägt sogar eine Sturmhaube.

Der Student rennt davon. Andere Studierende und ein Hausmeister, zufällig Beobachter des Geschehens, "fühlen sich in ihrem Sicherheitsgefühl beeinträchtigt", beschreibt die Anklage die Situation äußerst zurückhaltend. Die Angeklagten sind Mitte bis Ende 20, Student im Praxissemester, Auszubildender, Arbeitsloser und selbstständiger Subunternehmer für eine Spedition. Sie schweigen.

Zweifel

Dafür streuen ihre Anwälte beredt Zweifel am Tatvorwurf. Wenn nur fünf bis acht Personen aufgezogen seien, sei es abwegig von Landfriedensbruch zu reden und zu behaupten, die öffentliche Sicherheit sei gefährdet gewesen. Zudem sei es "reine Spekulation", dass sich in der Hochschule "eine unbestimmte Anzahl von Menschen beeinträchtigt fühlen konnte".

In ihrer Stellungnahme hatte die Staatsanwaltschaft durchaus bemerkt, dass die Angaben zur Personenzahl in der Menschenmenge stark variieren. Doch sei die Menge so groß gewesen, dass eine unmittelbare Kommunikation nicht mehr möglich gewesen sei. Richter Willms will bei der Zeugenvernehmung erfahren, ob sie sich geängstigt fühlten. Die Verhandlung wird am Mittwoch, 24. Mai, 14.30 Uhr, im Amtsgericht Heilbronn fortgesetzt.