Dresdner Staatsanwälte verzetteln sich auf Burg Hornberg

Von unserem Redakteur Wolfgang Müller

Burg Hornberg in Neckarzimmern. Foto: Archiv/Landauer 

Neckarzimmern - Bei der Hausdurchsuchung im Mai vergangenen Jahres, die zur Verurteilung des damaligen Verwalters des Weingutes Burg Hornberg wegen schweren Missbrauchs von Kindern geführt hat (wir berichteten), stand die Neckarzimmerner Burg nicht zum ersten Mal im Visier der Ermittler. Recherchen unserer Zeitung haben ergeben, dass bereits im März 2002 Computer und Datenträger in Neckarzimmern wegen des Verdachts auf Verbreitung pornografischer Schriften an einen Minderjährigen beschlagnahmt wurden. Beschuldigter damals: Dajo Freiherr von Gemmingen. Der wurde damals zwar fälschlicherweise verdächtigt. Von den pädophilen Aktivitäten seines Verwalters und Freundes Michael A. wusste er aber offenbar mehr, als er bisher zugegeben hat.

Die Spur führt nach Dresden. Per E-Mail soll der Beschuldigte um die Jahrtausendwende pornografische Bilder und einen homosexuellen Hardcorefilm an den damals minderjährigen Manfred W. (Name geändert) aus Dresden verschickt haben. Das mutmaßliche Opfer gehörte dem Verein Wandervogel − Bund für Jugendfahrten an. Dessen damaliger Bundesleiter erstattete im Februar 2001 bei der Staatsanwaltschaft Dresden Anzeige. Nicht gegen Dajo von Gemmingen, sondern gegen dessen Verwalter.

Perfide

Zuvor hatte der Chef der Wandervögel Einsicht in den E-Mail-Verkehr zwischen dem Jugendlichen aus Dresden und dem Verwalter von der Burg bekommen, der mitunter unter dem Pseudonym "Darus Levis" aufgetreten sei. "Das Ganze ist eine Dokumentation darüber, wie perfide sich ein Erwachsener in pädophiler Absicht einem Jugendlichen nähert", so der damalige Bundesleiter, der A. auch persönlich kannte. Denn als Graf von S. habe der versucht, Fuß bei den Wandervögeln zu fassen. Dabei habe er Manfred W. an sich gezogen und ihm Geschenke gemacht − unter anderem einen Computer und eine Webcam.

Dass die Staatsanwaltschaft Dresden von Gemmingen ins Visier nahm, hat einen einfachen Grund. Der falsche Graf von S. konnte nicht ausfindig gemacht werden, erinnert sich der Anzeigeerstatter, der Akteneinsicht nahm. Beschuldigter war so der Besitzer des Anschlusses, von dem aus die Mails verschickt wurden.

An die Hausdurchsuchung von 2002 kann sich Dajo von Gemmingen heute angeblich nicht genau erinnern. Nur so viel: "Es stimmt nicht, dass gegen mich ermittelt wurde." Er habe nicht einmal gewusst, worum es gegangen sei. Das ist laut unserer Zeitung vorliegender Dokumente gelogen. Mit den Beamten habe er kaum gesprochen, so von Gemmingen weiter. Und: Sie hätten nur einen Computer mitgenommen. Auch das ist nicht die Wahrheit. Unter anderem wurde der Computer seiner späteren Ehefrau, Daniela von Gemmingen, beschlagnahmt. "Mir sagte er, es handele sich um eine Steuergeschichte", erinnert sich die Baronin.

Von Gemmingen gibt zu, seinen Freund angerufen zu haben, als sich die Polizei von der Burg auf den Weg ins Schloss machte, wo A. wohnte. "Aber nicht, um ihn zu warnen." Dieser Darstellung widerspricht seine Ehefrau. "Sie kommen. Lösch alles, was belastend sein könnte", soll der Baron gesagt haben.

Quittiert

Das Verfahren wurde eingestellt. Der Anzeigeerstatter erinnert sich gut: Zwar wurden Hinweise auf dem Computer gefunden. Gemmingen habe aber ausgesagt, wechselnde Mieter im Haus zu haben. Und die Computer seien jederzeit für jeden zugänglich gewesen, so dass nicht mehr feststellbar sei, wer was von welchem Computer verschickt habe.

Kein Einzelfall

Von der Hausdurchsuchung 2002 zeigte sich der Verwalter des Weinguts Burg Hornberg unbeeindruckt. Bereits im August 2003 lud er als „Burg Hornberger Wandervogel“ im Bad Rappenauer Mitteilungsblatt Jungen zur Freizeit auf die Burg ein. In den Folgejahren missbrauchte Michael A. zwei Jungen. Dafür wurde er 2011 verurteilt. Vor seiner Verurteilung versuchte er, Kontakt zum Kinderschutzbund aufzunehmen – für Staatsanwältin Michaela Molnar die Begründung, Michael A. in Untersuchungshaft zu behalten. wom
 




termine23besenkalenderverkehrspiele

Diese Woche neu im Kino

Archiv-Ticker: Zurückgeblättert

Anzeigenmarkt