Wende im Wimpfener Freibad-Prozess - Urteil fällt heute

Heilbronn/Bad Wimpfen  Der Bademeister räumt nach dem tödlichem Badeunglück seine Schuld ein. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Bewährungsstrafe für den Badbetreiber. Am Nachmittag fällt das Urteil.

Von Helmut Buchholz

Das Mineralfreibad in Bad Wimpfen. Foto: Archiv/Seidel

Wende im Wimpfener Freibad-Prozess vor dem Heilbronner Amtsgericht: Der wegen fahrlässiger Tötung angeklagte Bademeister im Bad Wimpfener Freibad hat sein Schweigen am Montagvormittag gebrochen. Er hat über eine Erklärung seines Rechtsanwalts zugegeben, dass der tödliche Badeunfall im Juli 2015 hätte verhindert werden können, wenn er das Gefahrenpotenzial am Sprungturm erkannt hätte und der Turm gesperrt worden wäre.

Der 75-Jährige bezeichnete sein Verhalten als Fehler, das er mit „Betriebsblindheit“ begründete. Jahrzehntelang hätten sich die Springer auf Zuruf verständigt. Nichts sei passiert. Im Juli war ein 30-Jähriger mit Kopfsprung vom Zehner gesprungen und mit einem 35-Jährigen im Wasserbecken kollidiert, der seinen Verletzungen erlag.

Der zweite Angeklagte, der Badbetreiber, schloss sich der Erklärung, insbesondere was die Sicherheitslage angeht, des Bademeisters an.

Gutachter: Verständigung der Springer war mangelhaft

Auch ein Gutachter hat dem Sprungbetrieb Mängel attestiert. Im Wimpfener Freibad sind die Sprungebenen übereinander und nicht wie in vielen anderen Freibädern versetzt angeordnet. Die akustische Verständigung der Springer sei mangelhaft gewesen, erklärte der Sachverständige vor Gericht. Es hätte nur eine der Sprungplattformen geöffnet sein dürfen, jeweils nur einer Person hätte erlaubt sein dürfen, zu springen.

Die Staatsanwältin forderte in ihrem Plädoyer  für den Badbetreiber eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten und eine Geldauflage von 4000 Euro. Der Bademeister soll eine Geldstrafe von 3000 Euro zahlen.

Opferanwalt: Risiken waren bekannt gewesen

Die Opferanwälte wollten die Betriebsblindheit nicht gelten lassen. „Da sträuben sich mir die Haare“, sagte Rechtsanwalt Tobias Göbel. Der Badbetreiber habe bewusst die Augen vor der Gefahr am Turm verschlossen. Die Risiken seien schon durch eine Dienstanweisung aus den 1990er Jahren bekannt gewesen.

Der Verteidiger des Badbetreibers beantragte eine Geldstrafe für seinen Mandanten. Die überwiegende Schuld an dem Unfall trage der 30-Jährige, der vom Zehner gesprungen sei. Der Badbetreiber werde durch die Verurteilung den Pachtvertrag verlieren.

Der Verteidiger des Bademeisters schloss sich dem Strafantrag der Staatsanwältin an, die eine Geldstrafe von 3000 Euro gefordert hatte. Er merkte an, dass auch die Stadt Bad Wimpfen, die ganze „normenlose“ Branche und der 30-Jährige Springer mitschuldig sind. „Wir reagieren jetzt auf die Letzten in einer Kette, aber die davor haben auch versagt.“

Das Urteil soll am Nachmittag verkündet werden. 

 

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