Strobl heizt S21-Streit mit Nazi-Verweis an
Thomas Strobl hat sich mittlerweile bei Walter Sittler entschuldigt.
Walter Sittler nahm die Entschuldigung bereits an. Für Sittler stellte die Äußerung den Beweis dar, dass den Befürwortern des Milliarden-Bahnprojekts nun endgültig die Argumente ausgingen.
Am Dienstag blockierten außerdem 120 Demonstranten den Südflügel des Hauptbahnhofs, um Bauarbeiten für das Grundwassermanagement des geplanten Tiefbahnhofs zu behindern. Die Polizei löste die Aktion am Vormittag auf.
Newsletter
Der Heilbronner Bundestagsabgeordnete Strobl, der auch Chef der baden-württembergischen CDU-Landesgruppe im Bundestag ist, hatte Sittler in seinem Newsletter „Berlin aktuell“ am vergangenen Freitag ein „mangelndes Demokratieverständnis“ vorgeworfen. Dazu stellte er ein Foto des Schauspielers und die Bildzeile: „Sein Vater war Nazi-Funktionär und arbeitete für Reichspropagandaminister Joseph Goebbels: Walter Sittler, Propagandist der S21-Bewegung“.
Der Newsletter war am Dienstag noch auf Strobls Internetseite abrufbar. Sittler hatte bereits 2007 in einer ZDF-Dokumentation offengelegt, wie sein Vater zu „einer stählernen Stimme des Reiches“ wurde.
Sittler sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Jetzt geht das los, dass sie wieder mit Sachen um sich werfen, weil sie keine Argumente haben - nur um auf jeden Fall Schaden anzurichten.“ Nach ersten Gefühlen der Verletzung sei ihm aber klar geworden: Strobl habe mit der Veröffentlichung ein Eigentor geschossen. „Das vergiftet weiterhin die Atmosphäre, anstatt - wie es ja alle machen sollen -Friedenspflicht einzuhalten, damit man miteinander redet. Er will das gar nicht. Das sind keine guten Voraussetzungen für die Gespräche.“
In einer Mail habe er Strobl allerdings lediglich auf einige sachliche Fehler hingewiesen, sagte der Schauspieler. „Denn mein Vater hat ja für das Auswärtige Amt gearbeitet und nicht für das Reichspropagandaministerium. Er war auch nicht Funktionär, sondern Parteimitglied - das habe ich ihm nur der Vollständigkeit halber geschrieben“, sagte Sittler. Kommentieren wolle er Strobls Vorstoß ansonsten nicht. „Die Vergangenheit ist Teil unserer Familie. Aber ich bin nicht verantwortlich für das, was meine Eltern getan haben.“
SPD und Grüne fordern Entschuldigung
SPD-Generalsekretär Peter Friedrich warf Strobl vor, er stelle Sittler in eine Reihe mit Nazi-Propagandisten. „Diese Aussagen sind eine blanke Unverschämtheit. Strobl versucht sich hier als verbaler Wasserwerfer“, sagte Friedrich der dpa. Mit der Dialogbereitschaft der CDU bei dem umstrittenen Bahnprojekt sei es nicht weit her, wenn Menschen mit anderer Meinung in solcher Weise verunglimpft würden.
Grünen-Landeschef Chris Kühn nannte Strobls Äußerung einen „infamen und völlig inakzeptablen Angriff“. Er fügte hinzu: „Strobl verlässt mit seinem unsäglichen NS-Verweis den Rahmen der demokratischen Streitkultur. Er muss sich sofort bei Sittler für seine Diffamierung entschuldigen. Außerdem ist eine Distanzierung von CDU-Chef Mappus von den Aussagen seines Generalsekretärs unbedingt notwendig.“
Der Grünen-Verkehrsexperte Werner Wölfle sagte: „Da verrohen die Sitten. Das ist irgendwas zwischen peinlich und eklig“. Die Schlichtungsgespräche zwischen Gegnern und Befürwortern des Bahnprojekts, die an diesem Donnerstag fortgesetzt werden sollen, werde das aber nicht belasten. Auch der Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, Gangolf Stocker, sagte: „Wir kennen Herrn Strobl. Den Mann muss man einfach ignorieren.“
Blockadeaktion
Einige Gegner von Stuttgart 21 setzten ungeachtet der Schlichtungsgespräche ihre Proteste mit einer Blockadeaktion an der Baustelle fort. Die Parkschützer wollen das sogenannte Wassermanagement verhindern. Sie fürchten, dass es zu unkontrollierbaren geologischen Veränderungen und zur Verunreinigung der Mineralwasservorkommen im Stuttgarter Talkessel kommen könnte. Auch bestehe die Gefahr, dass die Bäume im Schlossgarten absterben.
An diesem Mittwoch wollen Gegner und Befürworter den Südflügel besichtigen. Der Termin war eigentlich schon für Dienstag geplant, wurde aber auf Bitten des Schlichters Heiner Geißler verschoben. Die Kritiker vermuten, dass der Gebäudetrakt weiter entkernt wird. Damit würde die Bahn aus ihrer Sicht gegen die Friedenspflicht verstoßen.
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