SLK-Chef Jendges wegen Betrugs angeklagt

Von Iris Baars-Werner und Jürgen Kümmerle

 

Heilbronn -Die Heilbronner SLK-Klinik-GmbH kommt nicht zur Ruhe. Gestern am frühen Abend sah sich der Heilbronner Oberbürgermeister und SLK-Aufsichtsratsvorsitzende Helmut Himmelsbach zu einer Ehrenerklärung für SLK-Geschäftsführer Dr. Thomas Jendges veranlasst. Der Grund: In Berlin läuft ein Verfahren gegen frühere leitende Mitarbeiter der DRK-Kliniken – darunter Thomas Jendges.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf Betrug. Es geht dabei um falsche Abrechnungen für ärztliche Eingriffe in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) einiger Berliner Rot-Kreuz-Kliniken. Der Zeitraum der von der Berliner Strafverfolgungsbehörde aufgegriffenen Vorgänge umfasst sechs Jahre von 2004 bis 2010; Thomas Jendges war von Dezember 2006 bis Juli 2008 für eineinhalb Jahre bei den DRK-Kliniken kaufmännischer Geschäftsführer.

Jendges weist alle Vorwürfe zurück. Er hatte bereits im Juni 2010 die SLK-Gesellschafter, OB Helmut Himmelsbach und Landrat Detlef Piepenburg, sowie die Aufsichtsräte informiert. Seit März 2012 liegt eine Anklageschrift gegen ihn und weitere ehemalige DRK-Manager vor. Zur Heilbronner Stimme sagte Himmelsbach gestern: „Dr. Jendges hat mein vollstes Vertrauen.“ Der SLK-Aufsichtsrat habe keinen Anlass, daran zu zweifeln, „dass er sich keine Straftat hat zuschulden kommen lassen“. Jendges bekräftigt: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Für mich ist Berlin gedanklich und innerlich abgeschlossen.“

Tatsächlich aber hat die Berliner Justiz das Hauptverfahren in dieser Angelegenheit noch nicht einmal eröffnet, obwohl der Beginn der Ermittlungen schon mehrere Jahre zurückliegt. „Mit großer Gelassenheit“ könne er als SLK-Aufsichtsratsvorsitzender auch das Gerichtsverfahren abwarten, erklärte Himmelsbach, „wenngleich es unangenehm ist, dass es so lange dauert“. Die Frage sei, ob gegen Jendges überhaupt das Hauptverfahren eröffnet werde.

Als „angeschlagen“ will Oberbürgermeister Himmelsbach den SLK-Geschäftsführer keinesfalls bezeichnen. Thomas Jendges arbeite mit allen GmbH-Verantwortlichen und der Hilfe der Wirtschaftsprüfer der KPMG an der vollständigen Aufklärung der Vorgänge in der Neurologie (wir berichteten). Dabei wird nicht nur untersucht, ob Patienten zu Schaden gekommen sind: Es geht inzwischen auch um möglicherweise falsche Abrechnungen: „Es kann sein, dass es in der Neurologie in Einzelfällen zu Abrechnungsfehlern gekommen ist“, erklärte Jendges gestern.

 

Aufklärung

Unterdessen fordert Dr. Martin Uellner, Sprecher der Heilbronner Ärzteschaft, eine detaillierte Aufklärung des Falles um einen Arzt ohne gültige Approbation. „Das ist ein weiterer Vertrauensverlust für die SLK-Kliniken und die Neurologie“, sagt Uellner. Sowohl der Fall des holländischen Skandalarztes als auch der Neurologe, der ohne gültige Approbation tätig war, bezeichnet Uellner als äußerst bedenkliche Vorfälle.

Dem Regierungspräsidium in Stuttgart ging bereits im Sommer 2011 die Information zu, dass die Approbation des Neurologen zum Ruhen gebracht wurde.

„Wir haben die Landesärztekammer im August 2011 informiert“, sagt Dr. Clemens Hohmuth-Kuhs vom Regierungspräsidium in Stuttgart. Das Klinikum am Gesundbrunnen gab an, dass sich der Neurologe im Juli 2012 mit einer gültigen Approbation vorgestellt habe.

Der Neurologe wurde im Herbst 2012 von der Polizei auf dem Gelände der Plattenwald-Klinik in Bad Friedrichshall festgesetzt. Zum einen wegen fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr, zum anderen wegen Verstoßes gegen die Bundesärzteordnung.


 




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