Pfandautomat manipuliert: Gericht verurteilt Angeklagten

Heilbronn/Leingarten  Weil er an einem manipulierten Pfandrücknahmeautomaten rund 52.000 Pfandflaschen auf betrügerische Art mehrfach einführte, wurde ein junger Einzelhändler zu sechs Monaten Jugendstrafe auf Bewährung und 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Von Carsten Friese

Rund 52.000 Pfandflaschen soll der Angeklagte abgerechnet haben, ohne sie zurückzugeben. Foto: dpa

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der damals 20-Jährige in seinem eigenen Getränkelieferhandel im Jahr 2014 einen regulären Automaten der Pfandsystemfirma derart umrüstete, dass Einwegdosen und –flaschen in dem sogenannten Kompaktor nicht zusammengepresst wurden und man sie dadurch mehrfach einführen konnte. 

Die gebuchten Vorgänge machte er als Händler bei der zuständigen Systemfirma geltend und erbeutete so auf illegale Art und Weise laut Anklage 13.072 Euro Pfandgeld – 25 Cent pro Vorgang. Der Tatvorwurf: gewerbsmäßiger Betrug.

Unschuld beteuert

Bis zuletzt hat der gelernte Maler und Lackierer, der nach seiner Ausbildung im Jahr 2014 umsattelte, eine Halle im Leingartener Gewerbegebiet mietete und als Belieferer von Dönerimbissen und anderen Firmen mit Cola, Fanta oder Red Bull anfing, die Taten geleugnet. Laufkundschaft hatte er keine. Er habe nichts gemacht, sagte er, und könne sich die Tatvorwürfe nicht erklären.

Ganz normal will er die bei seinen Kunden eingesammelten Flaschen und Dosen in den Automaten eingeführt haben. Es seien große Mengen gewesen, da einige Kunden ihm die Ware auch mit Pfandflaschen und –dosen bezahlt hätten.

Keine Zweifel beim Gericht

Das Gericht stufte seine Angaben als Lügen ein. Trotz seiner Beteuerungen „sind wir überzeugt, dass es so war“, betonte der Vorsitzende Richter. Weil der Mann alleiniger Geschäftsführer der kleinen Firma war und nur sein Vater mitarbeitete; weil nur er den Schlüssel für die Lagerhalle hatte und weil der Gewinn aus den betrügerischen Abrechnungen auf sein Konto floss.

Zudem lief das neue Geschäft mit den Getränken schlecht, die Firma schrieb rote Zahlen. Die Manipulationen fielen auf, weil immer wieder exakt dieselben Chargen an Flaschen- und Dosenzusammensetzungen verschiedener Getränkehersteller kurze Zeit hintereinander im Automaten landeten.

„Ausgeschlossen“ war für das Gericht, dass dies in der Realität beim Einsammeln der Wertstoffe bei verschiedenen Kunden passieren kann. Für das Gericht gab es „keinen Zweifel, dass Sie die Manipulationen gemacht haben“, unterstrich der Vorsitzende Richter. Er attestierte dem Angeklagten, der inzwischen eine Shisha-Bar in Heilbronn führt, hohe kriminelle Energie. Den hohen Schaden, der über mehrere Monate entstanden war, muss der Angeklagte ersetzen.

Das Gericht wird bei Rechtskraft des Urteils einen Wert von exakt 13.072 Euro bei ihm einziehen und an die geschädigte Abrechnungsfirma weiterleiten, blickte der Richter voraus.

Getränkefirma inzwischen aufgelöst

Die kleine Getränkefirma hat der Angeklagte längst aufgelöst, den Pfandautomaten verschrottet. Als die Polizei nach der Anzeige die Ermittlungen aufnahm, gab es die Firma in Leingarten bereits nicht mehr. Ein Kaufvertrag über den Pfandautomaten, der beim Angeklagten gefunden wurde, war ein wichtiges Indiz, dass er hinter diesen Manipulationen steckte.