Nach Hundegejaule vor Lokal völlig ausgerastet

Heilbronn  Vor dem Heilbronner Landgericht ist ein Mann wegen eines möglichen versuchten Mordes angeklagt. In einem Lokal am Marrahaus soll er nach einem Wortgefecht mit einem Hundebesitzer auf sein Gegenüber eingestochen haben.

Von Carsten Friese

„Der war außer Sinnen und wollte auf mich einstechen.“ Das Opfer einer Gewaltattacke aus heiterem Himmel vor einem Lokal am Heilbronner Marrahaus hat am Freitag vor dem Heilbronner Landgericht den Angeklagten klar belastet. „Ich stech’ dich ab, du scheiß Türke“, soll der 49-Jährige mehrfach laut geschrien haben.

Der Anlass ist für Richter und Beobachter nicht mal im Ansatz nachvollziehbar. Das 42-jährige Opfer saß auf der Freifläche des Lokals am Neckar mit Ehefrau und zwei Kindern, war gerade dabei, eine Pizza zu schneiden. Da jaulte sein Hund, als ein anderer vorbeilief. Das reichte offenbar aus, um den mehrfach vorbestraften Angeklagten ausrasten zu lassen.

Angeklagte zieht Klappmesser

Er kannte den anderen Gast nicht, ging wutentbrannt mit lauten Drohungen auf ihn zu. Als der aufstand, das Pizzamesser noch in der Hand, zog der Angeklagte ein Klappmesser, fuchtelte damit in Richtung seines Gegenübers und ging ihm weiter drohend hinterher, als dieser rückwärts zu einem Baum auswich. Einen Stich, der nach Angaben des Opfers auf Kopf und Hals zielte, konnte der Familienvater mit der Hand gerade noch abwehren. Er zog sich dabei eine Schnittwunde zu.

Als der Angreifer ihn weiter verfolgte, sei er um den Block geflohen. Wenn ein Lokalmitarbeiter nicht auf den Aggressor eingewirkt hätte, „wäre es richtig schlimm ausgegangen“, so der Zeuge. Der Angeklagte ließ über seinen Anwalt die Vorwürfe einräumen. Eine Tötungsabsicht stritt er ab.

Gericht prüft Sicherungsverwahrung

Versuchter Mord wird in seinem Fall geprüft. Und da er wegen Gewalttaten vorbestraft ist und unter Bewährung stand, droht ihm ein dauerhaftes Wegsperren hinter Gittern. „Das Damoklesschwert der Sicherungsverwahrung schwebt über Ihnen“, sagte Richter Roland Kleinschroth.

Der Gelegenheitsarbeiter und Drogenkonsument entschuldigte sich zwar im Gericht bei seinem Opfer. Wie gefährlich er sein kann, zeigt indes eine zweite Anklage wegen illegalen Waffenbesitzes. Mit drei Messern, Schreckschusspistole samt Munition und einer Deko-Maschinenpistole war er in ein Lokal gegangen. Eine Bedienung rief die Polizei. Warum er mit dem Waffenarsenal durch die Stadt lief, beantwortete der Mann nicht.