Nach Balleifasching: Facebook-Hasstirade gegen Polizei

Neckarsulm/Heilbronn  Ein 21-Jähriger, der vom Rosenmontagsball in der Neckarsulmer Ballei verwiesen und anschließend von der Polizei in Gewahrsam genommen wurde, wehrt sich via Facebook gegen angebliche Polizeigewalt. Die Polizei hat nun reagiert.

Von Adrian Hoffmann

Der 21-Jährige will die Situation ganz anders erlebt haben als im Polizeibericht geschildert. In der Kommentarspalte seines Facebook-Beitrages, den er in mehreren Gruppen geteilt hatte, startete eine Hasstirade gegen die Heilbronner Polizei.

Behauptungen werden geprüft und der Staatsanwaltschaft vorgelegt

Die Heilbronner Polizei hat nun auf die Facebook-Veröffentlichung reagiert und stellt klar: Gegen den 21-Jährigen laufen Ermittlungen wegen „Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und gefährlicher Körperverletzung“. Wie in solchen Fällen üblich würde strafrechtlich relevante Behauptungen zum Verhalten von Polizisten geprüft und der Staatsanwaltschaft vorgelegt.

Der 21-jährige Mann hatte zunächst Interesse signalisiert, mit stimme.de über den Vorfall zu sprechen, zog dann aber am Donnerstag zurück. Er habe mit seinem Anwalt darüber gesprochen und möchte sich erst einmal nicht zu Sache äußern, sagte er.

Facebooknutzer kommentieren, ohne Sachverhalt zu kennen

Dass Betrunkene nach einer Nacht in der Polizeizelle eine andere Sicht auf das Geschehen haben als Polizisten, ist nicht neu. Was genau passiert war, lässt sich auch schlecht rekonstruieren; weil oft Zeugen fehlen. In diesem Fall auffällig ist aber noch ein ganz anderer Aspekt: Mit welcher Überzeugung und Wut viele Facebooknutzer gleich gegen angeblich gewalttätige Polizisten kommentieren – ohne zu wissen, was genau sich wie zugetragen hat. Sie verlassen sich auf die Darstellung eines Einzelnen.

Von Nazis und Hurensöhnen ist die Rede, von Ausländerhass. Viele schreiben „ACAB“, das Kürzel für „All Cops Are Bastards“. Nur wenige Facebooknutzer beklagen sich über die pauschalen Beschimpfungen und die raue Tonart, die ohne jegliches Wissen über die Situation unter dem Beitrag (300 Kommentare, 1300 mal geteilt) zu lesen ist.

Sicherheitsdienst will sich nicht zu dem Vorfall äußern

Die Heilbronner Polizei teilt hierzu mit: „Im Kontext zu diesen Ereignissen verfasste Beiträge in den sozialen Medien werden hinsichtlich ihres Inhalts auf mögliche Strafbarkeiten der verantwortlichen Facebook-Nutzer geprüft. Sie haben dann mit entsprechenden Ermittlungsverfahren zu rechnen.“

Vom für den Rosenmontagsball zuständigen Sicherheitsdienst „KS Security“ waren keine Angaben zum Vorfall zu erhalten, obwohl es im Polizeibericht heißt, der Mann sei „von Security-Kräften“ vor die Tür gesetzt worden. Er habe den Vorfall nicht mitbekommen, sagt der Security-Einsatzleiter auf Anfrage unserer Zeitung.

 

Polizeibericht und Darstellung des 21-Jährigen

Der Polizeibericht vom 28.02. im Wortlaut:

Kurzerhand von Security-Kräften vor die Tür gesetzt wurde ein 21-Jähriger beim Rosenmontagsball in der Neckarsulmer Ballei. Gegen 1.30 Uhr war er in eine körperliche Auseinandersetzung verwickelt, weshalb er die Halle und das Areal verlassen musste. Das tat er auch zunächst, kam aber wieder und wollte in die Ballei hinein. Selbst auf die alarmierte Polizei wollte er nicht hören, weshalb ihm klar gemacht wurde, dass er mit den Beamten kommen muss. Er wehrte sich heftig und verletzte zunächst eine Beamtin. Deren männlichem Kollegen trat er ins Gesicht. Den Rest der Nacht musste er in einer Zelle verbringen.
 

>>Darstellung des 21-Jährigen, die er auf Facebook veröffentlichte