Mordprozess Untergriesheim: Angeklagter voll schuldfähig

Region  Im Prozess um den Mord an einer Rentnerin in Untergriesheim stehen die Zeichen für den Angeklagten auf lebenslange Haftstrafe.

Von Carsten Friese

Der psychiatrische Gutachter hat dem 27-jährigen Asylbewerber am Freitag vor dem Heilbronner Landgericht eine volle Schuldfähigkeit attestiert.

Der Mann, der aus Pakistan in einer rund zweijährigen Odyssee bis nach Deutschland geflohen war, zeigt nach Angaben des Sachverständigen zwar Symptome einer Anpassungsstörung und einer Störung des Sozialverhaltens im Umgang mit anderen Menschen. Dies sei typisch für anhaltende körperliche und seelische Belastungen. Seine Steuerungsfähigkeit sei jedoch mit Blick auf die Mordtat deshalb nicht beeinträchtigt gewesen.

Eine Psychologin hatte mit dem Angeklagten zudem eine Reihe psychologischer Test gemacht. Ihr Ergebnis: Der Mann liegt beim Intelligenz-Quotienten im Normbereich, es gibt zudem keine Hinweise auf hirnorganische Störungen.

Angeklagter bestreitet die Tat

Nach wie vor bestreitet der Angeklagte, irgendetwas mit der Mordtat in Untergriesheim zu tun zu haben. Der Täter war im Mai 2016 nachts in das Haus eingedrungen, hatte auf die 70-jährige, die in ihrem Bett lag, eingeschlagen und sie stranguliert. Ein Telefonkabel, einen Schal und eine Bordüre soll er dazu benutzt haben. Schmuck, Geld und ein Handy nahm der Täter mit. 

Die Frau starb nach Angaben der Rechtsmedizinerin durch Ersticken. An Armen und Händen gab es zudem Abwehrverletzungen. Nach Überzeugung der Gutachterin muss der Todeskampf, den sie nach der Spurenlage bewusst erlebte, mindestens vier Minuten gedauert haben.

Angeblicher Rauschzustand 

Eine abenteuerliche Version, die der Angeklagte von Erlebnissen zum Tatzeitraum dem Gericht präsentiert hatte, stufte der Gutachter als nicht glaubwürdig ein. Von einer  angebotenen Zigarette eines Arabers am Heilbronner Bahnhof und angebotenem Essen von Arabern, das er am Abend vor der Tat zu sich nahm, hatte der 27-Jährige berichtet. Danach will er in eine Art Rauschzustand gefallen sein, der etwa zwölf Stunden angehalten habe. In dieser Zeit will er sich an nichts mehr erinnern. Er sprach von Spuren, die ihm feindlich gesinnte Muslime am Tatort ausgelegt haben könnten.

Im Schlafzimmer und an anderen Stellen im Haus der Rentnerin waren Gen- und Schuhspuren des Angeklagten gefunden worden – unter anderem an Mordwerkzeugen wie dem Telefonkabel. Der Gutachter verwarf diese Rauschhypothese mit gleichzeitigem lang andauernden Gedächtnisverlust. Bei einer Vergiftung zum Beispiel durch Drogen setzten die Erscheinungen langsam, nicht schlagartig, ein und steigerten sich erst, führte der Experte aus. Bei einer akuten schizophrenen Episode gebe es keinen Gedächtnisverlust. Und in einem epileptischen Dämmerzustand müsse eine Epilepsie vorliegen – was der Angeklagte in allen Untersuchungen mit keinem Wort geschildert habe.

Nach dem Plan des Gerichts sollen kommende Woche die Plädoyers gehalten werden. Ein Urteil ist bisher für 28. Februar geplant. 

 

Der Untergriesheimer Mordprozess im Überblick