Methadon-Prozess: Patient belastet Arzthelferin schwer

Heilbronn - Im Prozess um massenhaften Methadondiebstahl aus einer Arztpraxis gerät die Version der angeklagten Arzthelferin ins Wanken. Der Abnehmer der Methadonflaschen belastete die zehn Jahre ältere Arzthelferin am Freitag vor dem Heilbronner Landgericht schwer.

Von Carsten Friese

Heilbronn - Im Prozess um massenhaften Methadondiebstahl aus einer Arztpraxis gerät die Version der angeklagten Arzthelferin ins Wanken.

Der Abnehmer der Methadonflaschen, ein 35-jähriger Abhängiger, seit Jahren Patient in der Praxis, belastete die zehn Jahre ältere Arzthelferin am Freitag vor dem Heilbronner Landgericht schwer. Nicht er habe sie zum Diebstahl der Ersatzdroge für Heroin angestiftet und am Ende immer mehr Stoff verlangt.

Die Arzthelferin habe ihn zunächst nach Speed gefragt und bei der Übergabe „in einem schwarzen Van“ plötzlich von Methadonhandel gesprochen. Sie besorge es, er solle es auf der Straße verkaufen, man könne „Halbe-Halbe“ machen, sagte der Zeuge aus. Und bei diesem ersten Treffen habe sie gleich eine 500-Milliliter-Flasche dabeigehabt.

Vorwurf Lüge

Nach Angaben des Zeugen hat die Arzthelferin ihm ein Jahr lang Methadon besorgt. Meist einen halben Liter, später auch Literflaschen. Er habe die Hälfte selbst konsumiert, später auch mehr, den anderen Teil verkauft und das Geld an die Arzthelferin übergeben – bis auf kleine Summen, die er für Essen, Zigaretten oder Getränke ausgab. Schwarzmarkt-Kurs: fünf Euro pro Milliliter. „1000 Euro waren es immer“, sagte der Zeuge auf die Frage, was er der Frau nach dem Verkauf großer Mengen gab.

„Warum lügst du?“, griff die Angeklagte ihn an. „Ich sage definitiv die Wahrheit“, entgegnete der Zeuge, der wegen seiner Taten bereits verurteilt ist. Nach einem Tipp aus der Szene entdeckte die Polizei Ende 2010 das Methadon bei ihm und fädelte einen Scheinkauf mit der Arzthelferin ein. 1500 Euro nahm die Frau damals von dem Patienten an.

Heftige Worte fand eine frühere Kollegin in der Praxis als Zeugin. Sie hoffe, dass die Angeklagte möglichst lang ins Gefängnis kommt. Weil sie den Ruf der Praxis ruiniert und Verantwortung gegenüber den Patienten habe. „Ein paar Milliliter Methadon können tödlich sein.“

An einem Morgen war ihr aufgefallen, dass in einem Methadongefäß im Tresor rund 200 Milliliter fehlten. Die Aufregung war groß. Die Angeklagte hat nach Angaben der Kollegin die größte Entrüstung gezeigt. Eine andere Arzthelferin berichtete, dass die Angeklagte damals äußerte, die Kollegin habe den Diebstahl erfunden – um vor dem Chef als aufmerksame Kraft gut dazustehen.

Ohne Quittung

Dass die Abgabe des Methadons zwischen Apotheke und Arztpraxis „löchrig“ dokumentiert wurde, stellte Richter Norbert Winkelmann fest. Monatsweise gaben Arzthelferinnen Rezepte der Patienten an die Apotheke. Je nach Bedarf wurde Methadon spontan nachbeschafft – ohne Quittungen. Bestandslisten über besorgte und ausgegebene Mengen wurden in der Praxis nicht geführt – nur Listen, welcher Patient mit welcher Dosis am Tag da war.