Friedliche Proteste gegen rechte Gewalt

Region - Das Aktionsbündnis "Heilbronn stellt sich quer" hat am Samstag in Brackenheim, Eppingen, Sinsheim und Öhringen Kundgebungen gegen rechte Gewalt und rechte Propaganda veranstaltet. Dabei kamen an den einzelnen Orten jeweils zwischen 30 und 60 Teilnehmer zusammen.

Von unserem Redakteur Adrian Hoffmann

Region - Das Aktionsbündnis "Heilbronn stellt sich quer" hat am Samstag in Brackenheim, Eppingen, Sinsheim und Öhringen Kundgebungen gegen rechte Gewalt und rechte Propaganda veranstaltet. Dabei kamen an den einzelnen Orten jeweils zwischen 30 und 60 Teilnehmer zusammen. Die Polizei traf spezielle Sicherheitsvorkehrungen. Es stand zu befürchten, das rechte Gruppierungen die angemeldeten Versammlungen stören.

"Es gibt kein ruhiges Hinterland", heißt es auf diesem Transparent. Gegen rechte Gewalt demonstriert das Aktionsbündnis "Heilbronn stellt sich quer". Foto: Adrian Hoffmann

So ereignete sich auch gleich am ersten Kundgebungsort auf dem Brackenheimer Marktplatz der erste Zwischenfall. Der langjährige NPD-Kader Siegfried Gärttner kam hinzu und wollte Flyer verteilen. Auf
Drängen der Polizei hielt er sich nach kurzer Aufregung etwas entfernt von den Teilnehmern der Kundgebung auf, die mit Transparenten und Fahnen präsent waren. "Es gibt kein ruhiges Hinterland!", lautete die Botschaft
der Veranstalter.

Kundgebungsteilnehmer offenbar von Rechtsradikalen fotografiert

"Wir empfinden es als ungeheuerliche Provokation, dass Nazis hier sind und uns abfotografieren", beklagte sich ein 19-jähriger Teilnehmer der Kundgebung. Dies sei als Einschüchterungsversuch zu sehen.

"Es muss Schluss sein mit Wegschauen und Verharmlosen", sagte Volker Bohn, Parteimitglied der Linken. Vom Verfassungsschutz würden Nazistrukturen in unserem Raum geleugnet.

Neben einem großen Aufgebot an Polizisten waren an den einzelnen Kundgebungsorten auch Vertreter der Stadtverwaltungen präsent. "Es ist alles problemfrei verlaufen", sagte der zuständige Amtsleiter in
Eppingen zur Kundgebung am Eppinger Bahnhof, bei der dem 1996 zu Tode geprügelten Werner Weickum gedacht wurde.

Platzverweise

In Sinsheim allerdings gab es zumindest kurzzeitige Verwirrungen. Polizisten kontrollierten auffällige junge Männer. Zwei von ihnen gehörten offenbar den "Freien Nationalisten Kraichgau" an, einer rechtsextremen Gruppierung in der Region. Einer der Männer hatte eine Schaufel dabei, er hielt sie hinter seinem Rücken versteckt. Die Polizei erteilte den beiden Männern einen Platzverweis.

Grünen-Stadtrat Stefan Seitz war als Vertreter des Bündnisses für Toleranz Sinsheim vor Ort an der Elsenzbrücke in der Sinsheimer Innenstadt. Man habe die braunen Entwicklungen in der Region viel zu
lange außer Acht gelassen, sagte er.

Rednerin kritisiert Polizei

Auch Repressionen durch die Polizei und der Skandal um die jetzt bekannt gewordenen Aktenvernichtung des Thüringer Verfassungsschutzes waren Thema auf den Kundgebungen. "Die Kriminalisierung von antifaschistischem Engagement muss endlich ein Ende haben", sagte eine Rednerin in Bezug auf den umstrittenen Heilbronner Polizeikessel vom 1. Mai 2011.

Die letzte Station der Kundgebungstour war Öhringen. Dort trafen rund 60 Teilnehmer zusammen.