Behandelnde Notärzte des Opfers sagen aus

Heilbronn  Im Prozess um versuchten Mord in der Hoover-Siedlung geht es heute um die medizinischen Folgen der Bluttat. Das Opfer verlor eine Niere. Während ihres Klinikaufenthalts erhielt sie die Kündigung vom Arbeitgeber. Ihr Ex-Freund kann sich an die Messerattacke nicht genau erinnern.

Von Carsten Friese

Täter wechselt in Sekunden von hochaggressiv zu handzahm
Der Tatort der Bluttat: die Herbert-Hoover-Straße. Vom Gericht und der Opferanwältin erhielten Anwohner Lob und Dank für ihr schnelles Eingreifen. Foto: Carsten Friese  

Im Prozess um versuchten Mord auf offener Straße in der Heilbronner Hoover-Siedlung sollen heute behandelnde Ärzte des Opfers aussagen. Sowohl der Notarzt am Tatort als auch Ärzte, die die Frau im Klinikum notoperiert und danach mit Operationen weiter behandelt haben, werden von der Schwurgerichtskammer des Landgerichts befragt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 44 Jahre alten Angeklagten vor, im August 2017 frühmorgens mit seinem Wagen in die Fahrerseite des Wagens seiner Ex-Freundin gefahren zu sein, nachdem sie gerade eingestiegen war. Dann soll er ausgestiegen, die Fensterscheibe ihres Suzuki zertrümmert und vier Mal in Bauch und Seite der 35-Jährigen eingestochen haben.

Annäherungsverbot nach gewalttätigem Übergriff 

Zuvor war die Beziehung nach einem gewalttätigen Übergriff des Mannes in die Brüche gegangen. Er erhielt ein gerichtliches Annäherungsverbot und musste aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen. 

Nach den Messerstichen verbrachte das Opfer vier Monate in verschiedenen Kliniken – und erhielt vom Arbeitgeber wegen der langen Fehlzeit die Kündigung.

Retter mit Zivilcourage

Am vergangenen Prozesstag hatte das Gericht einen Anwohner für sein Eingreifen besonders gelobt, weil er der Frau mutmaßlich das Leben gerettet hatte. Der Mann war nach ihren lauten Schreien zu dem Wagen gerannt, hatte den Angreifer von hinten gepackt und weggezogen. Erst mitten in dem Geschehen merkte der Helfer, dass bei der Attacke ein Messer im Spiel war. „Das ist Zivilcourage, die besser nicht sein kann“, hat Vorsitzender Richter Roland Kleinschroth dem Helfer attestiert. 

Der Angeklagte hatte die Tat nur in groben Zügen eingeräumt. An die Messerstiche kann er sich nicht genau erinnern. Zudem hat er nach seinen Angaben am Anfang nur mit seiner Ex-Partnerin reden wollen. Erst in letzter Sekunde will er sein Auto reflexartig auf ihre Fahrertür gelenkt haben. 


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