BKA fasst Betreiberin von rechtem Internet-Forum

Untereisesheim - In ihrem Netz-Forum leugnen die Nutzer den Holocaust und stacheln zum rechten Hass an: Das BKA hat deshalb eine 30-Jährige in Untereisesheim festgenommen - als Teil einer großangelegten Aktion.

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Thiazi galt als eine der wichtigsten rechtsextremen Internetseiten. Die Betreiber nannten ihre Plattform »Germanische Weltnetzgemeinschaft«. Screenshot: stimme.de
Untereisesheim - 7 Uhr in Untereisesheim. Ein Polizeiwagen und zwei Zivilfahrzeuge fahren vor. Ein Nachbar beobachtet wie die Beamten das Haus am Ortseingang betreten.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat bei einer Razzia in Untereisesheim eine mutmaßliche Betreiberin des rechtsradikalen Internetforums „thiazi.net“ festgenommen. Die 30 Jahre alte Hausfrau und Mutter gilt zusammen mit einem gleichaltrigen Erzieher aus Mecklenburg-Vorpommern als Hauptbeschuldigte, sagte eine BKA-Sprecherin in Wiesbaden am Donnerstag. Die Betreiber sollen gemeinsam eine kriminelle Vereinigung gebildet haben.

Beim „Thiazi“-Forum handelt es sich nach BKA-Angaben um das bedeutendste deutschsprachige rechtsextremistische Internetforum. Die Betreiber beschreiben sich selbst als „germanische Weltnetzgemeinschaft“ und verstehen ihr Angebot als „das größte und bekannteste deutschsprachige Forum seiner Art“ mit mehr als 21.000 Mitgliedern und weit über einer Million Foren-Beiträgen. Der Name geht zurück auf eine Riesenfigur aus der germanischen Mythologie.

Über Untereisesheimerin bisher wenig bekannt

Über die 30-jährige Mutter aus Untereisesheim ist bisher wenig bekannt. „Sie war unfreundlich, grüßte nie“, sagt ein Anwohner. Zu ihrem kleinen Kind soll sie stets fürsorglich gewesen sein. „Ich habe sie ab und zu auf dem Spielplatz getroffen“, sagt der Mann.

Nach seinen Angaben hatte die 30-Jährige sehr wenig Kontakt zu den Nachbarn in Untereisesheim. „Sie war eher zurückhaltend und sehr mit ihrem Kind beschäftigt.“ Ein andere Nachbarin bestätigt, dass die 30 Jahre alte Frau durch ihre Unfreundlichkeit auffiel. „Irgendwann habe ich einfach nicht mehr zurückgegrüßt.“

Bundesweite Razzia

Bundesweit wurden bei der Razzia in der rechtsextremen Szene am Donnerstag vier Verdächtige festgenommen. Rund 270 Beamte waren in elf Bundesländern im Einsatz. Die Schwerpunkte der Durchsuchungen von 24 Wohnungen und Geschäftsräumen lagen in Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern. Es wurden zahlreiche Computer, Laptops, Datenträger sowie schriftliche Unterlagen sichergestellt.

In dem Forum soll laut BKA in etlichen Liedtexten zum Hass gegen Ausländer, Juden und Menschen anderer Hautfarbe aufgestachelt und zu gewalttätigen Übergriffen gegen diese aufgerufen worden sein. Die Verdächtigen sollen diese Lieder zum Download angeboten haben. Zudem sei der Holocaust geleugnet und die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft verherrlicht worden.

Im Visier

Das rechte Forum war bereits seit dem Jahr 2009 im Visier der Ermittler. Verdächtig sind insgesamt 26 Beschuldigte im Alter zwischen 22 bis 64 Jahren aus dem gesamten Bundesgebiet. Weitere Festnahmen seien aber derzeit nicht geplant, sagte die Sprecherin.

Die Festnahme zeige, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sei, betonte BKA-Präsident Jörg Ziercke nach der länderübergreifenden Aktion. „Wir machen deutlich, dass wir die Verbreitung von rechtsextremistischem und fremdenfeindlichem Gedankengut sowie die Verherrlichung des Nationalsozialismus konsequent verfolgen.“ lsw/red/jükü