Angeklagter gibt Attacke mit Auto gegen Ex-Partnerin zu

Heilbronn  Das Heilbronner Landgericht verhandelt einen bizarren Fall: Ein Angeklagter soll aus Frust über seine Lebenssituation auf seine frühere Lebensgefährtin gefahren und vier Mal auf sie eingestochen haben. Die Frau überlebte den Angriff nach einer Not-OP. Verharmlost der 44-Jährige seine Tat?

Von Carsten Friese

Angeklagter gibt Attacke mit Auto gegen Ex-Geliebte zu  

Die Anklage umfasst erschütternde Details. Ein 44-jähriger Heilbronner muss sich seit dem heutigen Dienstag vor dem Heilbronner Landgericht verantworten, weil er seine frühere Partnerin laut Anklage auf brutale Art ermorden wollte.

Mit einem Ford Mondeo soll der Mann der Partnerin im August 2017 vor ihrer Wohnung in der Herbert-Hoover-Straße aufgelauert haben. Als die Frau in ihren Suzuki zur Fahrt zur Arbeit eingestiegen war, soll der 44-Jährige mit dem Wagen zunächst frontal in die Fahrerseite gefahren sein. Dann soll er die Scheibe ihrer Fahrertür mit einem Stein eingeschlagen und mit einem Messer vier Mal in den Bauch und in die Flanke der Frau eingestochen haben. 

Als Motiv nimmt die Staatsanwaltschaft an, dass der Mann der Partnerin die Schuld für seine desolate Lebenssituation gab. Nach wiederholten Drogenproblemen hatte er seinen Arbeitsplatz verloren. Zuvor war er nach einem gewalttätigen Übergriff gegen seine Partnerin aus der gemeinsam genutzten Wohnung verwiesen worden und hatte ein Annäherungsverbot erhalten.

Notoperation war nötig 

Die Frau verlor durch die Messerstiche eine Niere. Eine Notoperation war nötig. Ihr hoher Blutverlust konnte nur durch massive Bluttransfusionen ausgeglichen werden.

Den gesamten Tatablauf stellte der Angeklagte beim Prozessauftakt nicht in Abrede. Aber: Einige seiner Schilderungen passten nicht zu den dramatischen Folgen der Tat. Seiner Erinnerung nach will er seine Partnerin „minimal angestochen“ haben. Von vier Messerstichen in Bauch und Flanke hat er nach seiner Aussage keine Erinnerung. Wie eine „Nebelwand“ sei das Geschehen, sagte er. Nach seiner Aussage will er eigentlich nur zu seiner Partnerin gefahren sein, um mit ihr noch einmal über alles zu reden. Er habe hinter ihrem Wagen parken wollen, wenn sie zum Auto kommt. Erst im letzten Moment will er das Lenkrad umgesteuert und direkt auf die Fahrerseite gefahren sein.

Warum er das Messer und einen Stein aus dem Vorgarten seiner Mutter in seinem Auto hatte, erklärte er damit, dass er einerseits Steine sammele; das Messer will er gekauft haben, nachdem ein Suizidversuch mit einem stumpfen Messer gescheitert sei.

Widersprüche: Hochziehen oder Würgen?

Widersprüchlich sind auch Aussagen zum gewaltsamen Übergriff gegen seine frühere Partnerin. Er spricht vom Hochziehen der Frau am Kragen in einem Streit; sie zeigte ihn bei der Polizei wegen Würgens am Hals an. 
Bemerkenswert in dem Fall ist der Einsatz eines Tatzeugen. Er war gegen den Aggressor eingeschritten und hatte den bewaffneten Mann aus dem Auto gezogen. Danach soll der 44-Jährige plötzlich relativ ruhig gewesen sein. Er blieb am Tatort. Als die alarmierte Polizei kam, ließ er sich widerstandslos festnehmen.

Bis Mitte März hat das Landgericht Verhandlungstage angesetzt. Drei Sachverständige für Rechtsmedizin, Unfallfolgen und Psychiatrie verfolgen das Verfahren.