Erdbeben in Haiti


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Unterländer Hundeführerin kehrt zurück aus Haiti

Kilian Krauth



Heilbronn - Mit La Ola, Blumen und Blätterteighörnchen nahmen am Samstag auf dem Gelände der Heilbronner Berufsfeuerwehr ein Dutzend Mitglieder der Rettungshundestaffel Unterland ihre Kollegin Susanne Tismer in Empfang. Die Bad Friedrichshallerin war eine Woche lang im Katastrophengebiet auf Haiti im Einsatz. „Susi, ich hab’ dich sogar im Fernsehen gesehen“, rief ihr Johannes Wachno (8) aus Grombach zu, während Harald Wagner seine Frau sichtlich erleichtert in die Arme schloss. „Da fiebert man schon mit.“ Und diese meinte derweil ganz locker: „Mensch, ist es bei euch aber kalt, gestern hatten wir es noch 40 Grad wärmer.“

Überall Tote
 
Ob ihr denn Haiti denn nicht an die Nieren gegangen sei?, fragt jemand. „Nun, es gab schon Schlimmes“, sagt die 42-Jährige und berichtet in aller Ruhe druckreif „von Toten am Straßenrand, teils verstümmelt, die nach drei, vier Tagen in der Sonne Gerüche entwickeln und auf deren Körperflüssigkeit man mitunter ausrutscht“. Aber das gehöre „eben zum Job, wie der Rauch zum Feuerwehrmann oder wie ein Verkehrsunfall zum Notarzt“. Dank ihrer Ausbildung bei der Hundestaffel und nicht zuletzt durch andere Einsätze nach Erdbeben in Italien, in der Türkei oder im Jemen habe sie gelernt, mit Extremsituationen umzugehen.
 

Susanne Tismer Teaser
Susanne Tismer, die Unterländer Hundeführerin bei ihrem Einsatz im Erdbebengebiet Haiti. privat
„Einen Notfallseelsorger habe ich noch nicht gebraucht.“ Und: Nur drei bis vier Stunden Schlaf pro Nacht – rund 50 Meter von einer Flugzeuglandebahn entfernt, „so etwas macht man im Grunde ja auch nur mit, wenn man sich der Sache gewachsen fühlt. Stressig empfinde ich das nicht, sonst würde ich nicht mitgehen.“ Susanne Tismer war im Auftrag der International Search and Rescue (Isar) Germany zusammen mit drei anderen Teams des Bundesverbandes der Rettungshunde (BRH) auf Haiti. Ehrenamtlich.

Ihren Border Collie Speedy hatte sie daheim gelassen. In einem 30-köpfigen Helferteam war sie für die Logistik verantwortlich; zu solchen Teams gehören unter anderem Dolmetscher, Ärzte, Feuerwehrleute und nicht zuletzt Hundeführer. Sie ziehen durch Straßen und suchen unter Trümmern nach Opfern. „Leider hatten wir keine Lebendfunde. Das ist zwar traurig, aber für die Angehörigen immerhin ein Trost, weil sie ihre Toten beerdigen können.“

Schichtwechsel

Susanne Tismer ist überzeugt, dass ihr Einsatz und der vieler anderer Hilfsdienste trotz über 100 000 Toter nicht umsonst ist. Vor dem Beben habe es auf Haiti nur eine Minimalversorgung gegeben. „Nach der Katastrophe besteht die Chance, dass sich vieles in dem Land verbessert.“ Sie sei auch keinesfalls aus Resignation nach Hause gekommen, sondern weil das Material und die Verpflegung zur Neige gingen. „Jetzt ist Schichtwechsel. Und für mich ist wieder Alltag.“

Inszenierte Lebendfunde?

Skeptisch kommentiert Susanne Tismer Berichte, wonach noch fast eine Woche nach der Katastrophe Opfer lebend geborgen worden seien. „Ob das inszeniert war, kann ich nicht sagen. Aber wir haben uns bei 50 Hilfsgruppen umgehört, niemand konnte das bestätigen. Ein Mensch hat ohne Wasser und Nahrung ein Zeitfenster von 72 Stunden“ – wenn er nicht verletzt ist und keine 35 Grad Hitze herrschen. kra


24.01.2010


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Spenden für Haiti

Wer für die Erdbebenopfer in Haiti spenden will, sollte auf eine internationale Vernetzung der begünstigten Hilfsorganisation achten. „Seriöse Organisationen zeichnen sich dadurch aus, dass sie in so einer Situation nicht allein vorgehen“, sagte Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) in Berlin. Bei einer solchen Katastrophe, bei der weltweit die Hilfe anläuft, sei Abstimmung besonders wichtig.

Ulrich Pohl vom Deutschen Spendenrat in Bielefeld empfahl, für große Hilfsorganisationen wie „Aktion Deutschland hilft“ oder „Bündnis Entwicklung hilft“ zu spenden, in denen sich jeweils mehrere Organisationen zur Soforthilfe zusammengeschlossen haben. „Große Organisationen sind am ehesten in der Lage, nun Lebensmittel, Medikamente und Zelte nach Haiti zu bringen und eine Infrastruktur aufzubauen“, sagte Pohl.

Trägt eine Organisation das DZI-Siegel, können sich Spender laut Wilke darauf verlassen, dass das Geld bei den Opfern in Haiti ankommt. Außerdem sollten Spender darauf achten, dass eine Hilfsorganisation kompetent in Katastrophenhilfe ist und über Erfahrung und ein Netzwerk in Haiti verfügt.

Vorsicht sei bei Spendenaufrufen im Internet angebracht, warnt das DZI. Besonders hinter Ketten-E-Mails steckten oft Trittbrettfahrer und schwarze Schafe. Misstrauisch sollten Spender auch bei Aufrufen sein, die sehr emotional gestaltet sind, aber wenige Informationen über konkret geplante Hilfsmaßnahmen bieten.

Im Internet unter dpaq.de/Haiti listet das DZI seriöse Organisationen auf, die zu Spenden für Haiti aufgerufen haben. Weitere Infos unter www.aktion-deutschland-hilft.de.