- Artikel
- 0 Kommentare
- Versenden
Kernige Sprüche für eine gute Schlagzeile
Von Rolf Muth
Neckarwestheim - "Wenn manche in der Region bereits Jodtabletten schlucken wollen, frage ich mich, ob die noch ganz beieinander sind." Für kernige Sprüche ist Mario Dürr bekannt. In Tagen atomaren Schreckens, Stilllegung von GKN I und der Energiewende ist der Neckarwestheimer Bürgermeister ein gefragter Interviewpartner. Auch bei Maybrit Illner im ZDF. "Mal sehen, ob ich als einfacher Landschultheiß völlig geplättet bin, wenn ich ihr gegenüber stehe", sagt er vor seinem Abflug nach Berlin am Donnerstag.
Wer Dürr kennt weiß, dass ihn (fast) nichts und niemand aus dem Konzept bringt. Der 45-Jährige schlägt sich am Abend live im Gespräch mit der ZDF-Moderatorin im Berliner Studio gut, wenn auch nur kurz. Weil Renate Künast und Volker Kauder sich zu lange streiten.
Das ARD-Fernsehen, der öffentlich-rechtliche Hörfunk, aber auch private Sender wie Inforadio Berlin und Brandenburg, bundesweite Zeitungen wie die Berliner "Taz" oder Magazine wie "Focus" und "Spiegel" haben Neckarwestheim auf der Landkarte entdeckt. Unaufgeregt schildert Dürr den Journalisten die Nachbarschaft zum Meiler.
Ausgewogen
Der Schultes, in manchen Berichten zum Oberbürgermeister der Stadt Neckarwestheim befördert, lobt den Atomstrom aber nicht über den grünen Klee. Schließlich sei er nicht Unternehmenssprecher. Andererseits lässt er sich nicht vom Aktionismus gegen Atomkraft anstecken. Klar ärgere er sich über Begriffe wie Schrottreaktor. Keiner locke ihn aber vor einer Kamera aus der Reserve: "EnBW ist der größte Steuerzahler hier und hat den Anspruch, so anständig behandelt zu werden wie andere Unternehmen auch", sagt Dürr. Die Interessen seien deshalb aber noch lange nicht deckungsgleich.
Der momentane Medienhype ist ihm nicht neu. Das war schon immer so in Neckarwestheim. 1996 etwa. Mitten in der Armbrust-Affäre, als er zum Bürgermeister gewählt wurde und erfolgreich viele Millionen für den Ort zurückgeholt hat. Oder beim Castor-Transport mit 20 000 Demonstranten vor den GKN-Toren. "Ins Mikro singen durfte ich damals auch beim Zwist mit Utz Claassen." Wer"s nicht mehr weiß: Der neue Chef des Stromkonzerns hielt 2004 die Kommunen mit Informationen kurz. Dürr drohte daraufhin, dass GKN künftig "für jedes Scheißhaus einen Bauantrag stellen muss".
Hemdsärmelig
Den geschliffenen Umgang vor der Kamera hat Dürr bei einer dreitägigen Medienschulung 2005 in Berlin gelernt. Kernig ist er geblieben. Er liebt die gute Schlagzeile, wenn sie dem Ort etwas bringt. Interviews lehnt er daher grundsätzlich nicht ab. Als "hemdsärmelig" hat ihn jetzt ein Journalist beschrieben. "Dabei habe ich ihn sogar noch zum Kirchheimer Bahnhof gefahren", strahlt Dürr übers ganze Gesicht, als ob er eine Eins in Betragen bekommen hätte.
Natürlich gefällt ihm der mediale Rummel. Dürr steigt dieser aber nicht zu Kopf: "Ich weiß, dass ich als Neckarwestheimer Bürgermeister zu Maybrit Illner eingeladen wurde und nicht, weil ich so ein toller Hecht bin."
Interessante Links
Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn
BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Bundesamt für Strahlenschutz
Deutsches Atomforum e.V.
Greenpeace
Archivsuche
- Hauptnavigation Freizeit
- Themen Anzeigen
- Links
- Service



