Grün-Rot will beim GKN ganz genau hinschauen

Von Reto Bosch

Neckarwestheim - Das Atomkraftwerk GKN I wird wohl nie wieder ans Netz gehen. Nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf den jüngeren Meiler. Die künftige Landesregierung hat im Koalitionsvertrag eine Sicherheitsanalyse auf Basis des aktuellen Stands von Wissenschaft und Technik angekündigt. Betreiber EnBW betont, dass die Anlage dem von der Internationalen Atomenergiebehörde geforderten Standard für neue Reaktoren entspricht. Kernkraftexperte Wolfgang Renneberg ist dagegen skeptisch.

Prüfung

Deutsche Atomkraftwerke müssen sich regelmäßig Überprüfungen unterziehen. Derzeit läuft als Reaktion auf den Super-Gau in Japan eine Untersuchung, die das Bundesumweltministerium (BMU) angeordnet hat. Das geht der grün-roten Landesregierung nicht weit genug. In ihrer Eigenschaft als Atomaufsichtsbehörde will sie nun strenge Maßstäbe anlegen. "Eine Sicherheitsüberprüfung nach dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik ist bislang noch nicht durchgeführt worden", erklärt Wolfgang Renneberg auf Stimme-Anfrage. Er leitete bis zum Regierungswechsel 2009 die Abteilung Reaktorsicherheit im damals SPD-geführten BMU. Er könne nicht voraussagen, welches Ergebnis die Analyse für GKN II an den Tag bringt.

Die EnBW betont, bislang 540 Millionen Euro in Nachrüstungen für GKN II investiert zu haben. Periodische Überprüfungen alle zehn Jahre hätten der Anlage höchste Sicherheit bescheinigt. Diese Analysen basieren auf Leitlinien, die vom BMU definiert worden sind. Wolfgang Renneberg kritisiert dagegen, das Ministerium habe mit dem Regierungswechsel seine "Sicherheitskriterien für Kernkraftwerke" aufgegeben und die Standards gesenkt. Er fordert, das neue, strengere kerntechnische Regelwerk in Kraft zu setzen. Dies setze klare, einheitliche Maßstäbe. Bundesumweltminister Norbert Röttgen erklärt, die Bundesregierung sei in ihren Sicherheitsanforderungen über die Maßgaben dieses Regelwerks hinausgegangen.

Vergleich

Was die Sicherheitsanalyse für Neckarwestheim ergibt, ist offen. Vor allem im Vergleich mit älteren Anlagen schneidet der 1989 in Betrieb gegangene Meiler GKN II aber gut ab. Die Internationale Länderkommission Kerntechnik (ILK) bescheinigt dem Kraftwerk zum Beispiel, in Deutschland über die stärkste bauliche Auslegung gegen Flugzeugabstürze zu verfügen. Die Experten gehen davon aus, dass es selbst nach dem Aufprall eines Jumbo-Jets keine "gravierenden Freisetzungen radioaktiver Stoffe" gibt. Die Experten des BMU sehen bei GKN II deutlich größere Sicherheitsreserven als beim älteren Neckarwestheimer Meiler.

Der Druckwasserreaktor der neuesten Generation bekommt bei Atomkraftgegnern trotz dieser günstigen Eigenschaften keine Absolution. Der BUND weist in einer Studie auf Risikofaktoren wie Erdbeben, Terrorangriffe und Sabotageaktionen hin. "Insgesamt wird das Sicherheitsziel für neue Reaktoren, dass sehr hohe und frühzeitige Freisetzungen praktisch ausgeschlossen sein müssen, von GKN II eindeutig nicht erfüllt. Vor diesem Hintergrund bleibt es bei der Forderung, auch GKN II möglichst rasch vom Netz zu nehmen."

Hintergrund: Druckwasserreaktor

GKN II ist ein Druckwasserreaktor der jüngsten Generation. Das Kraftwerk wurde in den 80er Jahren gebaut und ging 1989 ans Netz. Anders als bei Siedewassereaktoren verfügen die Anlagen in Neckarwestheim über zwei voneinander getrennte Wasserkreisläufe. Im Primärkreis transportiert das Wasser die bei der Kernspaltung im Druckbehälter entstehende Wärme in den Dampferzeuger. An dieser Verbindungsstelle wird die Wärme auf den Sekundärkreislauf übertragen. Der dort entstehende Dampf treibt die Turbine an, die wiederum den Strom produzierenden Generator bewegt.
07.05.2011


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