Christen kämpfen gegen GKN

Von Reto Bosch

Christen kämpfen gegen GKN
Der ältere Block I in Neckarwestheim (links) läuft derzeit mit stark gedrosselter Leistung, weil ihn die EnBW sonst bald abschalten müsste.Foto: Archiv/Dirks 

Region Heilbronn - Eine kirchliche Initiative aus der Region Heilbronn kämpft gegen Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke. Die Gruppe um die evangelischen Pfarrer Ernst Dehlinger aus Gundelsheim und Ulrich Koring aus Heilbronn will möglichst viele Unterschriften sammeln, bevor die Bundesregierung im Herbst ihr Energiekonzept beschließt. "Wir müssen die Schöpfung bewahren", sagt Dehlinger. Er habe vor Ort erlebt, was eine Reaktorkatastrophe wie in Tschernobyl anrichten kann.

Internet Der Gundelsheimer Pfarrer im Ruhestand wurde von einem Familienvater inspiriert. Der habe zu ihm gesagt: "Gegen Laufzeitverlängerungen müssen wir etwas unternehmen. Das können wir unseren Kindern nicht antun." Und da im Herbst die energiepolitischen Weichen gestellt werden sollen, bleibt wenig Zeit, Unterschriften zu sammeln. Deshalb setzt die Gruppe auf das Internet. Gleichgesinnte können sich online eintragen oder Unterschriftenlisten herunterladen. Dehlinger hofft auf einen starken Multiplikatoreneffekt. Er selbst habe alle − etwa 100 − Dekanate der baden-württembergischen und der badischen Landeskirche angeschrieben. "Es gab positive und negative Reaktionen." Die einen seien erfreut darüber, dass etwas gegen die Atomkraft getan werde. Die anderen zweifelten an, ob sich die Kirche einmischen solle. Dehlinger hat beobachtet: "Gerade in Kirchenkreisen tut man sich oft schwer, sich gegen den Staat zu stellen." Und im konkreten Fall sollen sich die Christen sogar gegen die Linie der CDU stellen.

Basis

Der Geistliche betont, dass die Initiative ein Vorstoß der Basis ist. Die Dekanate in der Region würden die Unterschriftenlisten an die Pfarrämter verteilen, wo sich die Bürger einschreiben können. Ernst Dehlinger will auch die Katholiken hinter sich und dem Kampf gegen längere Laufzeiten versammeln. Eine positive Rückmeldung gebe es. Eberhard Vogt von der Kolping-Familie Neckarsulm sei vom katholischen Dekanat beauftragt worden, als Ansprechpartner zu fungieren. Dehlinger führt eine ganze Reihe von Argumenten an, um das Aus für die älteren Meiler zu begründen: Sie seien zur Deckung des Energiebedarfs nicht notwendig, sie seien störungsanfällig, die Atomwirtschaft sei volkswirtschaftlich nachteilig und ökologisch nicht zu verantworten. Zudem fehle ein sicheres Endlager.

Die Energiewende Heilbronn sieht das genauso. Unter ihrem Dach versammeln sich, vor allem mit Blick auf GKN I, einige Gruppen und Organisationen, die sich gegen Laufzeitverlängerungen einsetzen: von den Grünen bis zum BUND, von der SPD bis zum Nabu. Die neue kirchliche Initiative ist zwar nicht Mitglied, sucht aber den Schulterschluss zur Energiewende.

Christen kämpfen gegen GKN

Ernst Dehlinger

Foto: Sawatzki

 

10.08.2010


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