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Bestnoten gibt es auch für GKN II nicht
Von Reto Bosch
Neckarwestheim - Die Kritik am Bericht der Reaktorsicherheitskommission (RSK) reißt nicht ab. Die Experten hatten untersucht, inwieweit die deutschen Kernkraftwerke Störfälle verhindern oder beherrschen können. Es wurden Pannen und Szenarien zugrunde gelegt, die nach den Erfahrungen von Japan die bisherigen Annahmen übertreffen. Selbst Neckarwestheim II wird in einigen Kategorien nicht allen Anforderungen gerecht.
Flugzeugabsturz: GKN I ist auf den Aufprall eines Starfighters ausgelegt. Die RSK zitiert den Betreiber EnBW, der den Absturz eines mittleren Verkehrsflugzeugs für beherrschbar hält. Dazu seien aber weitere Nachweise erforderlich. GKN II ist zwar deutlich jünger und robuster, für den Aufprall eines großen Flugzeugs aber ebenfalls nicht ausgelegt. Nachuntersuchungen hätten allerdings gezeigt, dass die Struktur des Reaktorgebäudes in einem solchen Fall erhalten bleibe.
Hochwasser: Die RSK verweigert beiden Neckarwestheimer Blöcken die Bescheinigung, ein um einen Meter höheres Hochwasser bewältigen zu können. Weitere Nachweise seien erforderlich. Reserven für noch stärkere Überflutungen bieten die Anlagen laut Kommission definitiv nicht. Als Berechnungsgrundlage diente ein Hochwasser, das statistisch alle 10 000 Jahre vorkommt.
Erdbeben: Reserven weisen GKN I und GKN II bei Erdbeben auf. Beide Anlagen halten Erschütterungen stand, deren Intensität eine Stufe höher liegt als in den Genehmigungsanträgen angenommen. Die RSK hält es sogar für möglich, dass die Meiler zwei Stufen verkraften. Der Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar sieht das anders. Die RSK habe die Untergrund-Klassifizierung "Fels" übernommen, obwohl daran Zweifel bestünden.
Stromausfall: Vergleichsweise gute Noten erhält GKN II für seine Notstromversorgung. Es stehen mehrfach vorhandene und technisch unterschiedliche Systeme zur Verfügung.
Explosionen: GKN I gehört zu den vier Anlagen in Deutschland, die Daten zum Schutz vor Explosionen nachliefern müssen.
Atomkraftgegner halten den Bericht für wenig aussagekräftig. Sie bemängeln, dass die RSK nur sechs Wochen Zeit hatte und sich allein auf die Aussagen der Betreiber stützt. Greenpeace erklärt: "Die Kommission hat vor allem einen theoretischen, fehlerfreien und damit stark idealisierten Zustand der Reaktoren betrachtet. Tatsächliche schwere Mängel wurden ignoriert." Christoph Pistner vom Öko-Institut ist Mitglied der RSK. Er sagte "Zeit Online": Sich in dieser Zeit "vor Ort zu informieren und in ganz neue inhaltliche Bereiche vorzudringen, ist nicht möglich".
Interessante Links
Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn
BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Bundesamt für Strahlenschutz
Deutsches Atomforum e.V.
Greenpeace
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