GKN I: Weiterbetrieb ist stark umstritten

Von Carsten Friese und Joachim Kinzinger


Region - Erleichterung, Hoffnung, Skepsis, aber auch Enttäuschung: Die Kommentare über den Weiterbetrieb des Kernkraftwerks Neckarwestheim I bis mindestens Herbst sind gespalten. Die Bundesregierung will den Meiler mit der Übertragung von Stromkontingenten eines anderen Reaktors über die Runden bringen, bis das neue Energiekonzept vorliegt.

Laufende Gespräche

Offiziell lässt sich der Stromkonzern EnBW nicht in die Karten schauen. "Aus laufenden Gesprächen berichten wir nicht", lehnt Pressesprecherin Friederike Eggstein jede Stellungnahme ab. Natürlich beschäftige sich die EnBW zusammen mit der Politik damit, wie es in Neckarwestheim weitergehe.

"Es ist eine gewisse Erleichterung, dass die Politik so eine deutliche Aussage macht", sieht GKN-Betriebratsvorsitzender Franz Watzka aus Sicht der Belegschaft ein Indiz für eine längere Laufzeit. Aber: "Eine gewisse Verunsicherung ist noch im Hinterkopf." Planmäßig werde der Reaktor im April zur Jahresrevision abgefahren, so Watzka. Da die Reststrommenge nach dem noch gültigen Atomgesetz dann fast verbraucht ist, benötigt Block I Stromkontingente aus anderen Anlagen, beispielsweise aus Block II.

Dass die Stromkonzerne aushandeln sollen, wie sie die Strommengen hin- und herschieben, kritisiert Wolfram Scheffbuch, Sprecher der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar. Er bezeichnet GKN I als einen Uraltmeiler, der auf überholten Berechnungen der 70er Jahre beruhe. Auch der BUND Heilbronn-Franken kritisiert, dass das Atomgesetz keine Stromübertragungen von neuen "auf besonders unsichere Reaktoren wie GKN I erlaubt".

Keine Bedenken

In Neckarwestheim ist die Stimmung anders. Hier begrüßen viele Bürger, dass der alte Block weiter Atomstrom produziert. "Das ist das Beste, was uns passieren kann. Da hängen ja auch viele Arbeitsplätze dran", sagt Kathrin Waibler (31). Sie fühlt sich in Kraftwerksnähe genauso sicher wie Katharina Seiler (49): "Wenn der Block regelmäßig gewartet wird, habe ich nichts dagegen." Gut findet Johann Weiss (64) den Weiterbetrieb, weil die Gemeinde dadurch Geld einnehme. Auch Bianka Kurrle (40) hat keine Bedenken, dass "hier irgendetwas passieren kann".

Endlagerfrage

Kritische Stimmen sind im Ort selten, und wenn es sie gibt, nennen die Menschen keine Namen. Im benachbarten Talheim ist das anders. Jutta Fieberling (59) möchte, dass Block I abgeschaltet wird, weil sie gegen Atomkraft ist und man Gesetze "nicht einfach umwerfen kann". Bei den jetzt diskutierten Laufzeitverlängerungen gehe es "nur um Profit".

Neckarwestheims Bürgermeister Mario Dürr würde eine weitere Laufzeitverlängerung für Block I zwar begrüßen. Aber: Bedingung müsse sein, dass die Sicherheitstechnik geprüft und gegebenenfalls nachgerüstet werde. Zudem fordert er die Regierung auf, die Frage des Endlagers für Atommüll endlich zu klären. Dürr: "Wir wollten unser Zwischenlager nie und wollen schon gar kein größeres."

Von Verteidigung bis zu harten Vorwürfen

Unterschiedlich sind die Reaktionen zur vorübergehenden Verlängerung der Betriebszeit für GKN I. „Ich bin schon immer überzeugt, dass eine unsichere Anlage bereits gestern hätte abgeschaltet werden müssen. Ist die Anlage jedoch sicher, geht es um Politik. Man muss die endgültige Entscheidung abwarten“, sagt der Heilbronner Landrat Detlef Piepenburg.

„Wir begrüßen die Laufzeitverlängerung für GKN I. Unsere Unternehmen sind auf eine verlässliche, günstige und von Drittländern unabhängige Stromversorgung angewiesen“, lobt der Hauptgeschäftsführer der IHK Heilbronn-Franken, Heinrich Metzger. CDU-Bundestagsabgeordneter Eberhard Gienger bleibt dabei, „dass wir Atomkraft so lange wir sie brauchen, weiterlaufen lassen“. Für seinen FDP-Kollegen Michael Link geht das unter zwei Bedingungen: „Sicherheit und ein angemessener Beitrag der Energieversorger aus den Erlösen.“ Josip Juratovic (SPD) ist für das Abschalten von GKN I aus Sicherheitsgründen. „Was die Regierung jetzt vorhat ist unseriös.“

Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin und CDU-Landtagsabgeordnete im Wahlkreis, in dem das GKN liegt, sieht eine „wichtige und richtige Übergangsentscheidung“. Die Landesregierung gehe davon aus, dass „GKN I eine Weiterführung erwarten darf und noch lange laufen wird“.

SPD-MdL Reinhold Gall hält, auch im Sinne des erkrankten Kollegen Ingo Rust, dagegen: „Der Weiterbetrieb von Neckarwestheim I ist energiepolitischer Unsinn, bremst die Entwicklung auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien ab und zementiert die Alleinherrschaft von vier Großkonzernen.“

26.01.2010


termine12besenkalenderverkehrspiele

Archivsuche