EnBW will Altreaktor Neckarwestheim am Netz lassen



Neckarwestheim/Karlsruhe - Der Energiekonzern EnBW will die nach dem Atomgesetz bevorstehende Abschaltung des über 30 Jahre alten Kernkraftwerks Neckarwestheim I nach Kräften verhindern. „Totgesagte leben länger“, sagte ein Unternehmenssprecher am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Karlsruhe. „Wir werden alles in unseren Möglichkeiten stehende tun, dass Neckarwestheim I länger am Netz bleibt.“ Es gebe dazu positive Signale sowohl aus der Bundes-als auch aus der Landespolitik.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat dem Druckwasserreaktor aus dem Jahr 1976 wiederholt ein gutes Zeugnis ausgestellt. Umweltschützer, SPD und Grüne bezweifeln hingegen dessen Sicherheit und fordern die Abschaltung.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wies darauf hin, dass das Bundesumweltministerium 2008 - damals noch von der SPD geführt - eine von der EnBW beantragte Übertragung von Strommengen auf den Meiler wegen mangelnder Sicherheit abgelehnt habe. Dahinter dürfe der jetzige CDU-Umweltminister Norbert Röttgen nicht zurückfallen, forderte BUND-Atomexperte Thorben Becker. „Kein Energiekonzern darf die Erlaubnis bekommen, auf Kosten der Sicherheit der Bevölkerung Zusatzgewinne zu machen“, meinte er.

„Im Interesse der Bevölkerung muss dieser Reaktor fristgemäß für immer vom Netz“, forderte auch die atompolitische Sprecherin der Bundestags-Grünen, Sylvia Kotting-Uhl. Wenn „einer der ältesten und pannenanfälligsten Reaktoren“ am Netz bleibe, könne es mit den angeblich hohen Sicherheitsanforderungen nicht weit her sein. „Spannend ist eigentlich nur noch die Frage des Preises, den die EnBW dafür zahlen wird“, sagte sie.

Gemessen an den bisherigen Betriebszeiten müsste Neckarwestheim I in drei Monaten abgeschaltet werden. Die SPD-Landtagsfraktion fordert, „Dinosaurier-Kraftwerke wie Neckarwestheim“ so schnell wie möglich vom Netz zu nehmen. Deren energiepolitischer Sprecher Thomas Knapp hatte sich deshalb schon über eine Äußerung von EnBW-Chef Hans-Peter Villis gefreut, wonach der Meiler Ende April/Anfang Mai „nicht mehr am Netz ist“.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung will im Herbst über eine allgemeine Verlängerung der Reaktorlaufzeiten entscheiden. Unklar ist derzeit, ob und wie lange alte Atommeiler weiter am Netz bleiben dürfen. Ein längerer Betrieb auch von Neckarwestheim I und Biblis A und B in Hessen in diesem Jahr ist nach Auffassung der Bundesregierung grundsätzlich möglich. Die Betreiber könnten untereinander aushandeln, die verbliebenen restlichen Strom-Produktionsmengen aus dem stillgelegten AKW Stade auf diese Reaktoren zu verteilen. lsw

11.02.2010


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