Abschaltdemo am Atommeiler in Neckarwestheim

Von Joachim Kinzigner

 Bildergalerie: GKN-Demo Neckarwestheim | 13.08.
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Neckarwestheim - Rund 500 Menschen haben am Samstagnachmittag nach Polizeiangaben vor den Toren von GKN II in Neckarwestheim den sofortigen Atomausstieg gefordert.

„Wir müssen weiter machen“, ruft Monika Knoll vom Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn schon am Kirchheimer Bahnhof den Atomkraftgegnern von der Bühne aus zu. Mit rund 1000 Aktivisten rechnet Herbert Würth vom Castor-Widerstand Neckarwestheim. Denn: Sechs große Atommeiler sollen noch weiter laufen.

Prominenter Gast ist der Japaner Tomoyuki Takada. Er war bis vor wenigen Tagen in Japan und sprach mit Betroffenen aus der Evakuierungszone um Fukushima. Der Demonstrationszug setzt sich gegen 14.15 Uhr in Bewegung: „Abschalten“, so tönt es aus der Menge .

Die Polizei hält sich mit ihrer Präsenz zurück. Alles sei im grünen Bereich, betont Einsatzleiter Peter Rapp, der die Zahl der Demonstranten mit 500 angibt.

Vor Tor 2 im Kernkraftwerk Neckarwestheim  eröffnet der Arzt Franz Wagner von der Energiewende Heilbronn die Kundgebung. „Atomausstieg sieht anders aus“, lautet seine Botschaft. GKN I sei zwar vom Netz, aber GKN II soll nach dem neuen Atomausstieg noch 11,5 Jahre laufen. Denn betritt Takada die Bühne. Er berichtet von tränenreichen Gesprächen mit Leuten aus der Evakuierungszone um Fukushima, von entwurzelten Menschen, von Selbstmorden unter Bauern, von depressionsgeplagten Menschen, von Müttern, die Sorgen um ihre Kinder haben.

„Nicht locker lassen“, so lautet seine Botschaft beim Kampf gegen die Atomenergie. Ein gemeinsamer Sprechgesang mit einfachen japanischen Worten, die übersetzt „Nein, Nein, AKW“ oder „Ja, Ja zum Atomausstieg“ heißen, wird symbolisch nach Japan geschickt.

TV-Tipp

Auf seiner Deutschlandtour zeigt der öffentlich-rechtliche TV-Sender Phoenix verschiedene Möglichkeiten der Energiegewinnung und wirft einen Blick auf die Energiekonzepte der Zukunft. Im Rahmen seiner Sendung zur Atomenergie drehte Phoenix als erstes Fernsehteam aus dem Reaktor Neckarwestheim nach dessen Stilllegung.

Der Sender berichtet am Montag, 15. August, 15 Uhr über die Geschichte des Atomkraftwerks und dessen Auswirkungen auf die Gemeinde. Weingärtner kommen zu Wort, die das Kraftwerk als guten Nachbarn akzeptierten. Bis am Ort auch ein Zwischenlager gebaut wurde, und sich viele Neckarwestheimer erstmals den Planungen des Kraftwerkbetreibers widersetzten. Der Enkel eines Weingärtners sitzt inzwischen im Vorstand einer neuen Bürger-Energie-Genossenschaft.

Zu Wort kommt auch der ehemalige Betriebsleiter des Kraftwerks. Er kritisiert, dass EnBW die Anlage weiter betreiben wollte, ohne zusätzlich in die Sicherheit zu investieren. Im Anschluss folgt der Beitrag „Neckarwestheim – eine Atomgemeinde steigt langsam aus“ von Jan-Christoph Nüse.  
13.08.2011


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