Parkausweise gibt es nur bei gerader Hausnummer

Heilbronn  Ärger in der Wilhelmstraße in Heilbronn: Die Anwohnerparkzonengrenze verläuft mitten auf der Straße.

Von Helmut Buchholz

Parkausweise nur bei gerader Hausnummer

Für Kilian Beschorn klingt es fast wie ein Witz. Doch der 25-Jährige kann ganz und gar nicht darüber lachen: Weil seine Adresse in der Heilbronner Wilhelmstraße nur eine ungerade Hausnummer hat, bekommt er keinen Parkausweis für die Anwohnerparkzone Bereich 37 (siehe Karte).

Die Begründung der Stadtverwaltung lautet: Kilian Beschorn wohnt auf der falschen Straßenseite. Sein Nachbar im gegenüber liegenden Haus − mit gerader Hausnummer − kommt dafür selbstverständlich in den Genuss des begehrten Ausweises. Denn die Zonengrenze verläuft auf der Mittellinie der Straße. "Das gilt auch für die Rollwag- und Südstraße, die die betreffende Zone einrahmen", erklärt Rathaussprecher Anton Knittel die Vorschriften.

Anwohnerzone ist gut zehn Jahre alte

Parkausweise nur bei gerader Hausnummer

Wilhelmstraße: Bewohner auf der rechten Straßenseite bekommen einen Parkausweis für die Anwohnerparkzone, auf der linken Seite gehen sie leer aus.

Foto: Dennis Mugler

 

Warum muss die Grenze unbedingt mitten auf der Straße verlaufen? "Das Straßenrecht erlaubt nicht, dass eine flächendeckende Bewohnerzone eingerichtet wird", antwortet Knittel. Es seien immer auch die Belange aller zu berücksichtigen, also auch die von Gewerbetreibenden, Anlieferern und deren Kunden.

Die Bewohnerzone 37 sei vor rund zehn Jahren eingerichtet worden. Der Grund damals war der Bau der Stadtgalerie und deren Tiefgaragenzufahrt über die Rosenbergstraße. Mit der Anwohnerparkzone in diesem Gebiet sollte vermieden werden, dass Stadtgalerie-Kunden und Besucher in der Innenstadt "die Parkplätze innerhalb des angrenzenden Wohngebiets nutzen", erläutert der Sprecher der Stadtverwaltung.

Begründung: Grenze sei "historisch gewachsen"

"Irgendwo müssen wir die Grenze ziehen", fügt Knittel an, "und es macht Sinn, diese an Straßeneinmündungen zu ziehen und nicht auf halber Strecke." In Heilbronn gibt es zurzeit noch insgesamt 36 andere Anwohnerparkzonen in der Innenstadt und am Gesundbrunnen. "Auch in anderen Bereichen im Stadtgebiet gibt es unterschiedliche Regelungen, je nach Straßenseite", berichtet Knittel.

Diese Argumentation überzeugt den 25-Jährigen nicht. Beschorn nennt die Situation "total kurios". Dass er gegenüber seinem Nachbarn in der Wilhelmstraße benachteiligt werde, "ist eine Frechheit", sagt Beschorn. Er hat sich schon mehrfach über diese Regelung im Rathaus beschwert. Zur Antwort habe er nur bekommen, dass die Grenze "historisch gewachsen" sei. Was damit gemeint war, ist unklar.

"Ich muss lange suchen, um einen Stellplatz zu finden"

Sich damit abzufinden, keinen Parkausweis zu bekommen, fällt dem jungen Mann schwer. Er hat sich unlängst ein Auto gekauft, muss in der Nähe seiner Wohnung nun teilweise im Parkautomat mit 20-Cent-Münzen bezahlen. Maximale Parkdauer: zwei Stunden.

"Ich muss lange suchen, um einen Stellplatz zu finden, der nicht kostenpflichtig ist." Die Folge ist, dass Kilian Beschorn mittlerweile eine "stolze Sammlung von Strafzetteln" besitzt, die rund 200 Euro wert ist. Für den Ex-Studenten, der in einer Wohngemeinschaft wohnt und im September 2017 seinen Abschluss gemacht hat, ist das ein stattlicher Betrag.

Pforzheim ist kulanter beim Anwohnerparken

Beschorn fühlt sich im Vergleich zu seinen Nachbarn auf der gegenüber liegenden Straßenseite diskriminiert. "Ich werde im Prinzip gleichgestellt zu einem externen Besucher, der nicht hier wohnt." Das sei nicht in Ordnung. Die Begründung der Stadtverwaltung nennt er "lächerlich", er könne sie so nicht akzeptieren.

Wie handhaben andere Städten das Problem? In Pforzheim verläuft die Grenze von Anwohnerparkzonen auch zum Teil auf der Mittellinie der Straße. Die Pforzheimer Stadtverwaltung ist jedoch kulanter als die in Heilbronn. Bei "nachvollziehbarer Begründung" könnten auch die Bürger einen Parkausweis bekommen, die in der Grenzstraße wohnen und eigentlich kein Anrecht auf einen Parkausweis hätten, berichtet Stadtsprecher Stefan Baust.

Das werde von Fall zu Fall entschieden und hänge von dem räumlichen Umfeld ab. Die strikte Heilbronner Linie fährt dagegen Ludwigsburg. Hier gibt es keine Ausnahmen bei der Parkausweisvergabe.

 

Wie funktioniert Bewohnerparken?

Mit dem Bewohnerparkausweis ist man berechtigt, in einer bestimmten Parkzone an ausgewiesenen Bewohnerparkplätzen sein Auto abzustellen. Auf dem Ausweis steht das Kennzeichen des Wagens, es darf nicht für ein anderes Auto benutzt werden. Ein Anspruch auf einen bestimmten Parkplatz gibt es aber nicht. Voraussetzung zur Erteilung des Ausweises: Wohnsitz innerhalb der Parkzone; eigener Pkw oder Pkw zur dauerhaften Nutzung. Der Ausweis gilt ein Jahr. Die Gebühr beträgt für diese Zeit 30,70 Euro, in der Zone 16 − Wohngebiet am Gesundbrunnen − sind es 10,20 Euro.