Buga 2019: Auf der Suche nach Leichtigkeit

Interview  Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas im Interview über die Bundesgartenschau Heilbronn zwei Jahre vor dem Start.

Von Iris Baars-Werner

Auf der Suche nach Leichtigkeit
Das Buga-Areal aus der Vogelperspektive. Foto: M. Maier

Gerade mal zwei Jahre bleiben noch: Am 17. April 2019 öffnet die Bundesgartenschau (Buga) Heilbronn ihre Tore. Morgen startet die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) in Berlin, die Gartenschau, von der Heilbronn im Herbst den Staffelstab übernehmen wird. Fragen an den Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas.

Wenn Sie auf die zwei verbleibenden Jahre schauen, wird Ihnen da manchmal schwummrig?

Auf der Suche nach Leichtigkeit

Faas: Zwei Jahre sind schon ein ganz besonderer Termin, weil mit der IGA in Berlin jetzt die Gartenschau beginnt, die vor uns ist. Wir übernehmen im Herbst die Fahne und den Staffelstab von Berlin. Damit ist offensichtlich: Wir sind die nächsten. Wenn du mit diesem Wissen über die Baustelle schaust, dann merkst du schon, wie viel noch zu tun ist. Es wächst der Respekt davor, dass alles fertig wird.

Wie merkt man das im Alltag?

Jetzt laufen alle Baustellen parallel, davor passierte eins nach dem anderen. Das spürt man bei den Mitarbeitern − und man merkt, wie der Druck von außen zunimmt. Alle, die neugierig auf das Projekt schauen, verknüpfen natürlich auch ihre Erwartungen damit.
 

Wo sind Sie denn gut im Zeitplan?

Die Karl-Nägele-Brücke war unsere Achillesferse, weil wir die Kalistraße erst rausnehmen können, wenn diese Brücke fertig ist. Da sind wir super in der Zeit. Ebenso am Neckaruferpark.


Und wo hinken Sie hinterher?

Bei der ganzen inneren Erschließung, also den Straßen und Wegen, bei der Infrastruktur unter der Erde, die für die Bebauung nach 2019 jetzt geschaffen werden muss, bei den Verbindungselementen Richtung Kranenstraße. Da gibt es einen großen Abstimmungsbedarf, da müssen wir uns mächtig ins Zeug legen, dass das passt.


Gibt es etwas, wo Sie richtig Bauchschmerzen haben?

Bei manchem kribbelt es, aber so richtig eine schlaflose Nacht, nein, das habe ich nicht.


Auch nicht wegen der Häuser des Neckarbogens?

Überhaupt nicht. Es ist noch über ein gutes Jahr Zeit. Lassen Sie es Juli oder August 2018 werden, bis alles fertig ist, dann ist es noch immer in Ordnung. Da sind überall Profis am Werk.


Also ein zufriedener Buga-Chef?

Was mich persönlich sehr viel mehr beschäftigt, ist das Konzept unserer Ausstellung. Wie transportieren wir die Leichtigkeit, die Lockerheit, auch wenn manche unserer Rahmenbedingungen kantig sind, etwa die Stadtausstellung.


Was um alles in der Welt soll Besucher aus Hamburg dazu bringen, sich Häuser anzuschauen, die in Heilbronn Teil einer Buga sind?

Wir haben uns immer auf die Fahnen geschrieben, unsere Buga ist ein städtebauliches Projekt, darin ist auch unsere Qualität begründet. Trotzdem müssen wir mehr herausstellen und Wert darauf legen, dass wir natürlich auch eine Ausstellung machen mit allen Inhalten einer Bundesgartenschau.


Es fehlt noch immer das Highlight. Ohne das wird es solides Mittelmaß. Mancher sagt: Wie Heilbronn halt ist.

Darum ist mir nicht bang. Dieses Highlight braucht es vielleicht gar nicht. Was eine Gartenschau braucht, ist eine Vielfalt. Das haben wir. Was es braucht: Bilder, die sich in den Köpfen festsetzen. Wasser, Farben, Licht. Ich bin sicher: Da fällt uns etwas ein, das über die Region hinausstrahlt.


Fehlt Ihnen da noch der Sponsor?

Nein.


Eher der Künstler?

Wir suchen im Rahmen eines Wettbewerbs den Besten, der es macht.


Reicht Ihnen, was außerhalb der Buga für das Jahr 2019 vorbereitet wird − von der Innenstadt, der Gastronomie, dem Weinbau?

Es gibt zwei Philosophien. Einmal die: Heilbronn muss ganz viel tun, um 2019 den Besuchern zu zeigen, Mensch, diese Stadt brummt. Die zweite sagt: Eigentlich muss man 2019 gar nicht so viel machen, die Stadt muss sich zwar herausputzen, aber das Pulver muss man nicht in diesem Jahr verschießen, sondern 2020, damit die Menschen merken, diese Stadt hat auch nach 2019 etwas zu bieten.


Zu welcher Sicht neigen Sie?

Zur zweiten. Die Stadt muss sich 2019 im besten Bild zeigen, alle müssen sich vorbereiten, es muss gute Konzepte geben. Wenn 2019 der Auftakt ist, wo sich die Stadt touristisch neu positioniert, dann muss 2020 noch etwas Größeres folgen, als das, was die Stadt derzeit macht. Das heißt überhaupt nicht, dass man sich im Buga-Jahr auf die faule Haut legen darf. Es gibt ein super Konzept des Grünflächenamtes für die Innenstadt, das aufbaut auf der Entente Florale aus dem Jahr 2000.


Erwarten manche zu viel?

Man darf sich nicht in eine Hysterie hineinsteigern, alles muss 2019 leuchten und bunt und fröhlich sein. Ganz viele Dinge werden von allein passieren. Viele Besucher einer Buga haben das Bedürfnis, in die Stadt zu gehen. Die Verbindung aus dem Buga-Gelände zur Stadt über die Experimenta und die Neckarmeile ist so attraktiv, dass die Menschen in der Innenstadt essen gehen werden, einkaufen. Die wirkliche Landmarke ist die Experimenta, die sieht man von jeder Stelle der Buga aus. Dort werden die Leute hingehen − und wenn sie dort sind, dann sind sie schon in der Stadt.


Reicht Ihnen, was das Umland an Konzepten hat?

Die IHK hat einen Wettbewerb gemacht zur Beteiligung der Unternehmen. Vergleichbares macht jetzt der Landkreis. Die Flächen sind reserviert. Wenn all das, was in Vorbereitung ist, umgesetzt wird, bin ich guter Dinge.


Wie weit wollen Sie nächstes Jahr am 17. April 2018 sein?

Alle groben Arbeiten müssen fertig sein. In diesem Herbst wollen wir die Rosen und Stauden pflanzen. 2018 muss das Bild noch klarer Richtung Gartenschau gehen. Dann ist der Fokus noch mehr auf der Frage: Wie kriegen wir unsere Ausstellung so attraktiv, dass die Menschen wirklich Lust haben, zu kommen?