Haßmersheimer Fähre nimmt Kurs auf Heilbronn

Haßmersheim/Heilbronn  Am Dienstag legte am Neckarufer bei Haßmersheim eine ausgediente Fähre ab. Sie nimmt nun Kurs auf Heilbronn, um 2019 bei der Buga als Veranstaltungsbühne mitten im Fluss zu dienen.

Von Kilian Krauth

 

Theodor Heuss steht am Neckarufer und blickt wehmütig der Haßmersheimer Fähre nach. Der 67-Jährige heißt tatsächlich wie der erste Bundespräsident. Er erinnert sich gut, wie er als Schulbub deshalb "fünf Mark von ihm in die Hand gedrückt bekam" und wie er danach mit der Fähre entschwand. Der Familienname Heuss ist in dem badischen Fischerort bis 1604 nachweisbar, weiß Ahnenforscher Fritz Müßig. Müßig weiß auch, dass der Großvater von "Papa Heuss" einst nach Württemberg "ausgewandert" ist, wo dessen Sohn Louis später als Stadtbaumeister und sein Enkel Theodor als Redakteur wirkte - ehe seine politische Karriere beginnen sollte.

Vorläufer schon 1330 erwähnt

Eine zweite Karriere steuert aktuell eine andere Haßmersheimer Institution an: die Fähre. Ein Vorläufer wurde schon 1330 erwähnt. Das vorerst letzte, 1948 gebaute Exemplar war im September 2014 aus Kostengründen stillgelegt worden. Am Dienstagnachmittag nun wurde das 16 Meter lange und sechs Meter breite Teil vom Schubboot "Hornberg" und Schiffsführer Peter Englert vom Wasser- und Schifffahrtsamt Heidelberg mit bis zu zehn Kilometer/Stunde Geschwindigkeit neckaraufwärts nach Heilbronn geschoben.

Fähre wird schwimmende Bühne

Im Osthafen wird die Fähre nun zur "Fährbühne" umgebaut, die im Sommer 2018 an der historischen Reederei Schwaben im Altneckar vor Anker gehen wird, um während der Bundesgartenschau 2019 als Veranstaltungsbühne zu dienen. Zuletzt war die Fähre in der Philipp Ebert & Söhne Schiffswerft in Neckarsteinach etwas umgerüstet worden, bekam unter anderem einen neuen Boden, einen neuen Anstrich.

"Auch einer der Aufbauten wurde demontiert", berichtet der technische Leiter der Buga, Berthold Stückle. "Ansonsten haben wir bewusst alles so belassen, wie es war, um den einzigartigen Charakter und Charme beizubehalten." Stückle hat das sympathische Projekt zusammen mit dem Kapitän Wolfgang Baars aus Bad Wimpfen und Klaus Mandel vom Regionalverband Heilbronn-Franken eingefädelt.

Für ein Euro von Gemeinde gekauft

Die Haßmersheimer Fähre bei ihrer letzten Überfahrt am 25. September 2014. Foto. Archiv/Thimm

Buga-Chef Hanspeter Faas freut sich, dass ihm Haßmersheims Bürgermeister Michael Salomo das Schiff für einen Euro überließ, wobei er nicht gedacht hätte, dass der Umbau mehrere 10.000 Euro verschlingt. Die Fähre sei dieses Geld aber wert, betonte Faas.

"Sie steht, beziehungsweise schwimmt für Geschichte und Geschichte und schafft dadurch Identifikation und Emotion." Zweitens passe sie perfekt zum Leitthema der Buga: Stadt am Fluss. Heilbronn am Neckar wolle sich damit nicht nur touristisch profilieren. Man werde mitten im einstigen Hafengebiet auch städtebaulich zu neuen Ufern aufbrechen.

Revolutionär in der Ahnentafel

Als seine Fähre am Dienstag zu neuen Ufern aufbrach, ließ es sich der letzte Fährmann Bernd Raudenbusch (68) nicht nehmen, sie mit dem Personenschiff "Patriot" zu begleiten. Ahnenforscher Müßig wusste sogar, warum das gemeindeeigene Schiff so heißt: "Es trägt den Namen eines Schiffes von Friedrich Heuss, einem Großonkel von Theodor Heuss." Er habe 1840 mit seinem "Patriot" die erste Schifffahrtslinie Heilbronn-Rotterdam eingerichtet und sei außerdem als 1848er Revolutionär in die badische Geschichte eingegangen.