Buga-Pflanzen sollen ohne Torf und Lava gedeihen

Heilbronn  Ein nachhaltiges Substrat aus Bioabfall wird jetzt auf dem Bundesgarten-Gelände getestet. Damit will man herausfinden, welche Pflanzerde die besten Ergebnisse bringt.

Von Bärbel Kistner

Buga-Pflanzen sollen ohne Torf und Lava gedeihen

Stiefmütterchen, Ranunkeln, Goldlack: Florian (li.) und Hermann Funk, Gärtner aus Bad Friedrichshall, bepflanzen zehn die Test-Beete auf dem Buga-Areal mit verschiedenen Substrat-Mischungen.

Foto: Matthias Heibel

 

Nachhaltigkeit soll bei der Bundesgartenschau nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch im gärtnerischen Bereich eine große Rolle spielen. Auf zehn Beeten mit Frühlingsblumen testet die Buga mit der Firma Hauke Erden ein neues Pflanzsubstrat, das ohne Torf und Lava auskommt − mit Rohstoffen aus der Region.

Grundlage für das Substrat sind Bioabfälle aus dem Landkreis Heilbronn, die im Öhringer Betrieb von Hauke Erden zu Kompost verarbeitet wird. Im Hauptsitz der Firma in Remseck-Aldingen wird das Substrat hergestellt. "Aus dem Garten wieder in den Garten", dieser Ansatz von Kreislaufwirtschaft war die Basis für die Entwicklung des Produktes, wie der Geschäftsführende Gesellschafter Frank Pickenhagen beim Vor-Ort-Termin auf dem Buga-Gelände erklärt.

Abfallprodukt zur Düngung

Anstelle von Lava-Gestein, das üblicherweise aus der Eifel geholt wird, kommt Mortalith zum Einsatz. Das ist der Fachbegriff für Kesselsand, der als Abfallprodukt bei der Verbrennung von Steinkohle entsteht. Auch hier zählt die kurze Entfernung. Das Material stammt unter anderem aus dem Heilbronner Kohlekraftwerk und ist für Produktentwickler Christian Raichle perfekt für die Verwendung in dem neuen Pflanzsubstrat geeignet: "Kesselsand ist porös, strukturstabil und hat eine hohe Wasserspeicherfähigkeit."

Üblicherweise und "leider" sei Torf immer noch die Nummer eins bei den Inhaltsstoffen von Pflanzerde − mit allen negativen Begleiterscheinungen. Beim Abbau wird CO2 freigesetzt: Die Austrocknung führt zur Freisetzung des in den Mooren gebundenen Kohlenstoffs. "Auch Flora und Fauna wird zerstört", betont Raichle, Experte für nachwachsende Rohstoffe. In Deutschland wird nur noch in Niedersachsen Torf abgebaut. Der Großteil des Billigtorfs wird aus dem Baltikum importiert.

Materialien aus der Region

Durch regionale Materialien Transportwege zu reduzieren, auch das sehen die Verantwortlichen als Beitrag zur Nachhaltigkeit. Die für das Substrat benötigten Holzfasern könnten derzeit allerdings noch nicht aus dem näheren Umfeld bezogen werden, erklärt Pickenhagen. "Dafür braucht man spezielle Maschinen, die es noch nicht gibt." Aus diesem Grund könne das torffreie Produkt auch bei verfügbarer Menge und Preis noch nicht mit den Torferden konkurrieren. Ab Sommer will Hauke Erden das Substrat zunächst als lose Ware anbieten.

Der Buga-Test unter realen Bedingungen soll die Entwicklung in punkto Zusammensetzung entscheidend weiterbringen. Fünf gröbere und fünf feinere Substrate mit jeweils unterschiedlichen Beigaben von organischem Stickstock soll Stiefmütterchen, Hornklee, Anemonen, Ranunkeln, Goldlack und Purpurglöckchen zur Blütenpracht verhelfen. Die typischen Pflanzen für Wechselflor haben eine relativ kurze Vegetationsphase und benötigen schnell "viel Power", wie Christian Raichle erklärt. Mindestens einmal wöchentlich, insgesamt acht Wochen lang, will er die Beete kontrollieren und beobachten, wie gut die Pflanzen gedeihen, wie lange sich die Blüte hält und wie stark die Erde zusammensackt.

13 Kubikmeter Substrat kommen für den Test zum Einsatz. Auf dem Buga-Gelände werden für die 8000 Quadratmeter große Wechselflorfläche 1000 Kubikmeter der Erde benötigt.