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Presswerk: Dreidimensionale Kunstwerke - 410 Mitarbeiter produzieren Präzision im Vier-Sekunden-Takt
Von Manfred Stockburger
Neckarsulm - Dünnes Blech in Form zu bringen, das klingt ganz einfach. Ist es aber nicht. Schließlich müssen die Rundungen auf den hundertstel Millimeter genau sein, damit die Qualitätsprüfer und die Kunden zufrieden sind. Die Geometrie muss stimmen. Dann muss die Fertigung wirtschaftlich sein, darauf haben die Controller ein gestrenges Auge. Und schließlich die Audi-Designer mit ein paar Pinselstrichen gefällige Formen aufs Papier zaubern, was die Werkzeugmacher und das Presswerk in drei Dimensionen vor immer neue Herausforderungen stellt.
Grenzen der Technik
„Wir kämpfen uns gemeinsam an die Grenzen der Umformtechnik heran“, sagt Peter Stechel. Seine Aufgabe als Leiter des Neckarsulmer Presswerks ist es, all diese Anforderungen unter einen Hut zu bekommen. Die 110-Millionen-Euro-Investition ist ein wichtiger Schritt, dass das Presswerk auch in Zukunft im Takt der Zeit Karosserieteile liefern kann – für alle Neckarsulmer Modelle und auch spezielle Teile für solche Audi-Fahrzeuge, die an anderen Standorten hergestellt werden. Vom großen Seitenteil bis zum Din-A-4-Blatt großen Rücklicht-Topf reicht die Palette der Karosserieteile. Besonders stolz ist Stechel auf den Seitenwandrahmen für den neuen A8 und die vier Türen, die seine Anlage in einem Arbeitsgang abpressen kann. „Da muss man wissen, was man tut“, sagt Stechel. „Die Wettbewerber trauen sich sowas nicht zu.“
Weltklasse
Bei Qualität, Produktivität und auch bei den Kosten glänzen die Neckarsulmer Presswerker regelmäßig im Vergleich zu Wettbewerbern und auch zu anderen Presswerken im VW-Konzern.
Das lässt sich in Zahlen darstellen, berichtet Peter Stechel: „Branchenüblich ist bei einer solchen Großraumsaugertransferpresse eine Verfügbarkeit von 75 Prozent. Wir schaffen 85 bis 90 Prozent.“ Wie das geht? „Wir sind deswegen so gut, weil die Mannschaft engagiert voll auf das Ziel Verfügbarkeit eingestellt ist“, erklärt der Presswerkleiter. „Wenn die Maschine einmal steht, dann gehen sie nicht einen Kaffee trinken, sondern kümmern sich drum“, sagt Stechel. Schließlich kostet jeder Stillstand Geld. „Sie jagen Verfügbarkeit. Jeder weiß sofort, was er zu tun hat.“
Nicht nur den Standort Neckarsulm bringt die Inbetriebnahme des Presswerks voran: „Jetzt kann die Sparte Presswerk gemeinsam mit den Partnern in der Prozesskette Blech das Audi-Design noch effizienter und wirtschaftlicher auf die Straße bringen“, formuliert Spartenchef Peter Hochholdinger. Sein Anspruch ist hoch: „Wir wollen jeden Tag aufs Neue das erfolgreichste Presswerk der Welt sein.“
Im Verbund
Alle Anlagen sind standortübergreifend aufeinander abgestimmt. „Dadurch können wir Synergien in der Instandhaltung, der Inbetriebnahme und der Verbesserung unserer Abläufe nutzen“, erklärt Hochholdinger. Und: Fällt in Ingolstadt eine Presse aus, kann Neckarsulm einspringen – und umgekehrt.
Presswerk in Zahlen
Die Zahlen sind überwältigend: Gut 800 Tonnen Material verarbeiten die rund 410 Mitarbeiter des Neckarsulmer Presswerks jeden Tag. An allen Anlagen zusammen produzieren 200 000 Einzelteile, was einer Tageskapazität von etwa 1300 Fahrzeugen entspricht. Bisher waren 1100 möglich. 16 Mal in der Minute spuckt die neue Großraumsaugertransferpresse im Regelbetrieb Teile aus. Im Schnitt werden alle zwei Stunden die Presswerkzeuge gewechselt.
14.10.2009
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