Kino
| ||||||||||||||||
Auch harte, aufrichtige Männer haben schwache Momente. Wenn sich der unerbittliche Fiskus, die kreditgebende Bank, ungeduldige Gläubiger oder sogar das misstrauische Jugendamt zu unangenehmen Schritten gezwungen sehen, weil kein Geld fließt, werden auch Idealisten nachdenklich, ob regelkonformes Verhalten noch weiterhilft. Das mürrische Actiondrama "Armored" heuchelt Interesse für unverschuldete Sozialfälle: Dabei dient das Schicksal eines aus dem Irak heimgekehrten US-Soldaten nur als Kulisse, um die leidlich spannende Geschichte eines Raubüberfalls zu erzählen. Den aufgrund seiner Tapferkeit dekorierten Rekruten Ty Hackett (Columbus Short) hat es nach seiner Rückkehr aus den Wirren der irakischen Besatzung gleich mehrfach hart getroffen: Seine Eltern sind gestorben, er muss seinen 14-jährigen Bruder allein großziehen, die auf dem Haus der Familie lastende Hypothek ist kaum abzubezahlen. Schon meldet sich die Behörde, weil sie die Erziehungskompetenzen des ehemaligen Soldaten in Zweifel zieht. Sie droht, das umtriebige Brüderchen ins Heim zu stecken. Außerdem lassen ihn seine Kriegstraumata, vor allem die Zahl seiner getöteten Gegner nicht los. Wird die innere Zerrissenheit der erschreckend profillosen Hauptfigur nur angedeutet, erstrahlen seine Prinzipientreue und Sorge um die Zukunft des Bruders in umso schillernderem Licht. Letzterer schwänzt zwar hartnäckig die Schule, erweist sich aber als begnadeter Graffiti-Künstler. Zielstrebig steuert die uninspirierte Handlung zu auf das Unausweichliche: Der tapfere, gutmeinende, aber auch gutgläubige Bursche wird bitterlich enttäuscht und kann nur unter größtem Einsatz von Mut, Spontaneität und Erfindungsreichtum über sich und seine Probleme hinauswachsen und das Böse besiegen. Das versammelt sich unerwartet im Kreis seiner engsten Freunde, einer eingeschworenen Wachmannschaft des Geldtransporter-Unternehmens Eagle Shield Security. Dort versucht Hackett an der Seite seines Ziehvaters Cochrane (Matt Dillon) einen Neuanfang. Schon ein Streich zur Feuertaufe - ein gestellter Überfall bei seiner ersten Fahrt mit dem wuchtigen Panzerlaster - müsste ihn misstrauisch machen. Doch als sich schließlich herausstellt, dass der Spaß eine Probe war für einen wahrlich großen Coup -den Raub von 42 Millionen Dollar - fällt der nichts Ahnende aus allen Wolken. Schließlich hakt sich die tragische Figur, bedrängt von der Kontrolleurin vom Jugendamt und dem immer schärferen Ton der Bankmahnungen, ein in den scheinbar todsicheren Plan eines vorgetäuschten Überfalls, bei dem sich das unterbezahlte Sicherheitspersonal um die eigene Ladung bereichert und den Banken - und ihrem Chef - ein Schnippchen schlägt. Natürlich geht der Plan gehörig schief, plötzlich gibt es Zeugen, die von panischen Komplizen umgebracht werden. Dabei sollte niemand zu Schaden kommen. Klar: Hackett besinnt sich auf seine Tugenden und wendet sich gegen seine ehemaligen Mitstreiter. Gewöhnlich ist es durchaus ein Qualitätsmerkmal, wenn verdiente Darsteller wie Matt Dillon, Laurence Fishburne und Jean Reno zur Schauspielergarde eines Films gehören. In Filmen wie "L.A. Crash", "Five Fingers" oder "Leon - Der Profi" verkörperten sie nur allzu beeindruckend Schurken voller Tiefe und Ambivalenz. Das Drehbuch von Debütant James Simpson, der bisher noch keinen Folgeauftrag erhielt, zwängt sie jedoch auf fahrlässige Weise in eine solch uninspirierte Dramaturgie, dass sie weder mit ihrem Minenspiel noch mit Dialogen setzen können. Auch Hauptdarsteller Columbus Short, unter anderem bekannt aus dem Tanzfilm "Stomp the Yard", kommt nicht ausreichend zum Zuge. Den Rest des Films - immerhin eine gute Stunde an Lauflänge - verbringt er letztlich damit, seine zornigen Kollegen ängstlich durch schusssicheres Glas dabei zu beobachten, wie sie versuchen, ihn aus dem gepanzerten Geldtransporter zu holen, in dem er sich mit dem Banknoten-Schatz versteckt hat. Suspense der langweiligen Art.
weiterführende Links: Mediafiles: Videofiles:
Die Kollegen Ty (Columbus Short, links) Baines (Laurence Fishburne, Mitte) und Cochrane (Matt Dillon) treffen sich zur Besprechung. 2009 Sony Pictures Releasing GmbH
Cochrane (Matt Dillon, links) und Baines (Laurence Fishburne) sind ein eingespieltes Team. 2009 Sony Pictures Releasing GmbH
Sie hoffen durch einen scharfsinnig geplanten Raubüberall auf große Beute, von links: Cochrane (Matt Dillon), Palmer (Amaury Nolasco), Quinn (Jean Reno), Baines (Laurence Fishburne) und Dobbs (Skeet Ulrich). 2009 Sony Pictures Releasing GmbH
Matt Dillon spielt eine der Hauptrollen und ist wie die meisten seiner Kollegen dabei unterfordert. 2009 Sony Pictures Releasing GmbH
|
||||||||||||||||
Kinoprogramm
Neu im Kino
- Green Zone
- Zahnfee auf Bewährung
- Legion
Verschwörung in Nahost: Matt Damon brilliert als aufrichtiger Recke im Kampf gegen die eigenen Befehlshaber bei der Neuordnung im besiegten Irak.mehr
Als Strafe für die Verbreitung von Unglauben muss ein brutaler Eishockeyspieler als Zahnfee arbeiten und dabei viele alberne Situationen meistern.mehr
Weil Gott den Glauben in die Menschen verloren hat, schickt er seine himmlische "Legion" auf die Erde, um den Planeten von seiner größten Plage zu befreien.mehr
Kinoticker
- Die Leinwand spricht Brecht
- Einmal Kindheit und zurück
- Dostojewskis Dompteurin
- Zweiter Versuch für von Donnersmarck
- Neuer "Spider-Man" wird konkret
- "Dornröschen" soll wieder erwachen
- Tauziehen um Martin Luther King
"Während meines neunjährigen Eingewecktseins an einem Augsburger Realgymnasium gelang es mir nicht, meine Lehrer wesentlich zu fördern",...mehr
Wie oft Volker Koepp zwischen Berlin und Stettin hin und herpendelte, kann er kaum noch rekonstruieren: Unzählige Drehtage verbrachte der...mehr
Ihre fünf Elefanten benötigen vergleichsweise wenig Platz: Sie passen bequem in jedes Bücherregal. 15 Jahre verbrachte Swetlana Geier damit,...mehr
Oscar-Preisträger Florian Henkel von Donnersmarck ("Das Leben der Anderen") übernimmt nun doch die Regie bei "The Tourist". Angelina Jolie...mehr
Marc Webb, Regisseur von "(500) Days of Summer", soll beim nächsten "Spider-Man" Regie führen und setzte sich damit gegen James Cameron ("Avatar...mehr
Am 4. März kommt Tim Burtons "Alice im Wunderland" mit Johnny Depp und Anne Hathaway in die Kinos. Nun plant der Regisseur bereits die nächste...mehr
Während sich Lee Daniels mit seinem Drama "Precious" (Kinostart: 18.03.) durchaus Hoffnungen auf einen Oscar machen darf, könnte sein nächstes...mehr














