Kino
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In der Liebe gibt es keine Schuld. Heerscharen von betrogenen Ehepartnern, ausgenutzten Geliebten und geschassten Hausfreunden werden hier widersprechen wollen. Doch was bereits der US-Offizier Mayne Reid in seiner Romanze "Oçeola" Anfang des 19. Jahrhunderts niederschrieb, erscheint als eine der Grundwahrheiten menschlicher Liebesbeziehungen. Die Französin Catherine Corsini hat darüber ein ergreifendes Drama gedreht: "Die Affäre" portraitiert das Seelenleben einer Frau um die 40, die alles hat und alles aufs Spiel setzt, weil sie sich Hals über Kopf und ohne Vorwarnung verliebt und glaubt, nicht mehr zurück zu können. In einer sich unweigerlich zuspitzenden Kette von Verwicklungen gerät eine an sich beneidenswerte Liebesgeschichte zu einer nicht enden wollenden Tragödie. Das Erschreckende: Das Geschehen auf der Leinwand ist höchst real.
Ein Hauch, ein Blick: Auch Frauen um die 40 können sich Hals über Kopf verlieben - aber auch mehr Schaden anrichten als Teenager. Alamode Film
Kristin Scott Thomas verkörpert in Corsinis Vision einer amourette horrible die treu sorgende Ehefrau und Mutter einer französischen Akademikerfamilie. Die Rollen sind klar verteilt, ohne dass eine patriarchalische Atmosphäre aufkommen würde. Gatte Samuel ist erfolgreicher Chirurg, die Kinder - ein Mädchen, ein Junge - im Teenageralter mit iPods, Tenniskurs und Designerkleidung ausgestattet. Suzanne möchte sich nach ihrem langen Dasein als Mutter wieder ihrer beruflichen Leidenschaft hingeben.Sie frischt ihre Kenntnisse in Physiotherapie auf und möchte angrenzend an ihr schmuckes Zuhause in Südfrankreich eine kleine Landpraxis einrichten. Dass ihr Ehemann Samuel bisweilen etwas schroff sein kann, spüren die Handwerker zuallererst. Der Herr im Haus drückt den Preis und heuert den Spanier und Ex-Häftling Ivan an, der das Gartenhaus ausräumen soll, gut und billig, aber natürlich ohne Rechnung. Dabei kommt das Aufeinandertreffen zwischen den beiden Männern gegensätzlichen Schlages überraschenderweise gänzlich ohne Spannungen aus. Auch hier sind die Rollen klar verteilt: Auf der einen Seite der intellektuelle Gesellschaftsmensch ohne Sorgen, aber mit hohen Ansprüchen allem und jedem gegenüber, auf der anderen der aus dem Rahmen Gefallene, der in einer schmucklosen Hochhausbaracke vegetiert und der sich für nichts zu schade ist. Schließlich muss Ivan genug Geld verdienen, um seine Tochter, die bei ihrer Mutter in Spanien lebt, regelmäßig wiedersehen zu können. Filmemacherin Corsini versteht es, die für den Spannungsbogen unausweichliche Annäherung zwischen der eleganten und trotzdem natürlich gebliebenen Suzanne und dem keineswegs grobschlächtigen, aber authentischen Ivan so naturwüchsig wie möglich erscheinen zu lassen. Ivan ist ehrlich, höflich und zurückhaltend, ohne duckmäuserisch zu sein. Vielmehr beweist er Charme, Wortwitz und sympathische Zuvorkommenheit - all das, was auch Samuel, der es sich allzu gemütlich eingerichtet hat in den klassischen familiären Zuständigkeiten, einmal geboten hat. Je stärker sich Suzanne zu dem zupackenden Schwarzarbeiter hingezogen fühlt, desto größer wird ihr Gewissenskonflikt: auf der einen Seite die gesellschaftlichen Konventionen, die ihre Affäre mit einem ehemaligen Straftäter und Tagelöhner verurteilen, auf der anderen die Befreiung ihrer Gefühle, die Aufhellung ihres Lebens, das sich festgefahren hat auf den vorgezeichneten Spuren der genügsamen Gattin. Sie genießt es spürbar, sich zurückzuversetzen in die Zeit, in der Liebe noch aufregend, neu und wild war, ohne sich Gedanken über die Konsequenzen machen zu müssen. Anfängliche Zweifel, zu viel zu opfern für ein jugendliches Gefühl der Unbeschwertheit, weichen aber schon bald der Gewissheit, dass sie ihr bisheriges Leben aufgeben muss. Entscheidend dazu bei trägt ihr Mann: Samuel quittiert das Untreue-Geständnis seiner Frau mit Wut, Verachtung, dann mit übermäßiger, gar verzweifelter Hingabe und sexueller Verbissenheit. Als er merkt, dass er Suzanne damit nur noch weiter von sich fortstößt, schlägt seine Stimmung um in aggressive Vereinnahmung. Suzanne flieht in die starken Arme Ivans. Und Samuel sperrt alle Konten und fährt sprichwörtlich die Kavallerie auf, um dem untreuen Duo eine gemeinsame Zukunft zu versperren. Dass Suzannes Verhalten in seiner Vehemenz zunächst so unergründlich wirkt, es andererseits ohne Erklärungen auskommt, dass sie sich eher früher als später trotz zaghafter Versuche, das Ruder herumzureißen, für einen völlig fremden Mann entscheidet, der unvermittelt in ihr Leben trat, macht die besondere empathische Intensität der Romanze aus, die schließlich in Tod und Trauer, vielleicht aber auch in Erlösung endet. So wie der einsame Schuss in der Dunkelheit zu Beginn des Films Fragen aufwirft, die erst spät im Verlauf der Handlung beantwortet werden, wird der Zuschauer schlussendlich geschickt im Unklaren gelassen, welchen Ursachen Suzannes Handeln unterliegt und ob sie ihr Glück finden konnte. Dass das Drama im Original den Titel "Partir", also "weggehen" und "aufbrechen" trägt, untermalt diesen ambivalenten Eindruck, den das nicht einmal eineinhalbstündige Stück über die nicht immer segensreiche Kraft der Liebe hinterlässt.
Mediafiles: Videofiles: weiterführende Links:
Die erste Berührung ist die aufregendste: Handwerker Ivan (Sergi Lopez) hat ungewollt das Herz seiner Auftraggeberin Suzanne (Kristin Scott Thomas) erobert. Alamode Film
Am Anfang steht die Scham für die unwürdige Bezahlung durch ihren Mann: Suzanne (Kristin Scott Thomas) hilft Schwarzarbeiter Ivan (Sergi Lopez) bei seinem Auftrag. Alamode Film
Verzweiflung schlägt um in Gewalt: Samuel (Yvan Attal) kann nicht verstehen, wieso seine Frau Suzanne (Kristin Scott Thomas) sich urplötzlich in einen vermeintlichen Taugenichts verliebt hat. Alamode Film
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| Programm | Woche: vom 11.03.2010 - 17.03.2010 | ||||||
| Kino | Do |
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Mi |
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| Caligari | 17:15 | 20:00 | |||||
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