Fußball-EM in Polen und der Ukraine


    EM aktuell | EM in der Region | EM-Spielplan | Fandorf-Bildergalerien

    Freuden für Lahm Co.: Hochzeit und Goldschuh

    Von Jens Mende und Klaus Bergmann, dpa

    Den neuen Weltmeister Spanien mussten Jogi Löw und seine «Boy Group» nicht jubeln sehen - die 23 bronzenen deutschen WM-Spieler hatten nur noch Sommer, Sonne und Urlaub im Sinn.

    Vorfreude
    Philipp Lahm muss fit für den Traualtar weden. 

    Viele der Spieler werden aber erst in den nächsten Tagen Last Minute Urlaubsziele buchen. «Ich hoffe erstmal, dass ich nicht krank werde», betonte Arne Friedrich angesichts des grippalen Infekts, der Löw und einige Teammitglieder in den letzten WM-Tagen befallen hatte.

    Kapitän Philipp Lahm, den es auch erwischt hat, will erst einmal «viel schlafen und regenerieren», um am Mittwoch in Aying bei München gesund seine Claudia vor den Traualtar führen zu können. «Dann hoffe ich, dass ich topfit bin. Es sind die Familien eingeladen und die engsten Freunde - rund 100 Gäste. Klar freue ich mich auf die Hochzeit, das hat man nur einmal in seinem Leben», sagte Lahm.

    Flittern will Lahm mit seiner Frau «höchstwahrscheinlich in Griechenland», wie er verriet. Dort könnte er Dennis Aogo treffen, der Hamburger hat zumindest einen Urlaub auf Kreta gebucht. Hans-Jörg Butt will erstmal in seiner Heimat Oldenburg vorbeischauen, Marcell Jansen nach so langer Zeit in Hamburg «klar Schiff machen». Den Deutsch-Tunesier Sami Khedira zieht es «in den Süden».

    Per Mertesacker war von Südafrika aus «sofort auf eine Insel» aufgebrochen, denn die drei Wochen Pause sind ohnehin sehr, sehr kurz. «Das Perverse ist, dass es in vier Wochen neue Ziele gibt», stöhnte der Bremer mit Blick auf das nächste Länderspiel schon am 11. August in Dänemark und die danach beginnende neue Bundesliga-Saison.

    Kaputt und müde, aber mit einer neuen großen Vorfreude stiegen die deutschen Südafrika-Stürmer um 06.16 Uhr in der Heimat aus dem Riesen-Airbus 380. «Ich bin zwar der Typ, der die Belastung gut wegsteckt. Aber natürlich tut jetzt ein bisschen Abstand auch nicht so schlecht. Dass man mal durchschnaufen kann», beschrieb WM-Torschützenkönig Thomas Müller die Stimmung auf dem zehnstündigen Heimflug.

    Müller konnte mit seinen Team kurz vor Mitternacht sogar nochmals doppelt anstoßen. Da im WM-Endspiel von Johannesburg weder der Spanier David Villa noch der Niederländer Wesley Sneijder trafen, die wie Müller ebenfalls bei fünf Turnier-Treffern standen, wurde der 20-Jährige aufgrund seiner drei Vorlagen sozusagen über den Wolken sensationell Torschützenkönig der Fußball-Weltmeisterschaft. Und als Zugabe wurde der Münchner zum WM-«Jungstar» gekürt. «Das freut mich natürlich besonders, 40 Jahre nach Gerd Müller den Goldenen Schuh gewonnen zu haben», sagte der neue Müller. Der «Bomber der Nation» war 1970 bester Torjäger. 2006 gelang dies auch Miroslav Klose.

    Nach zwei Monaten Rackern und Schwitzen hatten die meisten Spieler und Trainer schon auf dem Lufthansa-Sonderflug von Johannesburg nach Frankfurt ihre Liebsten an der Seite. In der Business-Class genoss auch Joachim Löw nach dem WM-Stress neben seiner Frau Daniela die Annehmlichkeiten des neuen A 380. An Urlaub kann der Bundestrainer derzeit noch nicht denken, denn nach einem kurzen Durchpusten muss der 50-Jährige erst seine berufliche Zukunft klären. «Es werden selbstverständlich Gespräche stattfinden. Und es ist logisch, dass eine Entscheidung zeitnah gefällt werden muss», sagte Löw.

    Zunächst aber erlebte der Freiburger bei Rotwein und Hühnchen süßsauer das WM-Finale aus einer völlig neuen Perspektive. Live-Bilder vom «wichtigsten Spiel überhaupt» gab es für Löw und sein Team trotz Hightech im Super-Airbus nicht. Kapitän Jürgen Raps, der den DFB-Tross schon fünf Wochen zuvor nach Südafrika geflogen hatte, versorgte in 11 500 Metern Höhe die Mannschaft per Telex mit Spiel-Informationen. «Spanien gewinnt 1:0», berichtete der Lufthansa-Chefpilot ohne Emotionen.

    Gefeiert wurden bei 900 Stundenkilometern Reisegeschwindigkeit nur die deutschen Spieler, die mit ihren erfrischenden Auftritten in Afrika und dem dritten Platz die Fußball-Welt überrascht und die Fans in der Heimat in Begeisterung versetzt hatten. «Wir gratulieren Ihnen alle», lauteten die Glückwünsche aus dem Cockpit.

    Das Kabinen-Personal hatte sich kleine Deutschland-Fahnen auf die Wangen geschminkt, und am Airbus waren eine schwarz-rot-goldene Fahne sowie die Aufschrift «Vielen Dank» aufgeklebt worden. Sogar die Pralinen-Schachteln waren bedruckt: «Vier Wochen Emotionen auf höchstem Niveau.» Die Flugsicherheit übermittelte beim Landeanflug auf Frankfurt Glückwünsche. Löw betonte: «Wir sind enorm stolz auf die Spieler und alle, die an unserem Erfolg beteiligt waren.»

    Nach einer kurzen Begrüßung auf heimatlichem Boden durch Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth flüchteten die Spieler, Trainer und Betreuer in alle Himmelsrichtungen. Auch die Spieler werden in den nächsten Tagen trotz Urlaub die Entwicklungen im «Fall» Löw interessiert verfolgen. «Es ist kein Selbstläufer. Es reicht nicht, wenn man eine gute junge Mannschaft hat, sondern man muss weiter hart arbeiten», unterstrich Kapitän Philipp Lahm in einer vorläufig letzten Erklärung zum Thema Fußball.

    12.07.2010


    termine25besenkalenderverkehrspiele