Mittelstand «euphorisch» - aber auch wachsende Sorgen

Berlin (dpa)  Viele kleine und mittlere Firmen in Deutschland strotzen aktuell vor Kraft, die Zahl der Optimisten unter ihnen ist so hoch wie lange nicht. Der gesamte Ausblick aber ist nicht ungetrübt.

Maschinenbau
Fertigung beim Maschinenbauer Schuler AG im baden-württembergischen Göppingen: Der Mittelstand in Deutschland ist so optimistisch wie seit mehr als zehn Jahren nicht. Foto: Marijan Murat/Symbolbild

Der industrielle Mittelstand ist so optimistisch wie seit mehr als zehn Jahren nicht - sorgt sich aber zunehmend um Fachkräftemangel und Cybersicherheit.

In der aktuellen Mittelstands-Umfrage für den Industrieverband BDI und die Unternehmensberatung A.T. Kearney bezeichnen 59 Prozent der Betriebe ihre Wirtschaftslage als gut oder sehr gut. Dies sei der höchste Anteil der Optimisten seit der ersten Erhebung im Jahr 2005 und spiegele eine außergewöhnlich stabile Lage wider. 2016 hätten dies «nur» 47 Prozent erklärt. Nur jedes tausendste Unternehmen befinde sich derzeit in einer sehr schlechten Lage. «Die Stimmung im industriellen Mittelstand ist euphorisch», heißt es.

Der Ausblick auf 2018 fällt zwar etwas verhaltener, aber immer noch sehr zuversichtlich aus. 52 Prozent der befragten Unternehmen gehen von einer guten bis sehr guten Geschäftslage aus. Nur acht Prozent der Befragten rechnen mit einem schlechten Jahr.

Dabei sind Betriebe mit mehr als 250 Mitarbeitern sehr optimistisch. Zwei Drittel gehen von einer guten Lage aus, 7 Prozent von einer sehr guten weiteren Entwicklung. Unter Firmen mit weniger als 250 Beschäftigten beurteilen 51 Prozent die Geschäfte für 2018 gut oder sehr gut. Treiber ist den Angaben zufolge die Binnenkonjunktur: 44 Prozent der Mittelständler gehen von steigenden Inlandsumsätzen aus, 27 Prozent erwarteten dies im Auslandsgeschäft.

Fachkräftemangel und nationalistische Strömungen im Ausland trüben jedoch die Stimmung. Jeweils 35 Prozent der Befragten befürchten negative Auswirkungen durch die protektionistische Rhetorik der US-Regierung unter Donald Trump sowie durch den EU-Austritt Großbritanniens. Nationalistische Strömungen in den EU-Staaten betrachten 42 Prozent als Risiko für ihr Geschäft.

«Auch nach der Bundestagswahl muss Deutschland ein Gegengewicht zu Abschottungstendenzen sein», fordert Holger Lösch, stellvertretender BDI-Hauptgeschäftsführer. 52 Prozent der Befragten nennen fehlendes qualifiziertes Personal als größtes Risiko.

«Besorgniserregend» sei, dass nur 35 Prozent die Digitalisierung als Chance sehen. «Dem deutschen Mittelstand geht es gut, aber die Digitalisierung lässt keine Zeit zum Ausruhen», mahnt Martin Eisenhut von A.T. Kearney. Der Megatrend sei im Mittelstand zwar angekommen. «Wissen und Handeln liegen jedoch noch ein gutes Stück auseinander.»

Alarmierend sei, dass sich fast jedes fünfte Unternehmen mit dem Thema überhaupt nicht auseinandersetze. Weitere 28 Prozent geben an, die Auswirkungen noch nicht verstanden zu haben. Mit großem Abstand als größte Herausforderung sieht ein Drittel der Befragten die Cyber- und Datensicherheit.