Politbarometer: CDU im Aufwind, SPD im Sinkflug

Heilbronn  Der Schulz-Hype ist vorbei, drei von drei Landtagswahlen gewonnen und steigende Umfragewerte sorgen derzeit für gute Laune im Konrad-Adenauer-Haus – es könnte schlechter laufen für die CDU und Angela Merkel.

Von Bianca Zäuner

Nach mehr als zwei Jahren steht die Kanzlerin wieder ganz oben im Ranking der beliebtesten Politiker, wie aus der jüngsten Befragung der Forschungsgruppe Wahlen für die ZDF-Sendung "Politbarometer" hervorgeht. Wäre am Sonntag Bundestagswahl, könnte die CDU mit 38 die Sozialdemokraten (27 Prozent) weit hinter sich lassen.

Nach dieser Projektion, die sich aus der Befragung von 1344 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten ergibt, wäre neben einer großen Koalition auch ein Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen mehrheitsfähig. Für Rot-Rot-Grün würde es nicht reichen. Die Deutschen, so scheint es, sind mit ihrer Kanzlerin so zufrieden wie lange nicht mehr. 79 Prozent der Befragten stellen der Regierungschefin für ihre Arbeit ein gutes Zeugnis aus. Auch die große Koalition mache ihre Arbeit gut, gaben drei Viertel der Befragten an.

 

 

Imagewert halbiert

Freude in der CDU-Zentrale, lange Gesichter bei der SPD im Willy-Brandt-Haus. Die Umfragewerte der Sozialdemokraten, zwischenzeitlich vom Schulz-Effekt in ungeahnte Höhen katapultiert, pendeln sich langsam aber sicher wieder auf das "Vor-Schulz-Niveau" ein. Der Spitzenkandidat selbst, parteiintern kurzzeitig als Messias und nächster Kanzler gefeiert, stürzt in der Gunst der Wähler immer weiter ab und halbiert im Vergleich zur Umfrage von Ende April seinen Beliebtheitswert.

Im Ranking der beliebtesten Politiker reicht es aktuell nur noch für Rang sieben, hinter Gregor Gysi und drei Plätze hinter dem einst so unpopulären Ex-SPD-Parteichef und Außenminister Sigmar Gabriel. Schulz" Verluste im Ranking fallen sogar höher aus als die von der stark in die Kritik geratenen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Ähnlich düster ist die Lage für die Sozialdemokraten bei der K-Frage. Der Schulz"sche Sinkflug der vergangenen Umfragen setzt sich fort. Aktuell wünscht sich nur noch ein Drittel der Befragten den SPD-Spitzenkandidaten als Kanzler, 57 Prozent sprechen sich für eine weitere Amtszeit Merkels aus. Damit baut die Amtsinhaberin zwar ihren Vorsprung aus, erreicht aber noch nicht den massiven Vorsprung von 33 Prozentpunkten, den sie 2013 vor dem damaligen SPD-Spitzenkandidaten Peer Steinbrück hatte.

 

 

Vier Monate vor der Bundestagswahl ist noch nichts entschieden. Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer sind der Meinung, das Rennen sei nach wie vor offen. Knapp drei Viertel glauben allerdings vom aktuellen Stand aus gesehen an einen Wahlsieg der Kanzlerin. Nur neun Prozent sehen Schulz vorne. Auch die Mehrheit der SPD-Anhänger scheint den Glauben an einen Triumph am 24. September verloren zu haben. Nur noch etwas mehr als ein Viertel der SPD-Anhänger rechnet mit einem Wahlsieg ihrer Partei.

Eine Neuauflage der großen Koalition nach der Bundestagswahl fänden 39 Prozent der Befragten gut. Etwas höhere Zustimmungswerte erhält ein Bündnis aus CDU und FDP, das 43 Prozent befürworten. In den vergangenen Umfragen gehörte schwarz-gelb noch zu den unbeliebteren Modellen. Nach wie vor nur wenige Fürsprecher haben die Dreierbündnisse Rot-Rot-Grün, Ampel- oder Jamaika-Koalition.

 

Hoffnung und Sorge

Der US-Präsident beunruhigt die Deutschen noch stärker als kurz nach seiner Amtseinführung. 78 Prozent gaben in der aktuellen Umfrage für das ZDF-"Politbarometer"an, dass ihnen die Politik von Donald Trump Sorgen bereitet. Ende Januar sagten dies nur 62 Prozent. Mit Blick auf die EU gilt der neue französische Präsident auch bei uns als Hoffnungsträger: Nach der Wahl Emmanuel Macrons glauben 62 Prozent der Deutschen, dass es mit ihm leichter wird, die Probleme in der EU zu lösen.