Die Polizei sucht dringend Nachwuchs

Deutschland/Region  Es gibt zu wenig Bewerber für den Polizeidienst – gleichzeitig sind viele Bewerber zu schlecht. Die Polizeigewerkschaften beklagen: Als Arbeitgeber ist die Polizei nicht attraktiv genug.

Von unserem Redakteur Karsten Kammholz

Nach Aussagen führender Polizeigewerkschafter leiden die deutschen Polizeien unter massivem Nachwuchsmangel. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, André Schulz, sagte der Heilbronner Stimme: „Wir haben nicht nur eine sinkende Zahl an Bewerbern, sondern auch die Qualität der Bewerber nimmt ab.“ Zudem habe man eine hohe Zahl an Abbrechern in der Polizeiausbildung, erklärte Schulz. Er forderte, dass die Polizei als Arbeitgeber wieder attraktiver werden müsse.

Der Vorsitzende des Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Rainer Wendt rechnete vor, dass die Bewerberzahlen in manchen Ländern gewaltig eingebrochen seien, „teilweise um etwa 40 Prozent“. Wenn man den Qualitätsanspruch der Polizei erhalten wolle, „müssten wir auf eine Stelle acht Bewerbungen erhalten. Diese Quote ist nicht mehr zu halten“, sagte Wendt der Stimme. Er warf der Politik vor, in den vergangenen Jahren „den großen Fehler“ begangen zu haben, zu viel Polizeipersonal abzubauen. Es seien auch Ausbildungseinrichtungen geschlossen worden.

Zuletzt hatte die neue Landesregierung in Baden-Württemberg beschlossen, in den kommenden Jahren 1500 neue Polizisten einstellen zu wollen. Innenminister Thomas Strobl (CDU) hatte im Interview der Stimme angekündigt, dass man hierfür die Ausbildungskapazitäten maximal ausschöpfen werde und dadurch die Polizeidichte in der Fläche erhöhen wolle.

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BDK-Chef Schulz bezweifelte, dass solche Personaloffensiven zur Einstellung von qualifiziertem Personal führen. Konkret kritisierte er, dass die Polizei fast ausschließlich Abiturienten nehme, „selbst für den mittleren Dienst“. Er schlug vor, verstärkt Haupt- und Realschüler für den Polizeidienst anzuwerben. Gerade im Streifendienst seien oftmals Fähigkeiten verstärkt gefragt, etwa bei der Kommunikation und der Konfliktlösung, „die ein älterer Haupt- oder Realschüler mit einem erlernten Beruf und mehr Lebenserfahrung vielleicht besser meistern würde als so mancher junger Abiturient, dem diese soziale Reife eventuell noch fehlt“. Hier nutze man die auf dem Arbeitsmarkt vorhandenen Personalressourcen nur unzureichend.

Auch der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, sieht die Polizei im Wettbewerb mit anderen Arbeitgebern im Nachteil: „Die Polizei kämpft häufig mit veralteter Technik, soll aber auf der anderer Seite fast jeden Tag noch höhere Ansprüche erfüllen, die durchaus nicht selten von sachfremden Einflüsterern stammen. Da überlegen sich doch Bewerber, ob dieser Arbeitgeber der richtige ist“, sagte Malchow dieser Zeitung. Die Polizei sei finanziell knapp gehalten worden und immer wieder gezwungen worden, „teils überflüssige, wenig sinnvolle Restrukturierungskonzepte umzusetzen“, beklagte der GdP-Chef.

Es stelle sich die Frage, ob die Polizei momentan ein attraktiver Arbeitgeber sei, so Malchow weiter. Er zeigte sich zugleich überzeugt, dass es genügend für den Dienst in der Polizei qualifizierte Bewerber gebe. Er sich auch sicher, „dass viele junge Menschen sich dieser Herausforderung an Körper und Geist gerne stellen würden“.

 


 

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