Deutscher Oscar-Erfolg: Gerd Nefzer geehrt

Hollywood/Schwäbisch Hall  Spektakuläre Szenen sorgen insbesondere bei Science-Fiction oder Krimis für den Erfolg eines Films. Für solche Special Effects sorgt seit Jahrzehnten Gerd Nefzer - jetzt holt der 52-Jährige aus Schwäbisch Hall die höchste Auszeichnung der Filmbranche.

Von dpa

Oscars 2018 - 90. Verleihung der Academy Awards
Richard R. Hoover (l-r), Paul Lambert, John Nelson und Gerd Nefzer nehmen den Oscar für die besten visuellen Effekte für den Film «Blade Runner 2049» entgegen. Foto: dpa

Der 52-jährige Gerd Nefzer ist eher ein ruhiger Typ - aber bei seiner Arbeit lässt es der Spezialist für Special Effects mächtig krachen: Seit drei Jahrzehnten inszeniert Nefzer brennende Häuser, explodierende Hubschrauber und zerschossene Autos für Krimi-Serien und Kinofilme. Und zwar real am Filmset und nicht am Computer. Jetzt erhielt Nefzer gemeinsam mit seinem Team für die Arbeit beim Science Fiction-Film „Blade Runner 2049“ in Hollywood den Film-Oscar in der Kategorie Visual Effects.

Dabei musste Nefzer in dem Thriller weniger für spektakuläre Szenen, sondern vielmehr als „Wettermacher“ für düstere Stimmung sorgen. Denn der Film spielt in der Zukunft und geht davon aus, dass die Umweltzerstörung schon weit fortgeschritten ist. So musste sein Team am Set alle Register schlechten Wetters ziehen: Von leichtem bis dickem Nebel, von Regentropfen bis Starkregen und von Schneeflocken bis zum Schneesturm. „Diese Wetter-Stimmungen waren dem Regisseur Dennis Villeneuve und Kameramann Roger Deakins besonders wichtig für den "look" des Films“, erläuterte Nefzer nach seiner Nominierung.

Eigentlich hatte Nefzer, der aus Schwäbisch Hall kommt und in der Filmschmiede Potsdam-Babelsberg arbeitet, Landwirt gelernt und Agrartechnik studiert. Doch sein Schwiegervater, der in Schwäbisch Hall einen Verleih von Filmautos und -waffen betrieb, überredete ihn, auf Special Effects umzusatteln. Seine handwerkliche Ausbildung half ihm dabei, und in Nefzers Firma auf dem Gelände des Potsdamer Studios Babelsberg arbeiten viele weitere Handwerker: Ein Metzger, ein Schlosser, ein Bergmann und ein Landmaschinen-Mechaniker.

 

 

"Shape of Water" ist bester Film

Oscars 2018 - 90. Verleihung der Academy Awards
Guillermo del Toro nimmt den Oscars 2018 für den besten Film für «Shape of Water» entgegen. Foto: dpa

Das fantasievolle Kinomärchen „Shape of Water - Das Flüstern des Wassers“ ist mit vier Oscars ausgezeichnet worden. Das Werk des mexikanischen Regisseurs Guillermo del Toro gewann die Trophäen als bester Film und für die beste Regie. Außerdem gab es Preise für die Filmmusik und das Produktionsdesign.

Zwei Schauspieler-Auszeichnungen gingen an die Tragikomödie „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. Die 60-jährige Frances McDormand wurde für ihre Rolle als kämpferische Mutter nach der Ermordung ihrer Tochter für die beste Hauptrolle geehrt - zum zweiten Mal nach 1997, als sie mit „Fargo“ gewann. Ihr Filmkollege Sam Rockwell (49) bekam den Oscar für seine Nebenrolle als rassistischer Kleinstadtpolizist.

Regisseur und Autor Jordan Peele schrieb Oscar-Geschichte: Mit seiner Horror-Komödie „Get Out“ gewann er als erster Afro-Amerikaner den Preis für das beste Original-Drehbuch.

Der Brite Gary Oldman wurde für seine Verkörperung des britischen Premierministers Winston Churchill in „Die dunkelste Stunde“ mit dem Hauptdarsteller-Oscar ausgezeichnet. Das Historiendrama erhielt auch eine Auszeichnung in der Kategorie Make-up/Frisur. Beste Nebendarstellerin wurde Allison Janney - im Drama „I, Tonya“ spielt sie die ehrgeizige Mutter der Eiskunstläuferin Tonya Harding.

 

 

 

Missbrauchsvorwürfe

Moderator Jimmy Kimmel hatte die Gala mit zahlreichen Spitzen zum Missbrauchsskandal in Hollywood eröffnet. „Oscar ist derzeit der beliebteste und am meisten respektierte Mann“, sagte der 50-Jährige in der Nacht zu Montag und ergänzte: „Er hält seine Hände dort, wo man sie sehen kann.“ Er sei nie unflätig, und am wichtigsten: „Kein Penis.“ „Das ist ein Mann, von dem wir mehr in dieser Stadt brauchen.“ Kimmel spielte damit auf die Missbrauchsvorwürfe gegen Produzent Harvey Weinstein und weitere Männer im Filmgeschäft an.

In den technischen Kategorien räumte das Kriegsdrama „Dunkirk“ drei Oscars ab (Tonmischung, Tonschnitt, Filmschnitt). Je einen Oscar bekamen das Gesellschaftsdrama „Der seidene Faden“ (Kostümdesign) und das Liebesdrama „Call Me By Your Name“ (adaptiertes Drehbuch). Der Zeichentrickfilm „Coco“ holte zwei Trophäen: als bester Animationsfilm und für den besten Filmsong.

Der Auslands-Oscar ging in diesem Jahr nach Chile an Sebastián Lelio mit seinem Film „Eine fantastische Frau“. Beste Dokumentation wurde „Icarus“ von Bryan Fogel und Dan Cogan über die russischen Doping-Machenschaften der vergangenen Jahre.

Weitere Infos unter www.oscars.org

 Die Gewinner in den 24 Kategorien

  • Bester Film: „Shape of Water - Das Flüstern des Wassers“

  • Regie: Guillermo del Toro für „Shape of Water - Das Flüstern des Wassers“

  • Hauptdarsteller: Gary Oldman für „Die dunkelste Stunde“

  • Hauptdarstellerin: Frances McDormand für „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“

  • Nebendarstellerin: Allison Janney für „I, Tonya“

  • Nebendarsteller: Sam Rockwell für „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“

  • Nicht-englischsprachiger Film: „Eine fantastische Frau“ von Sebastián Lelio

  • Kamera: Roger A. Deakins für „Blade Runner 2049“

  • Original-Drehbuch: Jordan Peele für „Get Out“

  • Adaptiertes Drehbuch: James Ivory für „Call Me by Your Name“

  • Schnitt: Lee Smith für „Dunkirk“

  • Filmmusik: Alexandre Desplat für „Shape of Water - Das Flüstern des Wassers“

  • Filmsong: „Remember Me“ aus dem Film „Coco“

  • Produktionsdesign: Paul Denham Austerberry (Production Design); Shane Vieau und Jeffrey A. Melvin (Set Decoration) für „Shape of Water - Das Flüstern des Wassers“

  • Tonschnitt: Richard King und Alex Gibson für „Dunkirk“

  • Tonmischung: Gregg Landaker, Gary A. Rizzo und Mark Weingarten für „Dunkirk“

  • Visuelle Effekte: Gerd Nefzer, John Nelson, Paul Lambert und Richard R. Hoover für „Blade Runner 2049“

  • Animationsfilm: „Coco“ von Lee Unkrich

  • Animations-Kurzfilm: „Dear Basketball“ von Glen Keane

  • Dokumentarfilm: „Icarus“ von Bryan Fogel

  • Dokumentar-Kurzfilm: „Heaven Is a Traffic Jam on the 405“ von Frank Stiefel

  • Make-up/Frisur: Kazuhiro Tsuji, David Malinowski und Lucy Sibbick für „Die dunkelste Stunde“

  • Kostümdesign: Mark Bridges für „Der seidene Faden“

  • Kurzfilm: „Silent Child“ von Chris Overton