Zu viel Experiment? - SWR macht Schluss mit Impro-"Tatort"

Aufmerksamkeit hatte der jüngste SWR-"Tatort" mit dem Titel "Waldlust", aber es setzte auch jede Menge Kritik ob der experimentellen Machart. Nun will's der SWR wieder etwas konservativer angehen.

Von teleschau - der mediendienst

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Grusel im "Tatort": Was zieht Doro Lorenz (Eva Bay) mitten in der Nacht zum Friedhof?   Foto: SWR / Martin Furch

Wenn es sein Ziel war, erneut zu polarisieren, dann hat es Axel Ranisch, der Regisseur des jüngsten "Tatort"-Experiments "Waldlust", erreicht: Im Nachklapp wurde über seinen weitgehend improvisatorischen Gruselkrimi aufs Heftigfste debattiert. Für einige Zuschauer war der Film ein Geniestreich, für die anderen - sie waren in den Sozialen Medien in der Überzahl - war er Schund. Um den aufgebrachten Teil der "Tatort"-Fans zu beruhigen, teilte der für die Produktion des Ludwigshafen-"Tatorts" mit Ulrike Folkerts als Kommissarin Lena Odenthal zuständige SWR nun mit, künftig auf Beiträge mit improvisierten Dialogen zu verzichten.

Wie schon bei der Episode "Babbeldasch" (2017) gab Ranischs Inszenierung nach einem Drehbuch von Autor Sönke Andresen den Schauspielern viel Freiraum, einfach mal drauflos zu plappern - mit der Folge, dass die Dialoge mithin wirkten wie in einer Dokusoap des Privatfernsehens. Die Einschaltquote stimmte allerdings: 8,23 Millionen Zuschauer schalteten am Sonntagabend ein.

"Wir schätzen die Arbeit von Axel Ranisch, und beide Filme hatten einen großen Gesprächswert. Am Ende entscheiden die Zuschauerinnen und Zuschauer, was gelungen ist und was nicht", ließ sich Manfred Hattendorf, SWR-Abteilungsleiter für Film und Planung, zitieren. "Der 'Tatort: Babbeldasch' hatte bei vielen Zuschauern durch den Einsatz von Laiendarstellern im Theatermilieu und dem Pfälzer Dialekt stark polarisiert", so Hattendorf. "Das war bei 'Waldlust' ganz anders. Keine Laien, kaum Dialekt, stattdessen Ermittlungen in einem von der Umwelt abgeschnittenen Hotel im verschneiten Schwarzwald: Das hat vielen Zuschauern und auch vielen Kritikern gefallen."

Axel Ranisch (34) gilt, wie auch dieser Film zeigte, nicht zu Unrecht als junger Wilder unter Deutschlands Regisseuren. Für "Waldlust" holte er einige seiner Lieblingsschauspieler zusammen. Der Experimental-Regisseur baute sogar seine Oma, Ruth Bickelhaupt (96), in das Geschehen ein. Dass die Chemie gestimmt hat, merkte man dem intensiven Stück an. Der Rest: nackter Wahnsinn. Aber warum nicht? - "Deutsche Fernsehunterhaltung muss mutig sein dürfen, auch auf die Gefahr hin, den Geschmack des Publikums zu verfehlen, sonst schlafen wir alle ein, im Geiste und vor dem Fernseher", sagte Ranisch mal.

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Hei, hei, hei, so eine Schneeballschlacht: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, rechts) und ihr Team (Peter Espeloer als Peter Becker, links, Lisa Bitter als Johanna Stern, zweite von links, und Annalena Schmidt als Frau Keller, dritte von links) hatten ein Teambildungsseminar unter der Ägide von Simon Fröhlich (Peter Trabner, zweiter von rechts) geplant. Aber es sollte anders kommen ...   Foto: SWR / Martin Furch
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Sie waren auch beim "Tatort" ein tolles Team: Axel Ranisch (34) baute seine Oma Ruth Bickelhaupt (96), in das Geschehen ein.   Foto: Matthias Nareyek/Getty Images
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Es begann humorvoll: Die Ortspolizisten Elli (Christina Große) und Jörn Brunner (Juergen Maurer) haben den Verdacht, dass man ihnen nicht das allerneueste Modell eines Radargeräts geliefert hat …   Foto: SWR / Martin Furch
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Freundlicher Empfang geht anders: Humpe (Heiko Pinkowski) war ganz offensichtlich nicht damit einverstanden, dass eine Gruppe von Polizisten als Gäste ins Haus kommt.   Foto: SWR / Martin Furch
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Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, links) und ihr Team haben einen Brief gefunden, der mit dem Mordfall von vor 27 Jahren zu tun haben könnte. Ella und Jörn Brunner (Juergen Maurer, Christina Grosse) sollen ihn zur Kriminaltechnik bringen.   Foto: SWR / Martin Furch
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Schwarzwald-Kettensägen-Massaker? Ganz so schlimm war es zum Glück dann doch nicht. In der morbiden Atmosphäre des Lorenzhofs fällt es allerdings schwer, bei Humpes (Heiko Pinkowski) blutiger Schürze nur an Metzgersarbeiten zu denken ...   Foto: SWR / Martin Furch
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Lena Odenthal hat merkwürdige Geräusche gehört und versucht im nächtlichen Hotel herauszufinden, was da los ist.   Foto: SWR / Martin Furch
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Johanna Stern (Lisa Bitter, rechts) ist in ihrem Hotelzimmer zusammengeschlagen worden. Sie kann ihren Kollegen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), Edith Keller (Annalena Schmidt) und Peter Becker (Peter Espeloer) genauso wenig sagen, wer es war, wie dem Ortspolizisten Jörn Brunner (Juergen Maurer) und dem Coach Simon Fröhlich (Peter Trabner, im Hintergrund).   Foto: SWR / Martin Furch
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Was ist hier los? - Auf dem Weg vom Friedhof zum Hotel hat Doro Lorenz (Eva Bay) das Gefühl, verfolgt zu werden ...   Foto: SWR / Martin Furch
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Ortspolizist Jörn Brunner (Juergen Mauerer) und Humpe (Heiko Pinkowski) sind alte Feinde.   Foto: SWR / Martin Furch
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Surreal? - Humpe (Heiko Pinkowski) ist ein großer Verehrer von Lieselotte Viardot (Ruth Bickelhaupt) und taucht mit ihr in die Vergangenheit ein.   Foto: SWR / Martin Furch
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Sie standen im Mittelpunkt des Falls: Humpe (Heiko Pinkowski) und seine Nichte Doro (Eva Bay) haben ein sehr enges Verhältnis zueinander.   Foto: SWR / Martin Furch
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Johanna (Lisa Bitter, links), Lena (Ulrike Folkerts) und Peter Becker (Peter Espeloer) besprechen in der Zurückgezogenheit des Hotelzimmers den Fund eines Menschenknöchleins im Essen und die seltsame Lage, in die sie geraten sind.   Foto: SWR / Martin Furch
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Nur nicht unterkriegen lassen: Frau Keller (Annalena Schmidt) nutzte das Wochenende für ausführliche Tai Chi-Übungen im Schnee.   Foto: SWR / Martin Furch
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Absurdes Horrortheater: Ein sehr seltsamer Auftritt von Humpe (Heiko Pinkowski) mit der betagten Diva Lilo Viardot (Ruth Bickelhaupt) irritierte das Ludwigshafener Team.   Foto: SWR / Martin Furch
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Absurdes Horrortheater: Ein sehr seltsamer Auftritt von Humpe (Heiko Pinkowski) mit der betagten Diva Lilo Viardot (Ruth Bickelhaupt) irritierte das Ludwigshafener Team.   Foto: SWR / Martin Furch