Sektfrühstück statt Dinnerparty

Statt abendlicher Feier gibt es bei diesem Geburtstag wohl eher Brunch mit Prickelbrause: Das "SAT.1-Frühstücksfernsehen" wird 30 Jahre alt.

Von Anke Waschneck

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Matthias Killing, Alina Merkau, Daniel Boschmann, Marlene Lufen, Karen Heinrichs und Christian Wackert (von links) feiern das 30-jährige Bestehen vom "SAT.1-Frühstücksfernsehen".  Foto: SAT.1 / Marc Rehbeck

Moderator Matthias Killing frühstückt für gewöhnlich ein Schokobrötchen, sein Moderatoren-Kollege Daniel Boschmann gibt sich mit einem "40-Cent-schmeckt-wie-aufgebrühtes-Katzenstreu-Kaffee ohne Milch aus dem Automaten" zufrieden. Obwohl die beiden fast täglich für das "SAT.1-Frühstücksfernsehen" arbeiten, ist ihre eigene morgendliche Ernährung kaum vorzeigbar. Das könnte aber auch daran liegen, dass die Wecker der Moderatoren gegen 3 Uhr klingeln und sie, während die Zuschauer gemütlich ihr Müsli oder Brötchen verspeisen, schon lange bei der Arbeit sitzen. Seit stolzen 30 Jahren präsentiert der Unterföhringer Sender seine Morgenshow täglich von Montag bis Freitag, zwischen 5.30 Uhr und 10.00 Uhr, viereinhalb Stunden live aus Berlin. Ab Montag, 2. Oktober, stehen insgesamt vier Ausgaben unter dem Jubiläumsmotto.

Alina Merkau, die ebenfalls zum aktuellen Moderatoren-Team gehört, war im Jahr 1987, als die Sendung erstmals unter dem Namen "Guten Morgen mit Sat.1" ausgestrahlt wurde, erst ein Jahr alt. Damals, am 1. Oktober, begrüßte Wolf-Dieter Herrmann die Zuschauer. Inzwischen hat das Frühstücksfernsehen schon mehr als 40 unterschiedliche Moderatoren gesehen, und neben Killing, Merkau und Boschmann stehen heute noch Christian Wackert, Karen Heinrichs und Marlene Lufen vor der Kamera.

Die morgendliche Show ist Infotainment im besten Sinne: Talkgäste, Expertenbeiträge, Ratgeber und Reportagen werden bunt gemixt - halbstündlich unterbrochen von kurz zusammengefassten Nachrichten. Die Gewichtung der Themenblöcke passte man mit der Zeit immer weiter an, das grobe Konzept war aber von Anfang an klar.

Und doch war das alles eine schwere Geburt. SAT.1 kündigte mit einer großen Werbekampagne 1987 sein Morgenmagazin an und wäre damit im deutschsprachigen Raum der erste Sender mit einer derartigen Show gewesen - in Ländern wie den USA oder dem Vereinigten Königreich gab es "Breakfast Television" schon seit Langem. Doch die Werbung blieb vom Konkurrenten RTL nicht unbemerkt, und kurzerhand zogen die Kölner ihre für Oktober geplante Show "Guten Morgen Deutschland" auf den 23. September vor. So knapp war's damals.

Heute können die Macher des "SAT.1-Frühstücksfernsehens", das in Berlin produziert wird, wohl eher entspannt auf die öffentlich-rechtliche Konkurrenz oder auch das RTL-Pendant schauen, denn sie verbuchen immer wieder Quoten-Erfolge. Der bisherige Jahresbestwert lag bei 18,5 Prozent Marktanteil bei den 14 bis 49-Jährigen, auch im letzten Jahr erzielte man ähnliche Werte. Die Samstagsausgaben, die zwischen 2007 und 2009 zu sehen waren, konnten sich nicht durchsetzten. Am Wochenende schlafen die Zuschauer vielleicht doch lieber aus. Unter der Woche dagegen umgibt sich das Publikum gerne mit der SAT.1-Wohnzimmeratmosphäre, die das Format so sehenswert macht. Wenn er etwa eine Ministerin zu Gast hätte, erklärt Matthias Killing, "dann würde ich mit ihr zum Beispiel gerne einen Apfelkuchen backen. Wir suchen immer nach dem anderen, den menschlichen Ansatz."

Die persönliche Seite der Stars und Moderatoren darzustellen, gelingt auch dank der Live-Übertragung. Hier gibt es keine Wiederholungen, jeder peinliche Moment, Stolperer und Versprecher wird gesendet - oder muss eben spontan überspielt werden, was mitunter auch Unterhaltungswert hat, wenn auch unfreiwillig. Boschmann lacht, man ließe "jeden Morgen das Chaos" zu. So kann es schon mal passieren, dass sich die Moderatoren beim Herumalbern versehentlich küssen und sich vor laufenden Kameras einem ausgiebigen Lachkrampf hingeben.

Nora Tschirner versuchte sich einst an einer Turnübung und fiel mit einem dumpfen Knall vom Sofa. Und Sänger Ed Sheeran bekam einen Teddybären geschenkt, weil die Redaktion dachte, er sammle sie. Als der 26-Jährige erklärt, dass es sich um einen Irrtum handelt, gerät Marlene Lufen in Erklärungsnot. Trotz der ein oder anderen unangenehmen Situation scheinen Weltstars wie Jackie Chan, Will Smith, Jennifer Aniston, Dwayne Johnson, aber auch deutsche Prominente immer wieder gerne auf der Couch bei SAT.1 Platz zu nehmen.

Auch Studiohund Lotte darf nicht unerwähnt bleiben, der seit 2008 Garant für Lacher ist. Die englische Bulldogge ist nicht der erste Vierbeiner, der hier Narrenfreiheit genießt. Lotte schleckte schon Bob Geldof beherzt Hals und Gesicht ab oder knabberte heimlich an Kim Wildes Torte. Übelnehmen kann ihr das wohl keiner, und Til Schweiger gab dereinst sogar zu: "Ich bin auch nur wegen Lotte wieder hierhergekommen."

Ob es das Frühstücksfernsehen in 30 Jahren noch gibt? Beim "60-jährigen Bestehen des Frühstücksfernsehens würde ich dann freiwillig zurücktreten", verkündet der 38-jährige Matthias Killing. Erst mal dürfen sich die Zuschauer nun aber auf vier feierliche Sendungen freuen. Für Montag, 2. Oktober, und die Sendungen zwischen Mittwoch, 4. Oktober und Freitag, 6. Oktober, hat sich das Team zur gewohnten Sendezeit etwas Besonderes ausgedacht. Die Reporter des "SAT.1-Frühstücksfernsehens" schalten sich zu ihren Kollegen in den unterschiedlichen Ländern, außerdem findet "Das große SAT.1-Frühstücksfernsehen-Quiz" mit Oliver Pocher statt.

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Das aktuelle Moderatoren-Team stößt wohl lieber beim Frühstück auf den 30. Geburtstag an.  Foto: SAT.1 / Marc Rehbeck
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Daniel Boschmann, Marlene Lufen, Christian Wackert, Karen Heinrichs (hinten von links), Matthias Killing und Alina Merkau sind täglich von 5.30 bis 10.00 Uhr im "SAT.1-Frühstücksfernsehen" zu sehen.  Foto: SAT.1 / Marc Rehbeck
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Christian Wackert ist seit 2016 Teil des Moderatoren-Teams.  Foto: SAT.1
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Auch Daniel Boschmann ist erst seit letztem Jahr Juni Moderator in der morgendlichen Show.  Foto: SAT.1/Claudius Pflug
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Alina Merkau moderiert seit 2014, meist an der Seite von Matthias Killing. Der verabschiedete sie auch rührend in die Babypause.  Foto: SAT.1/Claudius Pflug
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Matthias Killing dagegen ist schon ein alter Hase: Er moderiert seit 2009 das "SAT.1-Frühstücksfernsehen". Außerdem ist er noch als Sportmoderator tätig.  Foto: SAT.1/Claudius Pflug
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Anchorwoman Marlene Lufen schnupperte von 1997 bis 2000 schon einmal die "SAT.1-Frühstücksfernsehen"-Luft. Seit 2006 bis heute ist sie das Gesicht der Sendung.  Foto: SAT.1/Claudius Pflug
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Seit zehn Jahren steht Karen Heinrichs für das morgendliche Magazin vor der Kamera.  Foto: SAT.1/Claudius Pflug
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Ina Dietz moderiert die Nachrichten während des "SAT.1-Frühstücksfernsehens". Seit 13 Jahren ist sie nun Teil des Teams. Länger ist nur einer dabei...  Foto: SAT.1/Thorsten Eichhorst
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Martin Haas ist seit stolzen 26 Jahren Nachrichtensprecher. Damit stieg er nur vier Jahre nach Beginn der Sendung ein.  Foto: SAT.1/Davids
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Hoch die Tassen: Am 1. Oktober 1987 gehen Hans-Herrmann Gockel (links), Rita Werner und Wolf-Dieter Herrmann mit dem "SAT.1-Frühstücksfernsehen" auf Sendung.  Foto: SAT.1
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In den Anfangsjahren fand noch das Reaktionsspiel "Superball" statt, an dem die Zuschauer teilnehmen konnten.  Foto: SAT.1
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Ob er sich selbst noch an alle Auftritte erinnern kann? Matthias Schweighöfer (Mitte, mit Matthias Killing und Karen Heinrichs) war schon unzählige Male in der Morning-Show zu Gast.  Foto: SAT.1
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Da stiehlt Studiohund Lotte der Band Take That doch fast die Show.  Foto: SAT.1
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Matthias Killing gibt mit David Hasselhoff "Looking for Freedom" zum Besten.  Foto: SAT.1
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Brooklyn Decker (links), Jennifer Aniston und Adam Sandler statteten dem "SAT.1-Frühstücksfernsehen" ebenfalls einen Besuch ab.  Foto: SAT.1
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Sir Bob Geldof bekam eine feuchte Begrüßung von seinem größten Fan: Studiohund Lotte.  Foto: SAT.1
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Seit 2008 ist Lotte im Studio in Berlin so gut wie zu Hause. Während ihr Herrchen Stefan hinter der Kamera arbeitet, treibt die englische Bulldogge vor der Kamera ihr Unwesen.  Foto: SAT.1
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Russell Brand hatte gegen Lotte keine Chance. Sein Geschenk, eine Vuvuzela, gefiel dem Vierbeiner einfach zu gut.  Foto: SAT.1/Ingo Gauss