Giftiges Geld

Geld regiert die Welt: In der modernen Adaption von Schillers "Räuber" ziehen sich zwei Brüder über den Tisch. Und Maximilian Schell glänzt in seiner letzten Rolle.

Von Heidi Reutter

Die Räuber - Do. 11.01 - ARTE: 23.05 Uhr
Karl (Éric Caravaca) saß unschuldig im Gefängnis und sinnt auf Rache.   Foto: ARTE / Coin Film / François Fabert

"Die Räuber" von Friedrich Schiller ist ein Opus Magnus der deutschen Sturm- und Drang-Dramatik. Unzählige Generationen von angehenden Abiturienten mühten sich durch den Literaturklassiker, in dem es um zwei rivalisierende Brüder geht, die um die Gunst des Vaters buhlen. Das Luxemburger Regie-Duo Frank Hoffmann und Pol Cruchten adaptierte 2012 das fast 240 Jahre alte Theaterstück für die Leinwand und versah es dafür mit aktueller Relevanz: Die Söhne sind beide Banker, die in einer Mischung aus Größenwahn und Selbstgerechtigkeit über Leichen gehen. ARTE zeigt "Die Räuber" nun in deutscher Erstausstrahlung.

Drei lange Jahre saß Karl Escher (Éric Caravaca) im Gefängnis, weil er für seinen Vater (der 2014 verstorbene Maximilian Schell in seiner letzten Rolle), den gestandenen Großbankier Escher, den Kopf hinhalten musste. Es ging um dubiose Geldgeschäfte, um Urkundenfälschung und anders gearteten Betrug. In seiner Abwesenheit hat sich sein Bruder Franz (Robinson Stévenin), der eigentliche Betrüger, im Familienunternehmen breit gemacht und leitet inzwischen die Geschäfte. Karl will jetzt nur eins: Rache.

Seine geliebte Schwester Amalia (Isild Le Besco) ist die Einzige, die er darüber informiert, dass er Franz' illegalem Geschäftsgebaren ein Ende setzen will. Um zu beweisen, dass sein Bruder großspurig Geldwäsche betreibt, schreckt Karl nicht davor zurück, sich auf einen skrupellosen Gangsterboss (Tchécky Karyo) einzulassen, und dies nicht ohne Folgen ...

Es ist der brüderliche Zwist, der Konflikt zwischen zwei ungleichen Charakteren, die blutsverwandt und doch gänzlich entzweit sind, auf den sich dieser elegante und stilsichere Gesellschaftskrimi konzentriert. "Die Räuber" ist dabei - auch wenn er anfänglich mit einem Bankraub ordentlich in Fahrt kommt - kein Actionfilm, sondern vielmehr das dezidierte und fein skizzierte Psychogramm einer Banker-Familie, die ins Korrupte abdriftet und die eigenen Werte verrät. Insofern ist dieser Film durchaus als Kritik an einem fragwürdigen Milieu zu verstehen, in dem Geld die einzig relevante Währung ist.

Die beiden französischen Hauptdarsteller Éric Caravaca und Robinson Stévenin verkörpern ihre Rollen mit Bravour, ebenso wie Isild Le Besco als hin und her gerissene Schwester. Nicht zu vergessen Maximilian Schell: Auch wenn seine Leinwandpräsenz etwas atemlos ist, ist dieser Film allein schon seinetwegen sehenswert. Der große Kino-Patron Schell in seiner letzten, gleichwohl dramatischen Rolle! Auffällig und besonders gelungen ist die Auswahl der Musik von Michael Rother, die diesem ambitionierten Kinostück im Zusammenspiel mit der Bildsprache die betörende Atmosphäre eines Film noir verleiht. Und der hat eine eher hoffnungslose Erkenntnis: Am Ende sind wir alle Gefangene - nur dass das eine Gefängnis komfortabler ist als das andere.

Name der Sendung Die Räuber
Sendedatum 11.01.2018
Sender ARTE
Sendezeit 23:05:00
Genre Drama

Filmbewertung überzeugend
Genre Drama
Filmname Die Räuber
Originaltitel Les Brigands
Regisseur Frank Hoffmann, Pol Cruchten
Schauspieler Eric Caravaca
Schauspieler Robinson Stévenin
Schauspieler Maximilian Schell
Entstehungszeitraum 2014
Land L / D / B

Die Räuber - Do. 11.01 - ARTE: 23.05 Uhr
Halt gibt das Champagner-Glas: Amalia (Isild Le Besco) spielt die ahnungslose Schwester.   Foto: ARTE / Coin Film / François Fabert
Die Räuber - Do. 11.01 - ARTE: 23.05 Uhr
Auf der Suche nach dem verlorenen Sohn: Bankier Escher (Maximilian Schell).   Foto: ARTE / Coin Film / François Fabert
Die Räuber - Do. 11.01 - ARTE: 23.05 Uhr
Hat Franz Escher (Robinson Stévenin) seinen Bruder ins Gefängnis gebracht?   Foto: ARTE / Coin Film / François Fabert
Die Räuber - Do. 11.01 - ARTE: 23.05 Uhr
Henry Coisson (Wolfram Koch) will Amalia (Isild Le Besco) von einer Fusion überzeugen.   Foto: ARTE / Coin Film / François Fabert