"Ich weiß nicht, ob den Menschen bewusst ist, was sie verlieren können"

Anja Reschke spricht sich deutlich für eine klare Meinungsäußerung im journalistischen Schaffen aus.

Von teleschau - der mediendienst

Anja Reschke
Scharfzüngig, wie man sie kennt: NDR-Journalistin Anja Reschke spricht sich für eine Haltung im deutschen Journalismus aus und kritisiert den "Kompromissjournalismus".   Foto: ARD / Oliver Blaum

"Es gibt keinen Kompromissjournalismus, um alle Meinungen zu bedienen. Es gibt nur Journalismus": In einem Interview mit dem Branchenmagazin "journalist" fand ARD-Moderatorin Anja Reschke nun einmal mehr klare Worte. Der "Wert von freier, unabhängiger Presse" dürfe im Zuge der "Lügenpresse"-Vorwürfe nicht verunglimpft werden. Dazu sagt sie: "Ich weiß nicht, ob den Menschen bewusst ist, was sie verlieren können."

Journalisten dürften sich ihrer Meinung nach nicht "unter einem Pseudo-Neutralitätsmäntelchen" verstecken. Sie fordert ihre Kollegen auf, "Mut zur Ehrlichkeit, zur Transparenz, auch was die Herkunft von Informationen betrifft" zu zeigen. Doch um was es ihr vor allem geht, seien Haltung, Rückgrat und eine Meinung. Reschke befürwortet eine klare Positionierung von Journalisten bei ihrer täglichen Arbeit - auch wenn und gerade weil man damit aneckt.

Wenn es nach der "Panorama"-Chefin geht, dann sollten Journalisten zwar weiterhin kritisch mit sich und ihrem Job umgehen, aber nicht dem Fehlglauben anheimfallen, dass man als Journalist ständig Kompromisse eingehen müsse, um niemandem auf den Schlips zu treten: "Journalismus ist nicht dazu da, die Meinung der Rezipienten zu bedienen. Wo soll das hinführen?"

Die ARD-Journalistin sieht die Ursache dieser Zurückhaltung in der allgemein schwierigen politischen Lage, die unter anderem vom Rechtsruck und der Fake-News-Debatte geprägt ist. Sie betont, dass die Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik ein schützenswertes Gut ist. Vielen Menschen sei gar nicht bewusst, wie zentral die freie Meinungsäußerung für eine demokratische Teilhabe ist. Reschke ist bekannt dafür, ihre eigene Meinung klar und deutlich zu vertreten. Erst kürzlich sorgte ihre Kritik am Deutschen Fernsehpreis, dem sie Sexismus attestierte, für Aufsehen.

Moderatorin Anja Reschke

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"Nicht nur sexistisch, sondern auch rassistisch", fand Reschke eine Tanzaufführung beim Deutschen Fernsehpreis. Diese stellte zwar eine Hommage an "Babylon Berlin" dar, dürfte aber in Zeiten einer neuen, aktuellen Debatte über Sexismus sicherlich nicht optimal platziert gewesen sein.   Foto: NDR / Thomas Pritschet
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Der Song "Zu Asche, zu Staub" aus der Serie "Babylon Berlin" (Szenenfoto) bekam eine Live-Performance beim Deutschen Fernsehpreis. Anja Reschke fand die historisch einzuordnende Tanzdarbietung in Zeiten des Protests gegen Sexismus befremdlich.   Foto: Frédéric Batier / X Filme 2017
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Bereits vor einiger Zeit machte Anja Reschke bei einer Foto-Kampagne zum Thema demokratische Werte mit. Auch hier vertrat sie schon die Position wie nun im aktuellen Interview: Im Journalismus und ganz allgemein sollte man immer Haltung zeigen.   Foto: Steffi Henn
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Um keine Kritik verlegen: Anja Reschke beweist mit ihren Äußerungen stets Haltung - selbige fordert sie von ihren Kolleginnen und Kollegen.   Foto: Alexander Koerner/Getty Images for GUJ
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Dass das Grundrecht der freien Meinungsäußerung eines der höchsten Güter in unserer Demokratie ist, machte Anja Reschke aktuell in einem Interview wieder deutlich.   Foto: Alexander Koerner/Getty Images
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In Zeiten des politischen Wandels sei eine klare Haltung im Journalismus unabdingbar, so Panorama-Chefin Anja Reschke.   Foto: Christian Augustin/Getty Images
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Mit ihren deutlichen Positionen eckt sie auch gerne mal an: Anja Reschke ist eine unabhängige und integre Journalistin mit Rückgrat. Ihr Leitmotiv: "Es gibt keinen Kompromissjournalismus. Es gibt nur Journalismus."   Foto: Oliver Hardt/Getty Images