"Dummheit, Feigheit und fachliche Inkompetenz": Scharfe Kritik am Echo

Peter Maffay hat sich in die Diskussion um den diesjährigen Echo eingeschaltet. Der Musiker erhebt schwere Vorwürfe - und fordert den Rücktritt der Verantwortlichen.

Von teleschau - der mediendienst

Peter Maffay
In einem Statement fordert Peter Maffay den Rücktritt der Echo-Verantwortlichen.   Foto: Andreas Rentz / Getty Images

Nachdem bereits Künstler wie Ehrenpreisträger Klaus Voormann und die Musiker des Notos Quartett ihre Echo-Auszeichnung aus Protest zurückgegeben haben, schaltete sich nun auch Peter Maffay (68) in die Diskussion um die umstrittene Verleihung ein. "Du hast mit der Ankündigung, Deinen Lebenswerk-Echo zurückzugeben, ein unübersehbares Zeichen gesetzt", schreibt Maffay auf Facebook in Richtung Voormann. "Unser vollster Respekt dafür." In einem weiteren Post bezeichnet Maffay die Verleihung als "Ohrfeige für das demokratische Verständnis in unserem Land" und spricht von einer "Mischung aus Dummheit, Feigheit und fachlicher Inkompetenz".

Bei der Echo-Verleihung am vergangenen Donnerstag waren die beiden Rapper Kollegah und Farid in der Kategorie "Hip-Hop/Urban national" für ihr gemeinsames Album "Jung, brutal, gutaussehend 3" ausgezeichnet worden. Auf der Platte finden sich die antisemitisch anmutenden Textzeilen "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Schon die Nominierung der beiden Musiker hatte im Vorfeld Empörung ausgelöst. Während der Show bezog lediglich Tote-Hosen-Frontmann Campino Stellung gegen die Auszeichnung.

"Zur Tagesordnung jetzt überzugehen, geht nicht. Es muss eine Aufarbeitung geben", schreibt Maffay nun. "Rassismus und Gewaltverherrlichung haben in unserem Staat, gerade vor dem Hintergrund unserer Geschichte, nichts verloren, genauso wenig und erst recht nicht in der Kunst. Diejenigen, die das missachten, verdienen Null Toleranz." Kritik übt Maffay in seinem Statement auch am Sender VOX, der alljährlich die Echo-Verleihung ausstrahlt. "Tatsache ist, dass der Echo zu einem Vermarktungsmodell des Senders VOX verkommen ist. Das Regelwerk - also die Statuten und Auswahlkriterien - wurde diesem Geschäftsmodell angepasst, zum Vorteil der Initiatoren. Denn: Es geht um Geld, um Marktanteile und um Selbstdarstellung." Aus dem Echo-Skandal fordert Maffay nun Konsequenzen: "Die Verantwortlichen nehmen ihren Hut, und an ihre Stelle treten glaubhafte Personen, die für die Zukunft die nötige Transparenz garantieren."

Maffay ist selbst mehrfacher Echo-Preisträger. Zuletzt erhielt er den Preis 2014 in der Kategorie "Soziales Engagement".

Musiker Peter Maffay

Peter Maffay
Der legendäre Grafiker und Bassist Klaus Voormann (links) erhielt einen Echo fürs Lebenswerk. BAP-Sänger Wolfgang Niedecken durfte ihm die Trophäe überreichen. Behalten will Voormann seinen Echo nicht.   Foto: Andreas Rentz/Getty Images
Peter Maffay
Auch das Notos Quartett will nicht mehr Echo-Preisträger sein: Aus Protest gegen die Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang gaben die Klassik-Stars ihre Trophäe aus dem vergangenen Jahr zurück.   Foto: Uwe Arens
Peter Maffay
Es hatte große Kritik an ihrer Nominierung gegeben, am Ende durften die Rapper Farid Bang (links) und Kollegah dennoch mit einem Echo nach Hause gehen.   Foto: Andreas Rentz/Getty Images
Peter Maffay
Nachdem Campino sich zuvor geringschätzig über ihn und seinen Rapper-Kollegen Farid Bang geäußert hatte, revanchierte sich Kollegah mit einer Campino-Karikatur.   Foto: Andreas Rentz/Getty Images
Peter Maffay
Campino (Die Toten Hosen) gehörte zu den wenigen Anwesenden bei der Echo-Verleihung, die sich überhaupt zur Kontroverse um Kollegah und Farid Bang äußerten. Er sprach von "Grenzen" und erklärte: "Wir sollten keinen tieferen Sinn suchen, wo es keinen gibt."   Foto: Andreas Rentz/Getty Images
Peter Maffay
"Dass am Holocaust-Gedenktag ein solcher Preis verliehen wird, ist beschämend", schrieb Bundesaußenminister Heiko Maas auf Twitter.   Foto: Michele Tantussi/Getty Images
Peter Maffay
"Dass der Echo diese beiden 'Künstler' am Holocaust-Gedenktag auftreten lässt, ist an Zynismus und Rohheit nicht zu übertreffen", echauffierte sich der jüdische Comedian Oliver Polak.   Foto: Andreas Rentz/Getty Images
Peter Maffay
Seriensiegerin beim Echo: Helene Fischer war in der Schlager-Kategorie wieder nicht zu schlagen.   Foto: Andreas Rentz/Getty Images
Peter Maffay
Mark Forster wurde in der Kategorie "Künstler Pop National" ausgezeichnet. Bei VOX präsentiert der Sänger demnächst die neue Staffel der Musikshow "Sing meinen Song".   Foto: Andreas Rentz/Getty Images
Peter Maffay
Newcomer des Jahres? Laut Echo-Jury ist das Wincent Weiss. Der 25-Jährige bedankte sich artig für die Auszeichnung.   Foto: Andreas Rentz/Getty Images
Peter Maffay
Alice Merton untermauerte auf der Bühne, warum sie als beste nationale Pop-Künstlerin des Jahres ausgezeichnet wurde.   Foto: Andreas Rentz/Getty Images
Peter Maffay
Sehen und gesehen werden: Auch darum geht's beim Echo. Sarah Lombardi präsentierte auf dem roten Teppich ihren neuen Look.   Foto: Andreas Rentz/Getty Images
Peter Maffay
Aus Quotensicht lief die Echo-Übertragung für den Sender VOX erfreulicher als die Ausgabe des vergangenen Jahres: 1,79 Millionen Zuschauer schalteten ein. 2017 interessierten sich nur 1,28 Millionen TV-Zuschauer für den Gala-Abend.   Foto: Andreas Rentz/Getty Images