"Die Fernsehbranche hat nichts zu sagen"

Sexistisch, rassistisch und ohne Haltung: Anja Reschke lässt am Deutschen Fernsehpreis kein gutes Haar.

Von teleschau - der mediendienst

Anja Reschke
Die scharfzüngige NDR-Journalistin Anja Reschke ließ im Medienmagazin "Zapp" kein gutes Haar am Deutschen Fernsehpreis.   Foto: ARD / Oliver Blaum

Anja Reschke, bekannt als Moderatorin der NDR-Magazine "Panorama" und "Zapp", hat am Mittwochabend das getan, was der ein oder andere als "Nestbeschmutzung" bezeichnen würde. Die 1972 geborene Journalistin kritisierte im Medienmagazin "Zapp" den Deutschen Fernsehpreis aufs Heftigste.

Reschke warf der am vergangenen Freitag ohne TV-Übertragung über die Bühne gegangenen Veranstaltung Sexismus, Rassismus und mangelnde Haltung vor. "Allen also, die sich beschwert haben, dass ausgerechnet der Deutsche Fernsehpreis nicht im Fernsehen übertragen wird", resümierte Reschke in "Zapp", "kann ich nur sagen: Seien Sie froh! Die Fernsehbranche hat nichts zu sagen."

Zunächst mokierte sich Reschke über eine Tanz- und Musikperformance aus der vierfach ausgezeichneten Serie "Babylon Berlin". Im Stil einer opulenten 20er-Jahre-Revue agierten zum Song des Films, "Zu Asche, zu Staub", auch zwei farbige Tänzerinnen, deren Brüste nur knapp bedeckt waren. Reschke, die allerdings nach eigener Auskunft die Serie nicht kennt, betonte den Kontrast zu amerikanischen Golden Globe-Verleihung, bei der die meisten Frauen in Schwarz kamen, um gegen sexuelle Übergriffigkeit im Showbusiness zu demonstrieren. "Nicht nur sexistisch, sondern auch rassistisch", urteilte Reschke über den Tanz.

Auch die Tatsache, dass die meisten Preisträger des Deutschen Fernsehpreises 2018 männlich seien, wurde von ihr angeprangert. In der Tat gab es in jenen Kategorien, bei denen Männer und Frauen gleichermaßen nominiert werden können, nur einen weiblichen Sieger: Marietta Slomka setzte sich gegen ihre Kolleginnen Caren Miosga und Dunja Hayali in der Kategorie "Beste Moderation /Einzelleistung Information" durch. Kategorien wie Regie, Drehbuch, Schnitt, Unterhaltung und Musik dominierten in der Tat die Männer.

Journalistin Anja Reschke

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"Nicht nur sexistisch, sondern auch rassistisch", fand Reschke eine Tanzaufführung beim Deutschen Fernsehpreis. Dabei war ihr jedoch entgangen, dass das Ganze eine Hommage an "Babylon Berlin" war.   Foto: NDR / Thomas Pritschet
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Der Song "Zu Asche, zu Staub" aus der Serie "Babylon Berlin" (Szenenfoto) bekam eine Live-Performance beim Deutschen Fernsehpreis. Anja Reschke fand die historisch einzuordnende Tanzdarbietung in Zeiten des Protests gegen Sexismus befremdlich.   Foto: Frédéric Batier / X Filme 2017
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Diese Männer geben in Sachen Serie den Ton an: Achim von Borries (links) und Tom Tykwer, die kreativen Köpfe hinter "Babylon Berlin".   Foto: Andreas Rentz/Getty Images
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Eine der wenigen weiblichen Preisgekürten des Abends: Mariette Slomka gewann den Deutschen Fernsehpreis.   Foto: Andreas Rentz/Getty Images
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Comedy ist in Deutschland zumeist männlich: Abdelkarim freute sich über seine Trophäe.   Foto: Andreas Rentz/Getty Images
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Hauptdarsteller Edin Hasanovic (vorne) freut sich mit Cast und Crew des Zweiteilers "Brüder" über den Deutschen Fernsehpreis. Die Gala ging ohne TV-Übertragung in Köln über die Bühne.   Foto: Andreas Rentz/Getty Images
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Die Serie "4 Blocks" gehört ebenfalls zu den Gewinnern des Abends.   Foto: Andreas Rentz/Getty Images
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Auch "The Voice of Germany" wurde mit einem Fernsehpreis bedacht. Moderator Thore Schoelermann (links) und Mark Forster (Mitte) jubelten.   Foto: Andreas Rentz/Getty Images