Was ist das? Das ist DAF!

DAF schrieben nicht nur Songs, sondern auch Musikgeschichte. Die Sammler-Box "Das ist DAF" trägt nun das gesamte Vermächtnis zusammen.

Von Michael Eichhammer

DAF: Das ist DAF
DAF - Das ist DAF  Foto: 2017 Groenland / Rough Trade

Das Akronym DAF steht für Deutsch Amerikanische Freundschaft, doch eigentlich kommen die Musiker aus Wuppertal und Düsseldorf und haben mit den USA nicht viel zu tun. Sie sorgten während der Hochphase der Neuen Deutschen Welle für Furore und gelten als Wegbereiter für Stile wie EBM und Techno. Zu ihren Fans gehören internationale Acts wie Eurythmics und Depeche Mode. Die Sammler-Box "Das ist DAF" weckt bei Fans süße Erinnerungen und erklärt aufgeschlossenen Neuentdeckern, was das Besondere an diesem deutschen Pop-Phänomen war.

"Klatsch in die Hände, und tanz den Jesus Christus, und jetzt den Mussolini, und jetzt den Adolf Hitler" - 1981 sorgten diese Zeilen aus "Tanz den Mussolini" für große Irritationen. Vor allem unter konservativen Musikkritikern und besorgten Eltern, die diesem DAF-Kram nicht recht trauten. Fans der Band dagegen blickten hinter die Fassade der Provokation, die zu großen Teilen aus Reizwörtern und teutonisch-monotoner Elektronikmarschmusik bestand. Sie identifizierten die DAF-Musiker als Dichter und Denker. Es ging um den Reiz jugendlichen Leichtsinns, um ein kunstvolles Spiel mit Konventionen und ganz nebenbei darum, etwas wirklich Neues in der Musiklandschaft zu erschaffen.

Während "Tanz den Mussolini" mit Tabu-Buzzwords wie "Hitler" spielte, jonglierte "Der Räuber und der Prinz" mit homoerotischen Motiven. Also was nun: Faschismus oder Gay Fetish? Ästhetisch und akustisch verunsicherte DAF viele Hörer, und die Musiker um Robert Görl und Gabi Delgado-López hatten eine diebische Freude an den wilden Spekulationen, die ihre Provokationen auslösten. Später stellten sie klar, dass sie "einfach zu lustvoll für Faschisten" seien.

Die Punk-geprägten, herausfordernden Texte waren stets kennzeichnend, doch mindestens ebenso wichtig war die Eigenständigkeit der Musik, die oft klang, als würden sexy Menschmaschinen mit Springerstiefeln Ohrwürmer zertrampeln. Statt Melodien zu komponieren, produzierte DAF kraftvolle Körpermusik. Doch durfte man den Minimalismus der Band nie mit Dilettantismus verwechseln: Robert Görl etwa, gewissermaßen der Klangingenieur der Band, wurde in Augsburg und Graz auf dem Konservatorium in Klassik und Jazz ausgebildet.

"Wir wollten etwas ganz Neues erschaffen, wir wollten so klingen wie vor uns niemand sonst", erinnert sich Robert Görl. Gerade die Sturm-und-Drang-Phase der 1979 gegründeten Combo DAF wirkte sich nachhaltig auf die Musikwelt aus. Während der Neuen Deutschen Welle gehörten Gabi Delgado-López (Gesang und Text) und Robert Görl (Schlagzeug und Elektronik) mit ihrem finsteren Sprechgesang und den eintönig-eingängigen Sequenzer-Rhythmen zu den düstersten Vertretern der Szene. Später galten sie als Wegbereiter von ganzen Genres - von EBM (Electronic Body Music) à la Front 242 bis zu Electro-Punk und Techno.

"Verschwende deine Jugend", hieß eine DAF-Hymne, und die Musiker beherzigten ihren eigenen Rat mit großer Leidenschaft. Auf den Höhenrausch der ersten Alben folgte jedoch eine lange Sendepause. Die "Freundschaft" wurde 20 Jahre lang auf Eis gelegt. Delgado arbeitete an anderen Projekten (unter anderem DAF/DOS mit Schauspieler Wotan Wilke-Möhring), Görl versuchte, sich vom Exzess der wilden Jahre zu erholen, und fand zum Buddhismus, ehe es 2008 zur DAF-Reunion kam.

Ein akustisches Zeugnis der großen Anfangszeit und eine imposante Beweissammlung für die musikhistorische Bedeutung von DAF stellt die umfassende neue Box "Das ist DAF" dar, die am 29. September bei Herbert Grönemeyers Label Grönland Records erscheint. Enthalten sind die vier einflussreichen Alben "Die Kleinen und die Bösen" (1980), "Alles ist gut" (1981), "Gold und Liebe" (1981) sowie "Für immer" (1982).

Dass DAF weiterlebt, zeigt schließlich das ebenfalls in der Sammlerbox enthaltene "Reworks"-Album. Hier erwarten den Hörer Neuinterpretationen diverser Hits, etwa ein Boys-Noize-Remix von "Als wär's das letzte Mal" sowie neue Versionen von "Der Mussolini" (von Giorgio Moroder und Denis Naidanow) und "Sato-Sato" (Westbam). Die Vinyl-Variante der Box bietet außerdem eine Platte mit Maxi-Fassungen sowie die neuen Tracks "Sprache der Liebe" und "Ich bin nicht da".

Was DAF-Fans jenseits der Werkschau außerdem interessieren dürfte: Gerade startete der Kinofilm "Conny Plank - The Potential of Noise", der viel über die Zusammenarbeit von DAF und Produzent Conny Plane (Ultravox, Euryhtmics) erzählt. Zudem erscheint am 1. Oktober die von Robert Görl und Gabi Delgado-López autorisierte Band-Biografie "Das ist DAF".

DAF auf Tour:

30.09.2017 Berlin, Astra Kulturhaus (mit Prada Meinhoff)

22.10.2017 Freiburg, Café Atlantik

11.11.2017 Hamburg, Markthalle

02.12.2017 Wien, Grelle Forelle

Bewertung ausgezeichnet
CD-Titel Das ist DAF
Bandname/Interpret DAF
Genre Neue Deutsche Welle/Elektropunk
Erhältlich ab 29.09.2017
Label Grönland
Vertrieb Rough Trade

DAF: Das ist DAF
Gabi Delgado-López (links) und Robert Görl haben nicht nur Songs geschrieben, sondern Musikgeschichte.  Foto: Ilse Ruppert
DAF: Das ist DAF
Die frühen Jahre: DAF waren von Anfang an anders.  Foto: Sheila Rock
DAF: Das ist DAF
Modestadt Düsseldorf? Fest steht: Gabi Delgado-López (rechts) und Robert Görl hatten Outfit-technisch schon immer das Zeug zu internationalen Stars.  Foto: Sabine Raef
DAF: Das ist DAF
Die "Das ist DAF"-Box präsentiert sich als umfassende Werkschau.  Foto: 2017 Groenland / Rough Trade