Viel gewagt, viel gewonnen

Zum vierten Mal derselbe Retro-Quark? Nein, mit ihrem neuen Album "Desire" treten Hurts in eine neue kreative Phase ein.

Von Katja Schwemmers

Hurts: Desire
Hurts - Desire  Foto: 2017 Sony Music

Ist es wirklich schon sieben Jahre her, dass Hurts "Wonderful Life" veröffentlichten, den Song, mit dem sie den Durchbruch schafften? Damals waren Theo Hutchcraft und Adam Anderson, die beiden Herren mit den gut gezogenen Scheiteln, sofort Everybody's Darling; ihre drei bisher erschienenen Alben landeten hierzulande alle unter den Top Ten der Charts. Wobei der Hype um Hurts doch spürbar nachgelassen hat. Vielleicht ist ihre Kollaboration mit Dance-DJ Calvin Harris daran Schuld, vielleicht liegt es auch einfach daran, dass die letzten zwei Langspieler nichts Neues präsentierten. Das ändert sich nun mit "Desire", ihrem vierten und bisher besten Album.

Das Synthpop-Duo aus Manchester hatte nur eine Chance und hat sie genutzt: den Angriff nach vorne nämlich. Viel mutiger sind sie diesmal ans Werk gegangen. Das fängt schon beim Video zur Vorab-Single "Beautiful Ones" an, für das Sänger Hutchcraft in die Rolle einer Drag-Queen schlüpfte, die von schwulenfeindlichen Disco-Besuchern brutal vermöbelt wird. Ein starkes Statement gegen Homophobie und Mobbing. Und ein tolles Stück Musik.

Auf "Desire" machen Hurts Elektropop, der Herzen zum Schmelzen und Hüften zum Tanzen bringt. Und sie haben diesmal jede Menge tolle, aufmunternde Melodien komponiert. Der zweifellos spannendste Song dabei ist "Boyfriend" - so etwas wie eine Prince-Hommage, für die Hutchcraft sogar sein Falsett bemüht.

"Spotlight" mutet indes an wie ein altes Stück Showmusik, allerdings eins mit einem mächtig coolen Beat. "Chaperone", ein Liebeslied, das mit Andersons Piano-Geklimper, Fingerschnipsen und Theos Vocoder-verzerrter Stimme aufwartet, ist eine State-Of-The-Art-Produktion und vielleicht das modernste Stück Musik, das Hurts je hervorgebracht haben. Mit "Thinking Of You" zeigen sie schließlich, wie gut ihnen ein schneller Rhythmus steht. Theos "You-uh-uh-uh-uh" ist unwahrscheinlich catchy - der Song gäbe zweifellos eine sehr brauchbare Single ab. Offenbar sind Hurts aus ihrer Lethargie erwacht. In jedem Fall haben sie die Düsterkeit aus ihren Songs verbannt und zeigen, dass sie viel mehr können als nur 80er-Jahre-Retropop. Welcome back, Boys!

Bewertung überzeugend
CD-Titel Desire
Bandname/Interpret Hurts
Genre Pop
Erhältlich ab 29.09.2017
Label Sony
Vertrieb Sony

Hurts: Desire
Theo Hutchcraft (links) und Adam Anderson haben ihren Hurts-Sound grundlegend überarbeitet.  Foto: 2017 Bryan Adams / Sony Music