Ein süßer Hauch von Nichts

Das ist alles andere als nichts! Auch wenn der Titel "Niente" anderes suggeriert: Mit ihrem neuen Album beweisen Wanda, dass manchmal tatsächlich aller guten Dinge drei sind.

Von Michael Eichhammer

Wanda: Niente
Wanda - Niente  Foto: Universal Music

Dem italienischen Albumtitel "Niente" zum Trotz: Junge Römer sind sie nicht, sondern Österreicher. Aber das weiß mittlerweile jeder. Wanda sind in den deutschsprachigen Pop-Olymp aufgestiegen. Und wer aus Österreich kommt und sich musizierend auf eine Bühne und vor ein Mikrofon stellt, muss sich immer einen Vergleich gefallen lassen - zum Beispiel den mit Falco. Der war schließlich der einzige internationale Popstar, den die Alpenrepublik bis dato hervorgebracht hat. Stilistisch könnten sie nicht verschiedener sein. Doch genau das, was Falco zum Popstar gemacht hat, katapultierte auch Wanda nach ganz oben: zum einen die zur Schau gestellte Lässigkeit, zum anderen das lustvolle Stürzen und Abstürzen ins pralle Menschenleben.

Ob Wein, Weiber oder Gesang - die Hauptsache ist, dass man das Leben intensiv spürt. Diese Emotionalität hört man auch dem neuen Album an. Beispielsweise, wenn Bandkopf Marco Michael Wanda sich inbrünstig die Seele aus dem Leib plärrt: "Ich gebe alles auf für das einzige Mal!" "Das Ende der Kindheit" heißt der dazugehörige Song, und darum geht's auch in anderen "Niente"-Tracks. So behandelt der sphärisch-melancholische Song "0043" eine "traurig schöne Kindheit in 0043" (Vorwahl von Österreich). Im schnörkellos simplen Ohrwurm "Einfacher Bua" singt Wanda: "Besser mit Traum als ohne Traum nach Hause gehen".

Musikalisch oszillieren Wanda auf "Niente" zwischen Stadion-Rock-Hymnen ("Weiter Weiter"), dahingerotzter Coolness ("Café Kreisky") und minimalistischem, eingängigem Indie-Pop ("Wenn du schläfst"). In ihren besten Momenten klingt diese Platte so kaltschnäuzig lässig und luftig, dass sich der Verdacht aufdrängt, der Rock'n'Roll muss in Wien erfunden worden sein. Der vielzitierte Wiener Schmäh und der für die Stadt und ihre Bewohner typische Hang zum Morbiden dürfen natürlich auch diesmal nicht fehlen. Wanda spielen in "Ein letztes Wienerlied" selbst mit diesen Klischees. Da heißt es: "Lieber guter Himmelsvater, einmal möchte ich noch im Prater fahren mit der Grottenbahn und möchte am Ringelspiel mich drehen, möchte die Wiener Madeln sehen". Doch genau in dem Moment, in dem man der sentimentalen Attitüde auf den Leim gehen will, schiebt Wanda augenzwinkernd nach: "Gott wie deppert seid ihr Wiener? Coney Island ist viel wärmer."

Auf "Niente" perfektionieren Wanda ihren Stil. Mal schunkeln mit Tränen in den Augen, mal Lachen im Angesicht des Untergangs. Und manchmal, wie im Song "Ich sterbe" eben auch mal Selbstmitleid galore, angenehm in Zuckerwatte gepackt mit süßen Melodien. "Mein Herz aus Marzipan fängt zu brennen an." Das ist eines der wesentlichen Alleinstellungsmerkmal von Wanda: Selbst in den melancholischten Momenten siegt nie die Resignation. Vielleicht liegt das ja daran, dass in Marco Michael Wandas Genen neben dem Wienerischen mütterlicherseits auch ein wenig italienische Lässigkeit und eine Prise Kölsche Frohnatur verwurzelt sind. Im Song "Schottenring" sing er: "Sommer wird vorbei sein bald, es wird wieder früher kalt." Für ein bisschen Herzenswärme gegen den kalten Oktober sorgt "Niente". Mit "Lascia mi fare" ist sogar ein Track mit halb-italienischem Text dabei. Bravo!

Wanda auf Tournee:

12.03.2018, Würzburg, Posthalle

13.03.2018, Wiesbaden, Schlachthof

15.03.2018, Hannover, Capitol

16.03.2018, Köln, Palladium

17.03.2018, Berlin, Max-Schmeling-Halle

20.03.2018, München, Zenith

21.03.2018, Dortmund, Phoenixhalle

23.03.2018, Lingen, Emsland Arena

24.03.2018, Hamburg, Sporthalle

03.04.2018, Fürth, Stadthalle

04.04.2018, Stuttgart, Beethoven Saal

11.04.2018, Ravensburg, Oberschwabenklub

13.04.2018, Leipzig, Haus Auensee

Bewertung ausgezeichnet
CD-Titel Niente
Bandname/Interpret Wanda
Genre Austro Pop
Erhältlich ab 06.10.2017
Label Vertigo Berlin
Vertrieb Universal

Wanda: Niente
Der wichtigste Pop-Export aus Österreich seit Mozart und Falco: Wanda aus Wien.  Foto: Wolfgang Seehofer / Vertigo Berlin